Football in Deutschland

Die Hängepartie geht weiter

Von Leonhard Kazda
09.07.2020
, 08:37
Wann und wie die Footballsaison startet, ist immer noch ungewiss. Und die Vereine streiten mit der GFL um Kautionen und Lizenzgebühren. Das betrifft auch Frankfurt Universe.

Hangtime – so nennt man im American-Football-Jargon die Zeit, in der das Lederei nach einem Kickoff oder Punt durch die Luft segelt. Wo landet der Ball, wo beginnt der erste Spielzug, was ist die passende Taktik? Die German Football League (GFL) erlebt zurzeit so etwas wie die längste Hangtime ihrer Ligageschichte. Alles ist in der Schwebe, der Lauf der Dinge ist ungewiss, der nächste Spielzug kaum vorherzusagen.

Der Kickoff für die Vorbereitungen auf die kommende Saison, sagt GFL-Sprecher Carsten Dalkowski, hätte die Bundesversammlung des American Football Verbandes Deutschland am 8. März sein sollen. „Da war noch ein richtiger Hype zu spüren nach dem erfolgreichen German-Bowl-Finale in Frankfurt.“ Ein paar Tage später waren alle Planungen wegen der Corona-Pandemie hinfällig. Seitdem befindet sich die Liga im Wartezustand.

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Zwar plant die GFL, im September mit einer verkürzten Spielzeit in die Saison zu starten. Aber es ist ungewiss, wie viele Mannschaften antreten werden, wie die Bedingungen in den Stadien sein werden, wie viele oder ob Zuschauer auf den Rängen erlaubt sind – und ob die Teams rechtzeitig vor der Saison mit einem regulären Training unter Vollkontaktbedingungen starten können. Von einer derartigen Saisonvorbereitung ist der GFL-Klub Frankfurt Universe noch meilenweit entfernt. Zweimal in der Woche gebe es Athletiktraining in Kleingruppen, sagt Universe-Geschäftsführer Alexander Korosek.

Beim zweiten hessischen Klub, den Marburg Mercenaries, dessen Präsident Ligasprecher Dalkowski ist, hat man sich beim städtischen Gesundheitsamt die Erlaubnis für Vollkontakttraining geben lassen. Dies findet aber ebenfalls nur in Gruppen Fünf gegen Fünf statt. „Das findet sicher nicht jeder Trainer sinnvoll“, räumt Dalkowski ein. Bei Universe bleibt man zurückhaltend. Auch in einer anderen Beziehung. „Definitiv“ verzichten werde man in Frankfurt auf sogenannte „Importspieler“, sagt Korosek. Zu teuer und zu riskant sei dies in diesen unruhigen Zeiten.

„Positive Signale aus der Politik“

Ursprünglich hatten sich die Klubs der ersten und zweiten Liga bis Mitte Juni für oder gegen die Teilnahme an einem Spielbetrieb entscheiden sollen. Inzwischen ist der Zeitraum bis zum 26. Juli verlängert worden. Vorläufig. Denn es kann auch noch später werden. Weil sich Fragen über Fragen aufgetan haben. Praktische, wie etwa die Zuschauerzahl oder die Hygienevorschriften in den Stadien. Diesbezüglich sind die Regelungen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. „Aber es gibt positive Signale aus der Politik“, sagt Dalkowski.

Das Land Hessen hat jüngst den Mindestabstand zwischen den Zuschauern in Stadien von fünf auf drei Meter verringert. „So kann man doch schon mal 1000 Fans ins Stadion bekommen“, sagt Dalkowski. Korosek sieht das ein wenig anders – aus „Fansicht“, wie er sagt. „Was ist das für eine Atmosphäre, wenn ich da auf dem Rang sitze und der nächste Fan ein paar Meter von mir entfernt ist?“

Es gibt zudem zahlreiche politische und juristische Fragen, wie die der sogenannten Haftungsfreistellungserklärung der Klubs gegenüber der Liga. Formal noch ungelöst ist der umgekehrte Fall, wenn die Liga gegenüber einem Klub Ansprüche stellen will. Universe-Chef Korosek stört nicht nur das. Solange die GLF sich noch nicht zu seiner Forderung äußere, die bereits bezahlte Kaution von 35.000 Euro und der Lizenzgebühren in Höhe von 15.000 Euro zurückerstattet zu bekommen, werde er sich nicht für eine Teilnahme an einem Ligabetrieb entscheiden. „Die Lizenzgebühren wird es nicht zurückgeben“, sagt Dalkowski, der sein Geld als Rechtsanwalt verdient. „Wenn ich eine Lizenz für ein Softwareprogramm erstehe, bekomme ich ja auch nichts zurück, wenn ich das Programm ein halbes Jahr nicht nutze.“

Im Falle der Kaution, sagt der Liga-Sprecher, sehe es etwas anders aus. „Hier könnte es ein bisschen Geld zurückgeben.“ Korosek sagt, er vermisse die Gesprächsbereitschaft der GFL, was die Rückzahlung der Kaution betreffe. „Das ist unbefriedigend.“ Die Verunsicherung in der Liga ist groß. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Liga würde wohl nur die Hälfte der Klubs an einer verkürzten Saison mit Start im September teilnehmen, schätzt Dalkowski.

Einen kleinen Schritt weiter gekommen ist Universe bei der Frage nach der Stadionmiete. Vom Betreiber FSV Frankfurt haben man eine „Pro-Kopf-Pauschale“ angeboten bekommen, falls eine Saison 2020 gespielt werden könne, sagt Korosek. Der Universe-Geschäftsführer möchte aber auch für eine eventuelle Spielzeit 2021 eine solche Pauschale vereinbaren. Hier stehen wohl noch weitere Verhandlungen an. Die Hängepartie geht also weiter. Und ob dieser Football jemals landet, ist sehr ungewiss.

Quelle: F.A.Z.
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