Nationalspielerin Freigang

„Wir wollen keinen Welpenschutz mehr“

Von Alex Westhoff
18.10.2021
, 17:43
Einen Schritt schneller: Laura Freigang (links) beim Sieg gegen den FC Bayern München
Fußball-Nationalspielerin Laura Freigang spricht im Interview über den Coup der Eintracht-Frauen gegen Bayern München, die Entwicklung der Mannschaft und internationale Ziele.
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Wie feiert man bei den Eintracht-Frauen einen spektakulären 3:2-Heimsieg gegen Meister und Tabellenführer Bayern München?

Wir haben den Sonntagabend noch bei einer Spielerin daheim ruhig ausklingen lassen und genossen. Bei einem solchen Erfolg, den es nicht alle Tage gibt, gilt es, alles aufzusaugen. Wir durften allerdings nicht ganz „unverantwortlich“ sein, weil viele von uns am Montag schon auf Länderspielreisen gegangen sind.

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Die Bayern galten als schier unschlagbar. Welches Signal geht von dem Coup für Ihre Mannschaft und die Bundesliga aus?

Es lag etwas in der Luft, das habe ich schon auf dem Weg zum Stadion und in der Kabine gespürt. Der Sieg kam nicht von irgendwoher. Toll zu sehen und zu erleben war, dass wir nicht irgendwie und mit viel Glück gewonnen haben, sondern ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Wir waren die Mannschaft, die bis zur letzten Sekunde alles für den Sieg gegeben hat. Die Liga könnte in dieser Saison spannender werden als zuletzt, was die Attraktivität deutlich erhöhen würde.

Jung, entwicklungsfähig, zukunftstauglich, aber gegen die Topteams gibt es nichts zu holen – dafür stand die Mannschaft nun lange ...

...das hat an uns gehaftet. Wir haben oft gut gespielt und nichts mitgenommen. Aber vor allem gegen Gegner, die wir mit unserer Qualität schlagen müssten, haben wir es oft nicht geschafft, das zu zeigen, was wir drauf haben. In diesem Jahr sind wir einen Schritt weiter – was auch mit den Rahmenbedingungen zu tun hat. Wir sind jetzt knapp über einem Jahr unter dem Dach der Eintracht und hatten beispielsweise Top-Bedingungen in der Vorbereitung, was auch das Trainingsniveau deutlich angehoben hat. Aus unserem guten Zusammenspiel heraus erzeugen wir in der Offensive viel Wucht und kreieren viele Chancen. Dazu kommt dieses gewisse Etwas, was diese Mannschaft definitiv hat.

Findet der Übergang statt von einem Team, das immer auf die eigene Jugend verweist und um Reifezeit bittet, zu einem echten Siegerteam?

Der Weg zu einer Mannschaft, die man sehr ernst nehmen sollte, hat spätestens jetzt begonnen. Das Auftreten gegen Bayern war keines von unerfahrenen, sondern von gestandenen Spielerinnen. Das war ein reifer Auftritt, bei dem wir selbst gesehen haben, was wir können. Es wird wichtig sein, dass wir diesen Stil fortsetzen, ohne abzuheben. Dann ist alles möglich.

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Also ist der bequeme Welpenschutz für dieses Team nun vorbei? Immerhin gehen 13 Nationalspielerinnen mit ihren Auswahlteams auf Reisen.

Den Welpenschutz wollen wir nicht mehr. Wir sind jung, und deshalb klappt es vielleicht hier nicht und dort nicht – das wollen wir nicht mehr sein. Und das ist auch kein Thema mehr bei uns intern. Bei uns herrscht das Gefühl vor, dass wir bereit sind für alle Aufgaben, die auf uns warten.

Sie haben unlängst Ihren Vertrag bei der Eintracht bis Mitte 2025 verlängert. Eine Wette darauf, dass bis dahin ein paar Champions-League-Jahre dabei sind?

Mit dem Verein international zu spielen, ist mein Ziel. Und wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dies mit der Eintracht nicht erreichen zu können, dann hätte ich nicht vorzeitig verlängert. Der Verein gibt mir sehr viel, und ich möchte dem Verein viel zurückgeben. Hier läuft gerade ein Projekt, ein sehr cooles Projekt. Und ich habe gerne früh ein Zeichen dafür gesetzt. Viele Verträge laufen aus, und ich hoffe, dass viele Spielerinnen dieser richtig guten Truppe gehalten werden können.

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Mit der DFB-Auswahl steht am Donnerstag ein Match in Israel an. Eine besondere Reise?

Ja, sehr. Mit einer deutschen Nationalmannschaft nach Israel zu fahren, bedarf eines besonderen Bewusstseins und einer besonderen Sensibilität. Unabhängig davon ist Israel ein sehr schönes Land. Dieses Mal nehmen wir uns auch mehr Zeit, etwas von Land, Leuten und Kultur zu sehen. Das ist in meinen Augen sehr wichtig.

Im Sommer stehen die Europameisterschaften in England an. Wollen Sie nur dabei sein oder bei Ihrem möglichen ersten großen Turnier gleich ein Faktor sein?

Ich möchte mich aufdrängen in der Liga und in den Minuten, die ich bei der Nationalmannschaft bekomme. Mehr liegt nicht in meiner Hand, sodass ich mich dahingehend freimache von Druck. Ich weiß auch, dass die Bundestrainerin im Angriff verschiedene Spielertypen mit viel Qualität zur Auswahl hat. Mein Nummer-eins-Ziel ist, mit zur EM zu fahren.

Nach der Rückkehr von der DFB-Elf steht das Pokal-Achtelfinale an – bei Bayern München. Das wird nicht einfacher nach dem Coup in der Liga, oder?

Die Bayern spielen zu Hause und werden dann drei Tage vorher keine Champions-League-Belastung gehabt haben. Das ändert aber nichts daran, dass wir mit unseren neuen Qualitäten in diesem Jahr mitspielen und dagegenhalten werden. Und dann ist wieder ein Sieg drin.

Quelle: F.A.Z.
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