Neuer Wirbel um Eintracht-Star

Martin Hinteregger trennt sich vom Rechtsaußen

Von Ralf Weitbrecht
09.06.2022
, 19:10
Martin Hinteregger sorgt einmal mehr für Aufsehen.
Der Eintracht-Verteidiger plante ein Fußballturnier mit einem mutmaßlichen Rechtsextremisten. Hinteregger distanziert sich, auch die Eintracht reagiert. Einmal mehr sorgt der Österreicher für Unruhe.
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Ein Fußballfest für Fans und Freunde. Genau dies soll der „Hinti-Cup“ in Kärnten sein, geplant für vier Tage vom 16. bis 19. Juni. Schauplatz: Schloss Albeck, Perle des Gurktals, in Martin Hintereggers österreichischem Heimatdorf Sirnitz. 277 Menschen leben dort. Jeder kennt jeden. Und natürlich kennt der Eintracht-Profi Hinteregger auch Heinrich Sickl.

Mit ihm war Hinteregger bis Donnerstag geschäftlich verbandelt. Gemeinsam hatte das Duo mit einer Gastronomin die „Hinti Event GmbH“ gegründet und das Turnier geplant, bei dem „wir in Sirnitz meine zwei Welten, meine zwei Herzen feiern wollen. Wir alle gemeinsam verbringen ein lässiges und noch nie dagewesenes Wochenende im Zeichen des Fußballs, der geilsten Musik sowie der länderübergreifenden Verbundenheit“, schreibt Hinteregger auf der Homepage der Veranstaltung.

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Recherchen aus Österreich

„Lässig“, cool und ausgelassen? Wohl kaum, denn der Ärger ist riesengroß. Recherchen des österreichischen Journalisten Michael Bonvalot haben ergeben: Hintereggers Geschäftspartner Sickl soll ein „überaus bekanntes Gesicht der österreichischen Rechtsaußen-Szene“ sein. Demnach soll Sickl schon in seiner Jugend Verbindungen ins extrem rechte Milieu gehabt haben.

In den vergangenen Jahren zeigte sich der ehemalige Grazer FPÖ-Gemeinderat laut Recherche als Unterstützer der neurechten Identitären Bewegung, soll unter anderem bei Aufmärschen im Ordnungsdienst mitgearbeitet, der Gruppe Räumlichkeiten vermietet und auch Geld gespendet haben. Auch soll Sickl als Vorsitzender des „Freiheitlichen Akademikerverbands“ gemeinsam mit dem rechtsextremen „Institut für Staatspolitik“ von Götz Kubitschek, einer zentralen Figur der Neuen Rechten, Veranstaltungen organisiert haben.

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Hinteregger distanziert sich

Am Donnerstag hat sich Hinteregger bei Instagram zu den Verwicklungen geäußert. „Ich habe keine Kenntnisse über vergangene oder zukünftige Aktivitäten seitens der Familie Sickl“, teilte der 29 Jahre alte Frankfurter Verteidiger mit. „Ich möchte lediglich ein Fußballturnier stattfinden lassen, und mehr nicht. Jegliche Geschäftsbeziehung zur Familie Sickl wird aufgrund des aktuellen Wissensstandes mit sofortiger Wirkung abgebrochen, und die Veranstaltung Hinti-Cup wird alternativ geprüft, um eine weitere Vorgehensweise zu klären. Ich habe durch meine Zeit im Profifußball und auch privat Freunde auf der ganzen Welt und weise Anschuldigungen, dass ich rechts orientiert bin, klar ab, und setze mich weiter gegen jegliche Art der Diskriminierung ein.“

Eintracht Frankfurt veröffentlichte am frühen Abend eine Stellungnahme. Die Verantwortlichen des Klubs hätten Hinteregger bisher nicht erreichen können und sich nur mit seinem Berater austauschen können. „Insofern bleibt aktuell lediglich der Verweis auf die Stellungnahme des Spielers via Instagram“, hieß es. Der Klub distanzierte sich: Eintracht Frankfurt habe keine Kenntnis von „Inhalt und Form der Geschäftsbeziehung Martin Hintereggers im Zusammenhang mit dem sogenannten Hinti-Cup.“

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Die Eintracht schrieb: „Die geschäftliche und gesellschaftliche Nähe zu einem Vertreter des rechten politischen Spektrums in Österreich verlangt eine klare Distanzierung“. Gleichzeitig verwies der Klub darauf, dass er keine Zweifel daran habe, dass Hinteregger ein weltoffener und toleranter Charakter sei, dem Diskriminierung fremd sei. In einer solchen Situation dürfe es aber „keine Kompromisse geben, insbesondere auch nicht auf dem Rücken der Fans, die guten Glaubens nach Sirnitz reisen wollten, um ein Fußballturnier zu spielen und jetzt womöglich Gefahr laufen, durch ihre bloße Teilnahme unfreiwillig in eine Haltungsdebatte gezogen zu werden.“

Irritierendes Interview von Hinteregger in Österreich

Es ist nicht das erste Mal, dass der 67-malige Nationalspieler Hinteregger abseits des Fußballplatzes in den Fokus geraten ist. Hinteregger ist eine vielschichtige Persönlichkeit. Bei der Eintracht hat er es zu einem Publikumsliebling geschafft, weil er so ist, wie er ist. Einer mit Ecken und Kanten. Einer, der sagt, was er denkt, und damit immer wieder aneckt.

„Sehr viel“ sei „in die Brüche gegangen“, ließ sich der Verteidiger unlängst zitieren, weil die Eintracht ihm im Herbst und vor dem Europa-League-Spiel gegen Barcelona nahegelegt habe, im Sommer den Klub zu verlassen. Diese Aussage im Boulevardblatt „Kronen-Zeitung“ hat den Klub durchaus irritiert, weil mittlerweile und nach einem längeren Gespräch mit Trainer Oliver Glasner längst geklärt war, dass Hinteregger sehr wohl auch im kommenden Jahr eine Rolle in Frankfurt spielen werde.

Hinteregger ist kein perfekter Fußballprofi wie beispielsweise Mitspieler Makoto Hasebe. Er kommt schon mal mit deutlichem Übergewicht aus dem Urlaub, nutzt freie Tage, um gegen Absprachen Hubschrauber zu fliegen. In seiner Autobiographie beschreibt er, wie er zeitweise unter Depressionen leide und dass er manchmal aus den Zwängen des Profitums ausbrechen müsse, um ihnen auf Dauer standzuhalten. Der „Hinti-Cup“ mag dafür gut sein – die Wahl seines Geschäftspartners war es nicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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