<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Eintracht siegt bei Arsenal

„Die Stimmung war eine Vollkatastrophe“

Von Tobias Rabe
Aktualisiert am 29.11.2019
 - 08:02
Die Frankfurter um Doppeltorschütze Daichi Kamada (rechts) jubeln vor spärlich gefüllten Rängen.
Trotz miserabler erster Halbzeit gewinnt Frankfurt das Europa-League-Spiel bei Arsenal. Nach den Toren von Daichi Kamada zeigen sich auch die Eintracht-Fans, die eigentlich gar nicht im Stadion sein dürfen.

Wie die Mannschaft so die Fans. In der ersten Halbzeit war von beiden kaum etwas zu sehen, nach der Pause drängten sie immer mehr in den Mittelpunkt – und freuten sich am Ende doch noch gemeinsam über den Sieg. Eintracht Frankfurt gewann in der Europa League nach ganz schwachen 45 Minuten mit 2:1 beim FC Arsenal. Nach dem Rückstand durch ein Tor des früheren Dortmunders Pierre-Emerick Aubameyang (45.+1 Minute) drehte der Japaner Daichi Kamada mit zwei Treffern (55. und 64.) das Spiel für den Bundesligaklub, der nun beste Aussichten auf den Einzug in die K.o.-Runde hat.

Europa League

Es war eine Partie unter doppelt erschwerten Bedingungen für die Eintracht. Sportlich standen nach zuletzt drei Niederlagen in Serie die Vorzeichen schlecht. Dazu mussten die Frankfurter, wie schon in Lüttich, nach einer Bestrafung auf die Unterstützung der eigenen Fans verzichten. Theoretisch. Denn einige hatten sich abseits des leeren Fanblocks doch Karten für das Stadion besorgt. Zunächst gaben sie sich nicht zu erkennen. Doch spätestens nach dem Führungstor von Kamada bis zum Schluss hallten Frankfurter Fangesänge durch die erschreckend spärlich gefüllte Heimstätte von Arsenal.

„Die Stimmung im Stadion war eine Vollkatastrophe“, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic bei DAZN an einem nassen Londoner Novemberabend. „Es war wie das Wetter.“ Allerdings mit einem erfreulichen Ende für die Frankfurter. „Eintracht-Fans kriegt man nicht so leicht aus dem Stadion“, sagte Bobic mit einem Lächeln. „Sehr viele haben wohl sehr gute englische Freunde.“ Als sich die deutschen Anhänger spät durch Jubel und Gesänge zu erkennen gaben, schritten die Ordner, anders als befürchtet, nicht ein und ließen sie gewähren. Schon etwa 1000 hatten die Frankfurter Mannschaft vor dem Spiel vor dem Stadion empfangen. „Die Begeisterung hat uns gut getan“, sagte Trainer Adi Hütter.

„Wir waren erschrocken, als es nach dem 2:1 auf einmal so laut wurde“, sagte Danny da Costa, der schon erlebt hatte, dass beim Spiel in Lüttich keinerlei Reaktionen auf ein eigenes Tor von der Tribüne kamen. Offensichtlich gab es bessere Beziehungen beim Ticketerwerb nach England als nach Belgien. „Cool, dass ein paar da waren. Ich hoffe, sie bekommen keinen Ärger.“ Arsenal hatte vor der Partie doppelte Kontrollen angekündigt, um deutsche Fans zu identifizieren. Zudem drohte der Premier-League-Klub eigenen Zuschauern, die ihr Ticket an Frankfurter verkaufen, mit dem Entzug der Mitgliedschaft.

Der Entzug der sportlichen Mitgliedschaft an der Europa League drohte auch der Eintracht. In der ersten Halbzeit zeigten die Spieler eine erschreckende Leistung gegen alles andere als starke Londoner. Torwart Frederik Rönnow, der nach seinem Ausfall in der Bundesliga gegen Wolfsburg, wieder dabei war, rettet die Frankfurter mit einigen Paraden vor einem höheren Rückstand. „Du hast drei Niederlagen in den Knochen, das musst du erst einmal abschütteln“, sagte Bobic. „Die Worte des Trainers haben gefruchtet in der Halbzeitpause, am Ende haben sie es sich verdient.“

Allen voran Kamada glänzte in der ungewohnten Rolle des Vollstreckers. Der Mittelfeldspieler war nach schwacher erster Zeit in Frankfurt in der vergangenen Saison nach Belgien an VV St. Truiden ausgeliehen. Dort glänzte er mit sechzehn Toren und neun Vorlagen und nutzte nach der Rückkehr die Chance, die ihm Trainer Hütter gab. Mehr als ein Tor im DFB-Pokal sprang für den technisch so eleganten Fußballspieler aber zunächst nicht heraus. Das änderte sich, als es die Eintracht nötig hatte. Zwei präzise Schüsse, erst mit links, dann mit rechts, drehten das Duell mit Arsenal.

„Gegen Arsenal zwei Tore zu erzielen ist für ihn sensationell. Er hat sich ein Extra-Lob verdient“, sagte Hütter. „Nach dem Sieg haben wir wieder alles in der Hand.“ Durch den Sieg in London hat sich die Lage in der Gruppe enorm verbessert. Selbst Platz eins ist möglich. Vor dem abschließenden Spieltag liegt Arsenal (zehn Punkte) vorne, Lüttich hat zwei Punkte weniger als die Frankfurter (neun). Da der direkte Vergleich mit Lüttich ausgeglichen ist, zählt bei Punktgleichheit das Torverhältnis. Dort ist die Eintracht mit 6:7 im Vergleich zu 6:8 den Belgiern derzeit minimal überlegen. Sollte es, etwa durch ein 1:0 Lüttichs und ein 1:1 Frankfurts, auch dort zu Gleichstand kommen, hat Frankfurt die besseren Karten, dann zählt die Zahl der Auswärtstore. Dort war die Eintracht vier Mal erfolgreich, Lüttich nur zwei Mal. Ein Sieg im abschließenden Heimspiel gegen das abgeschlagene Vitória Guimarães aber würde alle Rechenspiele unnötig machen.

Die Chancen, dass sich die Europareise der Eintracht, die in der vergangenen Saison erst in London bei Chelsea im Halbfinale unglücklich endete, auch im Jahr 2020 weitergeht, sind also groß. Zunächst aber steht der nationale Alltag für die Frankfurter an, die nach dem 5:1-Sieg über den FC Bayern gegen Freiburg und Wolfsburg verloren. Am Montag wartet das Spiel in Mainz mit dem neuen Trainer Achim Beierlorzer, am Freitag danach kommt Hertha BSC mit Jürgen Klinsmann. „Da müssen wir von Anfang an unsere Tugenden und das, was uns stark macht, zeigen“, sagte da Costa. Dann auch wieder ganz offiziell mit den Fans im Rücken.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rabe, Tobias
Tobias Rabe
Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.
  Zur Startseite

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.