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Evan Ndicka

Der Gewinner der Eintracht-Krise

Von Peter Heß, Frankfurt
 - 11:38
Gute Aussichten: Evan Ndicka (rechts, mit Djibril Sow) hat gute Chancen auf einen Platz in der Viererkette.

Evan Ndicka wirkt ziemlich gut gelaunt und aufgeräumt. Wieso auch nicht. Der 20 Jahre alte Franzose ist einer der ganz wenigen Gewinner der Krise, die die Eintracht seit November durchlebt. In den vergangenen acht Bundesliga-Begegnungen der Vorrunde stand der Linksverteidiger sechsmal in der Startelf, nachdem er in den ersten neun Spielen nur einmal das Vertrauen geschenkt bekommen hatte. Und im neuen Jahr haben sich die Einsatzchancen für Ndicka noch einmal verbessert. Trainer Adi Hütter bevorzugt jetzt die Abwehr-Viererkette, und damit existieren in seinem Verteidigungssystem zwei Plätze für Linksfüßer.

In der bis zum letzten Hinrunden-Spieltag favorisierten Dreierkette gab es für den Junioren-Nationalspieler kein Vorbeikommen an Martin Hinteregger. Erst als der Österreicher den schwächelnden Makoto Hasebe im Zentrum ablöste, durfte Ndicka ran. Nun aber kann er als linker Außenverteidiger neben dem linken Innenverteidiger wirken.

In der Viererkette

In Paderborn, bei der 1:2-Niederlage zum Jahresabschluss, hat das Ndicka schon getan und seine Aufgabe zur allgemeinen Zufriedenheit erledigt. Nicht nur das, er bereitete auch den Frankfurter Treffer durch Bas Dost mit vor. „In der Viererkette ist die offensive Belastung größer. Das muss man steuern im Spiel. Aber ich gehe gerne über die Mittellinie“, sagte Ndicka am Dienstag, dem ersten Trainingstag nach der Rückkehr aus Florida und dem Beginn der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung auf den Rückrundenstart am Samstag bei der TSG Hoffenheim.

Auch im abschließenden intensiven Trainingsspiel auf einem begrenzten Spielfeld ließ Hütter in einer Vierer-Abwehrformation üben, wie zuvor im amerikanischen Trainingslager. So dass davon auszugehen ist, dass die Eintracht auch in Hoffenheim auf diese Art und Weise agieren wird. „Es wird keine Umstellungsprobleme geben“, kündigt Ndicka im Brustton der Überzeugung an. „In der Viererkette zu spielen gehört doch zur Grundausbildung jedes Abwehrspielers.“ Es bedürfe nur kleinerer Anpassungen. Dreierkette, Viererkette? Er habe keine Präferenz. „Ich fühle mich überall in der Abwehr wohl. Ich werde als linker Außenverteidiger nicht auf verlorenem Posten stehen.“

Ndicka macht im Gespräch nicht den Eindruck, dass ihn die Frankfurter Negativserie sonderlich belaste, aber dem widerspricht er. „Mit 17 habe ich in Auxerre eine ähnliche Situation erlebt, aber da war ich viel unbekümmerter.“ Er mache sich zwar nicht verrückt, aber er denke ständig darüber nach, was er besser machen könnte. „Ich spiele immer gerne Fußball, aber ich hasse den Weg in die Kabine, wenn wir verloren haben. Egal, ob nach der ersten Niederlage, der vierten oder der siebten.“

„Wir müssen weiter Fußball spielen“

Die schwarze Serie im Winter habe allerdings keinen großen Einfluss auf seine Berufsauffassung. „Sie verändert mich nicht, ich will immer alles geben und gemeinsam mit der Mannschaft die Probleme lösen.“ Ndicka hielte es für einen Fehler, in einen Abstiegskampf-Modus zu verfallen – Risiken zu vermeiden und versuchen Punkte zu ermauern. „Wir müssen weiter Fußball spielen. Nur lange Bälle auf die Stürmer schlagen und darauf hoffen, dass sie irgendwie ihren Job erledigen, funktioniert nicht.“

Seine Ansichten, und wie er sie mit sonorer Stimme – auf Französisch – formuliert, wirken für einen 20-Jährigen ungeheuer reif und reflektiert. Und so agiert Ndicka auch auf dem Spielfeld. Der junge Franzose spielt einen seriösen Fußball, wählt vernünftige Lösungen, weiß das Risiko sehr gut zu kalkulieren. Sein Start in Frankfurt war außergewöhnlich. In der vergangenen Saison hatte Ndicka einen Stammplatz sicher, in der Winterpause erkundigte sich Paris St-Germain nach dem Senkrechtstarter. Doch dann kam das Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League in Lissabon, und dem Abwehrtalent unterlief ein ungeschicktes Foulspiel im Strafraum, das mit einer Roten Karte bestraft wurde. Hütter entzog Ndicka nach der 2:4-Niederlage das Vertrauen und setzte ihn bis zum Saisonende nur noch zweimal kurz ein. Und auch in dieser Spielzeit dauerte es bis Ende Oktober, ehe sich für ihn wieder das Tor zur Startformation öffnete. „Es kann nicht immer alles schön, alles rosa sein“, kommentierte der Teenager altklug und arbeitete im Training unverzagt weiter. Seine Eltern hätten ihm früh beigebracht, demütig zu sein. Das habe ihm geholfen, die schwere Zeit zu überwinden.

Nach Bewältigung der ersten persönlichen Krise steht nun die Aufgabe an, auch die Eintracht-Krise zu beenden. Der Abstiegskampf ist dabei für ihn kein Schreckgespenst. „Wir müssen versuchen, Spiele zu gewinnen und häufiger zu null zu spielen, das ist alles. Ob wir bis zum Ende in den Abstiegskampf verwickelt bleiben oder weiter nach oben kommen, wird die Zukunft zeigen.“ Für seine Einstellung sei der Erfolg aber nicht entscheidend: „Es geht immer nur darum, das Beste aus sich herauszuholen.“

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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