Viele Fragezeichen bei der SGE

Gewitterwolken über der Eintracht

Von Peter Heß
17.08.2020
, 11:20
Ganz eng: Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Adi Hütter
Verlängert Trainer Adi Hütter, bleibt Sportdirektor Hübner, wann fließt das Geld aus dem Haller-Transfer? Die Eintracht hängt in der Luft.
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Es herrscht eine seltsame Großwetterlage über der Frankfurter Eintracht. Kein Lüftchen regt sich am Himmel in der schwülen brütenden August-Hitze, nichts geschieht, aber es sind Gewitterwolken aufgezogen. Sie haben sich noch nicht vor die Sonne geschoben, doch niemand weiß, ob sich das drohende Unwetter einfach wieder verzieht oder es zum Ausbruch kommen wird und womöglich Schäden hinterlässt.

Zuallererst: Die Eintracht hat kein Geld. Das ist zunächst weniger schlimm, als es sich anhört, denn das geht bis auf wenige Ausnahmen allen Konkurrenten so wegen der Auswirkungen der Corona-Krise. Und der Frankfurter Traditionsklub ist finanziell sogar vergleichsweise gut aufgestellt durch die kürzliche Erhöhung des Eigenkapitals und durch die hohen Einnahmen durch die zwei Jahre in der Europa League. Aber das ganze Kapital ist gebunden: durch die Übernahme des Stadions, durch den Stadionausbau und die Errichtung des neuen Proficamps. Und so wirken sich die Einnahmeeinbußen durch Corona auf die Liquidität der Eintracht genauso verheerend aus wie bei den Bundesligaklubs, denen das Wasser – im Gegensatz zu den Frankfurtern – bis zum Hals steht. Manche von ihnen besitzen im Moment sogar mehr Spielraum, da sie Hilfe von den Ländern beziehungsweise Kommunen in Anspruch genommen haben.

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Die Stadt Frankfurt tut sich schwer damit, ihren Fußballprofiklub zu alimentieren, obwohl er in den vergangenen Jahren zu einem ganz herausragenden Botschafter der Mainmetropole geworden ist, sondern sieht sich ihren Bürgern verpflichtet. Sie erwies sich als hartnäckiger Verhandlungspartner, als es um die Ausgestaltung des neuen Stadionvertrages ging, der die Rechte und Pflichten regelt. Die Gesamtsituation für die Eintracht ist im Vergleich zum ausgelaufenen Kontrakt zwar deutlich besser geworden, aber dafür steht sie auch mehr im Risiko. Über 15 Millionen Euro Betriebskosten wollen erst einmal erwirtschaftet werden, wenn keine – oder nur sehr eingeschränkt – Zuschauer die Veranstaltungen in der Arena besuchen dürfen. Auch in den Nachverhandlungen zum Mietzins, die diese Tatsache berücksichtigen, zeigte sich die Stadt nicht übertrieben entgegenkommend.

Wo bleibt das Haller-Geld?

Dass fest einkalkulierte Transfereinnahmen für Sébastien Haller bisher ausgeblieben sind, verschärft noch die aktuelle Lage. West Ham United ist mit zwei Ratenzahlungen in Verzug. Die Vertragslage ist eindeutig, die Eintracht wird schon an ihr Geld kommen, nur wann?

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Bis dahin gilt der von Sportvorstand Fredi Bobic schon häufiger strapazierte Satz: „Man kann nur einkaufen, wenn man Geld hat.“ Zunächst muss ein Profi verkauft worden sein, bevor ein neuer verpflichtet werden kann. Und im Gegensatz zu zahlreichen Meldungen hat die Eintracht noch keine offizielle Anfrage, geschweige denn ein Angebot für einen ihrer Verkaufskandidaten Kostic, Hinteregger und Ndicka erhalten. Was aber auch keine Überraschung sein kann, da im Europapokal noch fleißig gespielt wird, das Transferfenster erst in sieben Wochen schließt und viele Klubs die Entwicklung auf dem Markt abwarten wollen.

Dieses In-der-Luft-Hängen verzögert auch die Vertragsverlängerung mit Trainer Adi Hütter. Es seien noch einige Punkte zu klären, bemerkte der Österreicher wiederholt auf die Frage, wann sein zum 1. Juli 2021 auslaufender Kontrakt erneuert werde. Die Spekulation ist nicht sehr gewagt, dass es dabei kaum um sein Gehalt gehen wird, sondern um die künftige Qualität des Kaders. Der sehr ehrgeizige Vorarlberger ist nicht mehr der demütige Trainer, der er bei seiner Ankunft in Frankfurt war. Damals sagte er, er arbeite mit den Spielern, die er vorgesetzt bekomme. Hütter hat mit seinen Erfolgen Selbstbewusstsein entwickelt und macht seinen Einfluss geltend. Was ihm sein Sportvorstand zugestanden hat. Bobic wird zwar bei keiner Neuverpflichtung gegen seine Überzeugung die Unterschrift unter den Vertrag setzen. Andererseits musste Bobic bei den Transfers von Hinteregger, Sow, Ilsanker und zuletzt Zuber keine allzu große Überzeugungsarbeit gegenüber seinem Trainer leisten, alle vier kennt Hütter schon lange sehr gut.

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Nicht um jeden Preis

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Frankfurter Transferpolitik in den nächsten Wochen entwickeln wird. Hütter und Bobic versichern immer wieder, dass man wisse, was man aneinander habe. Und man darf tatsächlich glauben, dass beide Parteien einander grundsätzlich schätzen und eine weitere Zusammenarbeit anstreben. Aber auch nicht um jeden Preis.

Nicht nur Hütters Vertrag läuft im nächsten Sommer aus, auch der von Sportdirektor Bruno Hübner. Der Trainer würde es gerne sehen, wenn Hübner weitermachte, beide befinden sich auf einer Wellenlänge, bilden ein vertrautes Tandem. Aber der frühere Bundesligastürmer deutete gegenüber der „Sportbild“ an, sich künftig mehr um seine Familie kümmern zu wollen. Eine Formulierung, die ziemlich häufig in dieser Branche verwendet wird, wenn Angestellte spüren, dass nicht mehr alles so ist, wie es sein sollte. Diese Personalie birgt Zündstoff, solange sie nicht geklärt ist.

Eine andere Personalie wurde gerade vollzogen. Vor wenigen Wochen löste Philip Holzer Wolfgang Steubing als Vorsitzender des Aufsichtsrats ab – völlig geräuschlos. Aber Holzers Wahl bedeutet, dass eine andere Kraft in die Führungsriege der Eintracht Einzug gehalten hat und sich das Kraftfeld neu ausrichtet. Im Fußball-Himmel über der Eintracht ist vieles in Bewegung. Bleibt es bei Wetterleuchten, oder kommt es zum Gewitter?

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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