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Bundesliga-Start

Das macht der Eintracht Hoffnung für die Rückrunde

Von Peter Heß
Aktualisiert am 17.01.2020
 - 14:06
Was bringt das neue Jahr für Trainer Adi Hütter und Eintracht Frankfurt?
Es gibt einige Gründe, warum das neue Jahr in der Bundesliga besser für die Eintracht beginnen kann, als das alte endete. Dass ein Fluch auf den Rückrunden der Frankfurter liegt, ist eine irrige Annahme.

Es ist ja gut, wenn die Sinne geschärft sind. Aber der Abwärtsstrudel, der die Eintracht zum Jahresende 2019 erfasst hat, darf nicht dazu führen, dass die Sorgen vor dem Ertrinken die Schwimmbewegungen lähmen und so das rettende Ufer erst recht verpasst wird. Nur Mut, Frankfurt, auch die anderen Fußballklubs haben Sorgen. Die Bayern zum Beispiel, die trotz ihrer Millionen auf dem Festgeldkonto einfach keine Verstärkungen für ihren ausgedünnten Kader finden. Oder die TSG Hoffenheim, am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) der erste Rückrundengegner der Eintracht.

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Bei den Kraichgauern gibt im gesegneten Alter von 34 Jahren Torwart Philipp Pentke sein Bundesligadebüt. Der Sachse blickt nach einer langen Karriere auf 58 Zweitligabegegnungen zurück und 174 Spiele in der dritten Liga – aber auf keinen erstklassigen Einsatz. Im Sommer wurde er als Ersatzmann für die Nummer 1 Oliver Baumann verpflichtet, nachdem er eine starke Zweitliga-Saison für Jahn Regensburg gespielt hatte. Nun ist Baumann verletzt und auch der dritte Mann im Hoffenheimer Tor, Alexander Stolz, leidet an Ellbogenbeschwerden, die ihn in die Arbeitsunfähigkeit treiben.

So darf Pentke ran, dem Trainer Alfred Schreuder den Vorzug vor dem kurzfristig aus Hannover verpflichteten Michael Esser gibt. „Wir haben ihn nicht umsonst geholt. Alle trauen ihm das zu. Ich habe keine Bedenken bei ihm“, sagte der niederländische Coach der Hoffenheimer am Donnerstag vertrauensselig. Aber Eintracht-Fans wissen aus eigener bitterer Erfahrung, dass Ersatztorhüter ohne große Spielpraxis das Vertrauen auch manchmal enttäuschen. Felix Wiedwald gab bei den Niederlagen gegen Wolfsburg, Köln und Paderborn eine unglückliche Figur ab. Dass Kevin Trapp ins Frankfurter Tor zurückkehrt, wirkt beruhigend.

Dann sollte eine Statistik den Eintrachtprofis Zuversicht verleihen. Ob Trainer Adi Hütter Abstiegskampf kann, hat er noch nicht bewiesen, die Mannschaften seiner bisherigen Klubs ersparten ihm diese Erfahrung. Eine Negativserie von einem Unentschieden und sechs Niederlagen, die sich die Eintracht zuletzt zurechtgezimmert hat, erlebte er noch nie zuvor. Aber Hütter weiß auf jeden Fall, wie gegen Hoffenheim gewonnen wird. Seit seinem Einstieg bei der Eintracht gewann er alle drei Begegnungen mit den Kraichgauern, nur gegen Düsseldorf ist ihm dasselbe gelungen. Und die Heimbilanz der Hoffenheimer in dieser Spielzeit bietet auch keinen Anlass für eine Panikattacke – vier Siege, ein Unentschieden, vier Niederlagen. Mit Bremen und Paderborn musste die TSG die meisten Gegentreffer im heimischen Stadion hinnehmen – 19.

Apropos Statistik: Bei genauerem Hinschauen muss sich die Eintracht gar nicht so arg vor der Rückrunde fürchten. So viel schlechter, wie kolportiert wird, schnitten die Frankfurter in der jüngeren Vergangenheit in der zweiten Saisonhälfte gar nicht ab als in der ersten. In den sieben Spielzeiten seit dem Wiederaufstieg 2012 brach die Eintracht zweimal ein. 2016/17 holte sie nur noch 13 Punkte in der Rückrunde nach 29 in der Vorrunde, 2012/13 waren 21 Punkte auf 30 Punkte gefolgt. Zweimal steigerte sich die Mannschaft nach Punkten (2013/14 von 15 auf 21, 2015/16 von 17 auf 19). 2018/19 war die Bilanz mit 27/27 ausgeglichen, 2017/18 (26/23) und 2014/15 (23/20) fiel der Unterschied zur Vorrunde gar nicht so hoch aus.

Der Eindruck, dass die Eintracht regelmäßig in der Rückrunde zusammenbricht, entsteht durch die Tatsache, dass mehrmals einem Zwischenspurt zwischen dem 18. und 26. Spieltag ein Kollaps auf der Zielgeraden folgte. Das war gerade in den beiden letzten Spielzeiten der Fall. Es ist also eine irrige Annahme, dass ein Fluch auf den Rückrunden liegt, eher drücken die Leistungsbilanzen aus, wie einem stark belasteten Team regelmäßig die Kräfte ausgehen.

„81 Spiele in anderthalb Jahren sind außergewöhnlich“, sagte Trainer Hütter in einem Interview gegenüber dem „Kicker“. Man könnte auch außergewöhnlich streichen und durch wahnsinnig ersetzen. Der gerne verwendete Hinweis, das seien doch alles Profis und als solche müssten die Frankfurter Spieler das abkönnen, trifft nicht den Punkt. Auch die Gegner sind alles Profis, aber deutlich weniger gefordert, die allermeisten jedenfalls. Physisch und auch mental. Viele Kleinigkeiten entscheiden ein Fußballspiel, manchmal eine Zehntelsekunde der Unaufmerksamkeit. „Vororientierung“ verwendet Niko Kovac gerne als Begriff. Der frühere Eintracht- und Bayern-Trainer verlangt von seinen Spielern, dass sie sich in jeder Spielsituation schon über die Folgen ihrer oder der Aktion des ballführenden Kollegen bewusst sind und dadurch einen Tick schneller darauf reagieren können. Viele der von Hütter in den letzten Rückrundenspielen kritisierten „billigen“ Gegentreffer entstanden dadurch, dass seine Spieler verzögert oder gar nicht antizipierten.

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Zudem konnten sich seine Spieler nicht mehr richtig quälen, wenn nicht gerade höchste Gefahr für das eigene Tor bestand. Das wurde beim Pressing deutlich, das in den letzten Begegnungen so gut wie keinen Druck mehr auf die gegnerischen Mannschaften produzierte. „Wenn du mit 60, 70 Prozent anläufst und attackierst, spielt dich jede Mannschaft aus. Wenn wir verteidigen, können Spieler nicht stehen bleiben und denken, die anderen machen das schon“, beschrieb Hütter im „Kicker“-Interview die Defizite des Spätherbstes. Auf Kompaktheit, die richtigen Abstände zwischen den Mannschaftsteilen und das Pressen im Verbund richtete Hütter im Trainingslager seine Schwerpunktarbeit. Man darf von einem Lerneffekt ausgehen, nachdem in den englischen Wochen kein nachhaltiges taktisches Üben möglich gewesen war.

Zudem werden die Spieler nach 27 spielfreien Tagen, darunter zehn Tagen Urlaub, zumindest vorübergehend frisch sein, bevor ab Februar wieder der Terminkalender mit neun Pflichtspielen in 36 Tagen zuschlägt. Es gibt also keinen Grund, verzagt Richtung Hoffenheim zu fahren und die Forderung von Trainer Hütter zu überhören: „Wir müssen wieder mutiger werden.“

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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