Ticket-Nachfrage „utopisch“

Vergebliches Warten am Eintracht-Portal

Von Stefanie Sippel
17.08.2019
, 13:34
Für Fans des Bundesligisten wird es immer schwieriger, Tickets zu bekommen. Junge Anhänger haben kaum Chancen auf eine Dauerkarte. Der Verein arbeitet bereits an einer Lösung.

An einem Abend im Mai hat Tobias Anslinger seinen Laptop mit ins Bett genommen. Um 7 Uhr hat er sich wecken lassen. Er hat sich beim Eintracht-Ticketportal eingeloggt, um eine Karte für das Spiel gegen Bayern München zu bekommen, wie er berichtet. Anslinger wohnt seit sieben Jahren in Frankfurt und ist seitdem Eintracht-Fan. 2013 sei es noch einfach gewesen, an Tickets zu kommen. „Seitdem der Hype um die Eintracht größer wird, habe ich den Eindruck, es wird immer schwieriger.“

Die Karten für die Eintracht-Spiele sind nicht erst seit dieser Saison begehrt. Doch der sportliche Erfolg des Vereins führt dazu, dass es noch mehr Fußballfreunde ins Waldstadion zieht. Die 1.Vorsitzende des Eintracht-Frankfurt-Fanclub-Verbands, Ina Kobuschinski, sieht das gelassen. „Wenn man sich Mühe gibt, ist das kein Problem.“ Nur wenn man kurzfristig zu einem Spiel wolle, sei es schwierig.

Utopische Nachfrage

Dominik Ziegra, Sprecher des Nordwestkurve-Rats, hat einen anderen Eindruck. Er sagt: „Der Hype überrennt alle.“ Es sei nun noch schwerer, an Karten zu kommen. Das gelte besonders für Stehplätze. Für die gebe es schon seit zehn Jahren keine Tickets mehr auf dem freien Markt. Doch genau für diese Eintrittskarten ist die Nachfrage am größten. Besonders junge Fans wollen in den Teil des Stadions, in dem die Stimmung am besten ist und am lautesten „Schwarzweiß wie Schnee, das ist die SGE“ gesungen wird, Fahnen geschwenkt und Banner hochgehalten werden. Dorthin wollen zu viele.

„Die Nachfrage war schon vor zehn Jahren groß, aber jetzt ist sie utopisch“, sagt Ziegra. Vor einigen Wochen sind 1000 neue Dauerkarten-Plätze in den Verkauf gegangen. Damit erhöht die Eintracht ihr Kontingent an solchen Tickets auf 31.000. In wenigen Minuten waren die zusätzlichen Karten vergriffen. Etliche Anhänger beschwerten sich später in den Sozialen Medien, sie hätten auf dem Ticketportal ewig in der Warteschlange festgehangen, seien aber dann doch nicht zum Zug gekommen. Die 1000 zusätzlichen Dauerkarten seien „ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Ziegra, zumal es sich dabei um Sitzplätze gehandelt habe. Es müsse vor allem mehr Stehplätze geben.

Ein anderes Problem: Wer einmal eine Dauerkarte hat, gibt sie in der Regel nicht mehr ab. „Dadurch droht die Überalterung des Stehplatzbereiches. Das ist nicht gut für die Fankultur“, sagt Ziegra.

Atmosphäre im Stadion erhalten

Viele Fußballfans werden Mitglieder bei der Eintracht, um überhaupt an Tickets zu kommen. Dann haben sie ein Vorkaufsrecht für Heimspiele. Als Mitglied kann man zum Beispiel vor allen anderen Interessierten Tickets für die begehrten Europa-League-Spiele erwerben. Für Eintracht-Fan Bruno Picard war das ein Grund, Mitglied zu werden. „Das Stadion hat 51.500 Plätze. Da denkt man, es wird schon was frei sein. Aber so ist es nicht.“

Die Presseabteilung des Vereins war bis gestern trotz mehrfacher Anfrage nicht erreichbar. Eine Sprecherin des Frankfurter Sportdezernats sagt: „Die Verhandlungen zum Stadionausbau zwischen der Stadt und Eintracht Frankfurt laufen noch.“ Es sei bisher unklar, wie es 2020 weitergehe, wenn der Betreibervertrag für das Waldstadion auslaufe. Das Stadion auszubauen, sei dringend nötig, sagt Nordwestkurven-Sprecher Ziegra.

Die Fanszene wolle mit dem Verein zusammen ein Konzept ausarbeiten. „Das ist uns wichtig, um die Atmosphäre im Stadion zu erhalten und jungen Eintracht-Fans die Möglichkeit zu geben, zu einem bezahlbaren Preis ins Stadion zu kommen.“ Die Fans seien trotz der angespannten Lage geduldig, meint Ziegra. Alle wüssten, dass die Nachfrage deutlich größer sei, als ein mögliches Angebot sein könne.

Tobias Anslinger hat es noch nicht geschafft, eine Dauerkarte zu bekommen. Am 5.Juni, als die neuen Dauerkarten zum Verkauf freigegeben wurden, hat er es wieder versucht, zum dritten Mal. Er hat sich eingeloggt und sich im Ticketportal der Eintracht in die „Queue“ gestellt. Das ist eine Warteschlange, die es vor jedem Ticketverkauf gibt. Sein Smartphone zeigte ihm an, dass er noch 23 Minuten warten müsse, um ein Ticket kaufen zu können. Dann poppte eine Meldung auf: Alle Dauerkarten sind ausverkauft. „Eine Dauerkarte, das ist für mich ein emotionaler Bezugspunkt zu dem Verein“, sagt Anslinger. Vielleicht probiert er es im nächsten Jahr noch einmal.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sippel, Stefanie
Stefanie Sippel
Volontärin.
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