Eintracht-Frauen

Noch spielt das Geld keine Rolle

Von Kim Maurus
01.09.2021
, 09:59
Die Eintracht-Frauen am vergangenen Wochenende während des Spiels gegen den SC Sand
Erstmals werden alle Spiele der Frauen-Bundesliga live übertragen. Die Eintracht sieht darin den Beginn einer neuen Ära – muss die Sparte dafür aber profitabler machen.
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Wenige Tage vor dem Bundesligaauftakt der Eintracht-Frauen beantwortete Vorstandssprecher Axel Hellmann in einer Pressekonferenz die Frage, welche Bedeutung der Frauenfußball für die Eintracht habe. Dieser müsse zum Gesamtbild eines „universellen Sportklubs“ wie der Eintracht gehören, sagte er. Der Frauenfußball verändere die Wahrnehmung der Eintracht im positiven Sinne. Die Fans hätten sich mehr Frauenfußball gewünscht. Und er hoffe, dass die Eintracht-Spiele durch das geschaffene „Live-Ereignis“ noch mal „einen Boost bekommen“.

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Hellmann meinte mit dem „Live-Ereignis“ auch die mediale Übertragung des Frauenfußballs. Erstmals werden in der 32. Bundesliga-Saison alle 132 Begegnungen live bei MagentaSport gezeigt. Der Vertrag läuft für zwei Spielzeiten, die Telekom und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) teilen sich das Investment. Die ARD-Sportschau räumt den Spielerinnen Platz in ihrer Berichterstattung ein, Eurosport zeigt eine Partie je Spieltag im Free-TV, Sky überträgt in jeder Pokalrunde ein Spitzenspiel. So viel mediale Aufmerksamkeit gab es in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs noch nie.

Für Siegfried Dietrich, Sportdirektor der Eintracht Frauen, ist das Anlass für großen Optimismus. „Durch die Fernsehverträge, die Zentralvermarktung und unsere eigene Vermarktung hat die Finanzierung des Frauenfußballs eine neue Dimension angenommen“, sagt er. Die Vermarktung der Frauen-Bundesliga läuft zentral über den DFB, zudem hat die Eintracht bestehende Verträge, etwa mit dem Trikot-Sponsor. Nach F.A.Z.-Informationen erhält jeder Frauen-Bundesligaklub zwischen 300.000 Euro und 400.000 Euro, inklusive der Fernseherlöse.

Nicht so weit weg von der englischen Liga

Über solche Zahlen spricht Dietrich ungern. „Es ist wichtig, dass wir den Frauenfußball künftig noch besser auf unternehmerische Füße stellen“, sagt er. Geld allein sei aber nicht entscheidend, „sondern die Ernsthaftigkeit, mit der wir die Sache vorantreiben“. Dass Frauenfußball generell mehr Geld verschlingt, als er einnimmt, ist kein Geheimnis. Der DFB veröffentlichte dazu im Februar 2021 erstmals Zahlen: Rund 1,1 Millionen Euro hat ein Frauen-Bundesligaverein demnach durchschnittlich in der Saison 2019/2020 verdient, 2,1 Millionen Euro hat er ausgegeben. Dietrich formuliert das so: „Im Frauenfußball spielt nach wie vor das Investment ein große Rolle.“ Aber das Potential im Frauenfußball sei viel größer, als es allgemein wahrgenommen werde.

Die englische Liga ist der deutschen mit der Vermarktung der Spiele weit voraus. Die Europameisterschaft im kommenden Jahr findet zudem in England statt, „dadurch wird ein gewisser Schub ausgelöst“, sagt Dietrich. Auch sei die gesellschaftliche Akzeptanz des Frauen-Fußballs in England höher. Über die dortige Spielqualität sagt Dietrich: „Wir sind gar nicht so weit weg davon.“ Vor allem in der Breite sei der deutsche Frauenfußball besser aufgestellt, in der zweiten Liga gebe es in der Zukunft viele Mannschaften, die sich für die erste Liga empfehlen könnten.

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„Verhältnismäßigkeit muss immer stimmen“

Dietrich, der auch Vorsitzender des DFB-Ausschusses der Frauen-Bundesligen ist, glaubt, dass sich der Frauenfußball in drei bis fünf Jahren grundlegend verändern wird: „Ich bin hoffnungsfroh, dass sehr bald alle großen Männervereine in den Frauenfußball investieren.“ Wichtig sei, dass Frauen- und Männerfußball unter dem Dach eines Vereins stattfinden. „Das zählt auch zu den Intentionen von Eintracht Frankfurt, um den Markt noch mehr für Medien, Zuschauer und Sponsoren zu erschließen.“ Über die enormen Unterschiede der Gehälter zwischen Männern und Frauen sagt Dietrich nur: „Die Verhältnismäßigkeit muss immer stimmen.“

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Neue Fernsehverträge von 2023 an sollen laut Dietrich „angemessen höher“ dotiert werden. Auch ausgelastete Stadien seien unerlässlich. Im ersten Spiel der Saison gegen den SC Sand hatte die Eintracht dieses Bestreben nur knapp verfehlt, 1000 von 1046 zugelassenen Plätzen waren besetzt. Um den Frauenfußball stärker in der Gesellschaft zu verankern, sieht Dietrich noch eine grundsätzliche Hürde: „Frauenfußball sollte wie Männerfußball regelmäßig stattfinden.“ Dann würde auch die regelmäßige Berichterstattung folgen.

Um die teils mehrwöchigen Lücken im Spielplan zu stopfen, müsste die Anzahl der Mannschaften vergrößert werden, zunächst auf 14, dann auf 16 Mannschaften. „Das würde uns mehr Präsenz bringen, und die Spielerinnen hätten dann noch eine bessere Grundlage für den Vollzeitjob als Profifußballerinnen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Maurus, Kim
Kim Maurus
Volontärin.
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