Frankfurt-Trainer Arnautis

„Alle verkörpern die Eintracht-DNA“

Von Marc Heinrich
16.08.2022
, 08:01
„Aggressiv gegen den Ball“: Arnautis im Training in Grünberg
Niko Arnautis spricht im Interview über den letzten Schritt der Eintracht-Frauen auf dem Weg in die Champions League, die Lehren aus der zurückliegenden EM und die besondere Frankfurter Mentalität.
ANZEIGE

Niko Arnautis, am kommenden Donnerstag beginnt in Dänemark das Turnier zur Qualifikation um die Champions League. Eintracht Frankfurt muss zunächst gegen Fortuna Hjørring bestehen, das den Heimvorteil auf seiner Seite hat. Schaffen Ihre Spielerinnen den Sprung in die Königsklasse?

Wir werden alles dafür geben. Aber wir unterschätzen niemanden. Die Aufgabe wird nicht einfach, das haben wir auch bei den Video-Analysen von Fortuna Hjørring festgestellt. Sie werden, wenn sie auf uns treffen, schon zwei Liga-Spiele absolviert haben. Und wir kommen aus der Vorbereitung. Dabei sind wir gerade am Feinschliff. Zu unserer Mentalität gehört jedoch, dass wir uns immer vornehmen, als Team zu funktionieren und unsere Stärken auf den Platz zu bringen, ganz unabhängig davon, wer unser Gegner ist. Unser Team ist weitgehend zusammengeblieben, wir müssen nicht viele neue Spielerinnen integrieren. Und unsere Spielidee ist komplett vertraut: Bei uns verkörpern alle die Eintracht-DNA. Wir gehen aggressiv gegen den Ball, spielen mutig und marschieren nach vorne.

ANZEIGE

Sie möchten die Eintracht hinter dem FC Bayern München und dem VfL Wolfsburg als Spitzenadresse im Fußball der Frauen etablieren. Worauf gründet sich Ihre Hoffnung, dass das klappt?

Durch die Fusion zwischen dem FFC und der Eintracht haben wir vor zwei Jahren ein Fundament gelegt, auf dem wir etwas aufbauen. Die Sprünge, die wir seitdem geschafft haben, sind groß. Aber wir wollen mehr, unsere bisherigen Leistungen bestätigen und den Abstand zur Spitze weiter verkleinern. Wir haben kein Abo auf eine bestimmte Platzierung und wissen, dass der Wettbewerb wieder hart wird und wir die Professionalisierung in allen Bereichen vorantreiben müssen. Die Konkurrenz ist groß: In den vergangenen Jahren haben zum Beispiel mit Hoffenheim, Leverkusen oder Potsdam starke Konkurrenten um die vorderen Plätze mitgespielt. Auch die anderen Vereine zeigen die Ausgeglichenheit der Liga und entwickeln sich Jahr für Jahr. Die Qualität in der Bundesliga ist sehr hoch. Das kam auch bei der Europameisterschaft zum Ausdruck, wo das deutsche Team fast ausschließlich aus Spielerinnen bestand, die in der Heimat unter Vertrag stehen.

Die EM ist seit zwei Wochen Geschichte. Zehn Spielerinnen der Eintracht waren dabei: vier für die Deutschen, vier für Österreich und jeweils eine für die Schweiz und Island. Was haben die Titelkämpfe in England gebracht?

Die Zahlen des Turniers sprechen für sich: Fast 18 Millionen Zuschauer im Finale im Schnitt vor den Bildschirmen sind eine tolle Bestätigung. Viel mehr haben auch Männer-Mannschaften nicht. Es war eine große Freude, daran teilzuhaben, mit welchem Spaß die Mädels bei der Sache waren, nicht nur die deutschen – sondern alle. Sie haben sich sympathisch, authentisch, ehrlich und offen präsentiert, neben dem technisch-taktisch guten Fußball, den die Spielerinnen präsentiert haben. Ich bin mir sicher, dass viele, die vorher beim Fußball der Frauen skeptisch waren, jetzt anders urteilen.

Haben Sie sportliche Trends ausmachen können, die sich auf Ihre Alltagsarbeit auswirken werden?

ANZEIGE

Es gab im athletischen Bereich eine Weiterentwicklung, manche Spielerinnen sind mit fast 32 km/h gesprintet oder während der neunzig Minuten mehr als zwölf Kilometer gelaufen. Die Breite an der Spitze hat generell zugenommen. Ansonsten halte ich es für einen Fehler, der gerade in Deutschland leider zuletzt viel zu oft im Fußball passierte, wenn vermeintlichen Trends hinterhergehechelt wird. In der Zeit, die man brauchte, um darauf im Training zu reagieren und sie in das Spiel der Mannschaft zu implementieren, kamen längst andere, angeblich schon wieder wichtigere Trends in Mode. Auch die Diskussion über die falsche Neun, die manche Experten vor ein paar Jahren als das Maß aller Dinge erachteten, fand ich von Anfang an absurd. Wenn ich Alex Popp, Robert Lewandowski oder Erling Haaland im Kader habe, stellt sich die Frage, ob ich ohne echten Mittelstürmer oder Mittelstürmerin in der Aufstellung in ein Spiel gehe, gar nicht. Viel wichtiger ist für mich, dass man auf dem Platz das darstellt, was man als Charakter des Teams kombiniert mit der eigenen passenden Spielidee dazu zum Ausdruck bringen möchte.

Laura Freigang, Sophia Kleinherne, Nicole Anyomi und Sara Doorsoun gehörten zur Auswahl von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die im Endspiel 1:2 gegen England unterlag. Wie viel Trost mussten Sie dem Quartett anschließend spenden?

Sie haben ein Finale verloren, da ist es ganz normal, wenn es hinterher Momente gibt, in denen man traurig ist. Es war ja auch in Wembley definitiv mehr für sie drin. Aber, wenn sie mit ein wenig Abstand zurückblicken, werden sie vor allem das Positive sehen. Zum Beispiel, was sie in Deutschland mit ihrem Spiel und ihren Auftritten ausgelöst haben. Davon kündete ja bereit der Empfang am Römer. Auch wenn es für den EM-Titel nicht ganz gereicht hat, haben sie die Sympathien der Menschen gewonnen. Und nächstes Jahr bei der WM in Australien und Neuseeland besteht dann ja auch schon die Gelegenheit, nachzulegen.

Wer spätestens bei der EM sah, welche internationale Klasse sich Merle Frohms als Torhüterin erarbeitet hat, kann Wolfsburg nur zu ihrem Transfer beglückwünschen und Sie bedauern, weil Sie in ihr eine Extrakönnerin verlieren, die gerade in der Champions League den Unterschied hätte machen können, oder?

ANZEIGE

Als wir Merle Frohms geholt hatten, waren wir überzeugt, dass sie das Potential besitzen würde, auch die Nummer 1 im deutschen Tor zu bleiben und sich hier in Frankfurt auf verschiedenen Ebenen weiterzuentwickeln. Wir haben intensiv zusammengearbeitet, sportlich und kommunikativ, und haben sie großes Vertrauen spüren lassen. Sie ist dadurch weiter als Persönlichkeit gereift. Als sie sich im Winter entschied, im Sommer zurück nach Wolfsburg zu wechseln, war nicht klar, wohin unsere Reise mit der Eintracht führen würde. Ich bin sicher, Merle ist total mit sich im Reinen und steht hinter ihrer Entscheidung. Wenn wir bereits für die Champions League qualifiziert gewesen wären, wäre Merle die Entscheidung zu wechseln noch schwerer gefallen – sie geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Für keinen Verein auf der Welt ist es leicht, die deutsche Nummer eins zu ersetzen. Aber wir trauen es uns zu. So, wie wir damals Vertrauen in Merle hatten, haben wir heute die Zuversicht, dass wir mit dem Trio Cara Bösl, Hannah Johann und Stina Johannes sehr gut aufgestellt sind.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Heinrich, Marc
Marc Heinrich
Sportredakteur.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Fahrradhelm
Fahrradhelme im Test
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
Spanischkurs
Lernen Sie Spanisch
Sportwagen
Finden Sie Ihren Sportwagen
Ergometer
Ergometer im Test
ANZEIGE