Geschäftsführer der Skyliners

„Die Stadtarena wird kommen“

Von Jörg Daniels
22.10.2021
, 17:49
Gunnar Wöbke, Geschäftsführer und Gesellschafter der Fraport Skyliners, spricht über die Abstiegsgefahr sowie die Aufstiegschancen des Profi-Basketballs und den Bau einer „grünen“ Halle am Kaiserlei.
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An diesem Sonntag (15.00 Uhr bei MagentaSport) spielen die Fraport Skyliners gegen die Bayern. Wie weit haben sich die Bayern sportlich und wirtschaftlich von den Skyliners entfernt?

Die wirtschaftliche Stärke der Bayern mit einem Vor-Corona-Etat von mehr als 20 Millionen Euro spiegelt sich auch im Sportlichen eins zu eins wider, wobei das zum Glück keine Garantie auf Titelgewinne ist. Sie sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Power aber jedes Jahr der Topfavorit auf die deutsche Meisterschaft und den Pokalsieg. Wir hingegen spielen mit unserem Budget aus der deutlich unteren Tabellenhälfte meist auch in dieser, was aber keine Entschuldigung sein darf. Es kommt darauf an, dass man immer das Beste aus seinen jeweiligen Möglichkeiten macht und niemals aufgibt. Nur so konnten wir die Titel, die wir geholt haben, gewinnen. Wir hatten nie das höchste Budget und sind trotzdem Pokalsieger, deutscher Meister und Europapokalsieger geworden. Das ist unsere DNA.

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Können die Skyliners mit einer neuen Multifunktionsarena die Bayern irgendwann einholen?

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Ja, sportlich, selbst wenn wir gegebenenfalls nicht ganz an das Budget kommen werden, was Bayern München Basketball hat.

Wie soll das gehen?

Weil wir überzeugt sind, dass wir es hinbekommen, sportlich wieder in Deutschland und auch Europa top zu werden, haben wir der Stadt Frankfurt im September 2020 das Angebot unterbreitet, durch uns finanziert zu prüfen, wie am Kaiserlei eine moderne, grüne Stadtarena unter städtebaulichen und architektonischen sowie finanziellen Aspekten zu erstellen ist, damit sie den Profisportteams und den Kulturschaffenden eine dauerhafte Heimat bietet. Diese Untersuchung wurde bisher weder von den vermeintlichen Bietern der gescheiterten Ausschreibung noch von der Stadt durchgeführt. Wenn die politischen, wirtschaftlichen und baurechtlichen Rahmenbedingungen stimmen, haben wir ferner versprochen, bis Herbst 2025 eine nachhaltige, den vielfältigen öffentlichen Bedürfnissen entsprechende moderne grüne Stadtarena zu realisieren. In der Stadt, leicht erreichbar – idealerweise zu Fuß oder mit dem Rad. Die Arena am Kaiserlei steht sinnbildlich für den Aufbruch in Frankfurt, eine moderne, smarte und lebenswerte Stadt zu entwickeln.

Wer soll das finanzieren?

Wir werden unsere grüne Stadtarena als Frankfurter, mit Frankfurtern, für die Bürger Frankfurts und Offenbachs bauen. Sie wird rund 150 Millionen Euro kosten, wir haben einen geprüften Businessplan sowie ein Finanzierungskonzept. Die Sportstadt Frankfurt hat diese Stadtarena am Kaiserlei verdient. Wir trauen uns zu, sie zu bauen und erfolgreich zu betreiben.

Aktuell kommen wenige Begeisterte zu den Heimspielen der Fraport Skyliners.
Aktuell kommen wenige Begeisterte zu den Heimspielen der Fraport Skyliners. Bild: Picture Alliance

Unter welchen Bedingungen können die Skyliners zu einem leistungsstarken Euroleague-Team werden?

Voraussetzung ist, dass wir wie die Fußballklubs Eintracht Frankfurt, Bayern München und Borussia Dortmund den Betrieb der Stadtarena selbst in der Hand haben. Entweder in alleiniger Verantwortung oder mit einem starken Partner, der dieselbe Interessenlage hat wie wir. Es geht darum, ein Betreibermodell zu errichten, durch das die erwirtschafteten Erträge zum größtmöglichen Teil wieder in den Sport und die Kultur in Frankfurt reinvestiert und nicht an Investoren abgeführt werden. Sonst ergeht es uns wirtschaftlich schnell wie zum Beispiel Eintracht Frankfurt vor Übernahme der Stadionbetriebsgesellschaft. Oder noch extremer, dem Eishockeyklub Hamburg Freezers oder dem HSV Handball. Die Arena in Hamburg unter dem Eigentümer AEG hat eben nicht die Plattform geschaffen, auf der regionaler Sport auf höchstem Niveau ohne Mäzenatentum wachsen kann. Kosten für die Halle und Spielbetrieb, Sponsorenkonflikte, Konflikte bei der Vermarktung von VIP-Angeboten, fehlende Beteiligungen an wesentlichen Einnahmeströmen, fehlende Unterstützung der Kommunikation haben im Ergebnis dazu geführt, dass die Teams es nicht geschafft haben, sich kostendeckend in der jeweils höchsten Spielklasse zu entwickeln, sondern den Betrieb einstellen mussten. AEG hat Konzerte und anderen Eventbetrieb forciert und agiert profitabel weiter im Markt, jetzt nur ohne regionalen Sport. Jeder andere Investor ohne lokale Verbindung wird dies genauso machen. Das möchten und werden wir der Sportstadt Frankfurt nicht zumuten.

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Ist Ihr Plan, dass die Halle am Kaiserlei 2025 steht, haltbar?

Ja, wenn die im Koalitionsvertrag im Mai 2021 beschlossene Anhandgabe (Seite 126) an uns zügig, das heißt jetzt umgesetzt wird und uns das Grundstück noch vor Jahresende für die nötigen Untersuchungen (Umwelt, Kampfmittel, Nachbarn, Verkehr und so weiter) zur Verfügung steht. Wir erwarten, dass die Prüfung der Machbarkeit drei Monate dauern wird – und dann ist das alles Entscheidende, mit welcher Priorität an der Erstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans durch die Stadt Frankfurt gearbeitet wird. Alles in allem sollte das nicht länger als eineinhalb Jahre bis zwei Jahre bis zur Aufstellung des Bebauungsplans und einer parallel vorbereiteten Baugenehmigung dauern. Reine Bauzeit sind 18 bis 24 Monate. Jetzt ist die neue Koalition gefordert, Fakten zu schaffen. So, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht. Wir nehmen die Stadt Frankfurt beim Wort.

Die Skyliners warten schon lange auf die sogenannte Anhandgabe des Grundstücks durch die Stadt. Wann ist Ihre Geduld erschöpft?

Wir waren sehr geduldig, denke ich, und haben die Frankfurter Wahl, die Koalitionsgespräche und die Ab- und Neuwahl der für uns zuständigen Dezernenten abgewartet. Ganz ohne Begleitgeräusche, weil wir den politischen Prozess respektieren. Wir gehen davon aus, dass der Koalitionsvertrag vom Mai 2021 nun mit Volldampf umgesetzt wird und haben dies auch von Stadtrat Mike Josef bestätigt bekommen.

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Die Fraport AG wird demnächst das Namensrecht an der Fraport Arena aufgeben. Was bedeutet das konkret für die wirtschaftliche Situation des Klubs?

Natürlich engt diese Entscheidung neben Corona den Handlungsspielraum in dieser Saison ein. Trotzdem werden wir personell nachlegen, und wir werden mindestens einen Spieler nachverpflichten. Die Sportliche Leitung ist derzeit mit Hochdruck auf der Suche nach einem Aufbauspieler.

Fraport will sich perspektivisch auch als Hauptsponsor der Skyliners zurückziehen. Sind die Skyliners ohne neuen Hauptsponsor wirtschaftlich überlebensfähig?

Ja, das sind wir, aber auf einem ganz anderen Niveau und vermutlich nicht in der ersten Liga, wenn dies nicht durch andere Sponsoren kompensiert werden kann. Der Vertrag mit der Fraport als Namenssponsor läuft noch einige Jahre, wenn auch zu verringerten Konditionen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass uns der Vertrag mit der Fraport ausreichend Vorlauf gibt, um ein neues Vermarktungskonzept zu entwickeln, das nicht zwangsläufig das Namensrecht für den Klub umfassen muss.

ALBA Berlin hat sich als Spitzenklub etabliert, davon sind die Skyliners noch entfernt.
ALBA Berlin hat sich als Spitzenklub etabliert, davon sind die Skyliners noch entfernt. Bild: Picture Alliance

Welche Folgen hätte es, wenn es keien neuen Namensponsor geben würde?

Wir haben seit nunmehr über 20 Jahren unsere Bundesliga-Lizenz ohne Auflagen bekommen, waren nie insolvent oder mussten vor der Insolvenz gerettet werden. Das verdanken wir neben unserem kaufmännisch ordentlichen Verhalten ganz überwiegend dem Umstand, dass wir immer starke Namensgeber wie Opel, Deutsche Bank und nun seit mehr als zehn Jahren die Fraport haben. Aber jeder Namensgeber im Klubnamen behindert ein Stück weit die Suche nach anderen Sponsoren und jeder Namenswechsel schadet am Ende auch der Marke Skyliners.

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Suchen Sie nach einem Nachfolger für Fraport?

Wir müssen zunächst wissen, welche Perspektive wir einem neuen Namensgeber anzubieten haben. Wir werden die Suche starten, wenn wir die Anhandgabe endlich haben und wissen, ab wann wir in der neuen grünen Stadtarena am Kaiserlei spielen können. Idealerweise starten wir ab dann mit einem klangvollen Klubnamen, den wir niemals mehr ändern werden.

Wie wacklig ist aktuell das Fundament, auf dem der Profi-Basketball in Frankfurt steht?

Seit unserem Start 1999 waren die Chancen nie größer. Die Unterstützung unserer Mitstreiter ist riesig, wie auch wieder die letzte Benefizgala zugunsten von Basketball macht Schule Anfang September im Gesellschaftshaus im Palmengarten gezeigt hat, bei der der gemeinnützige Fraport Skyliners e.V. mehr als 300.000 Euro an Spendengeldern für unsere über 140 Schul-AGs einnehmen konnte. Es liegt jetzt an der Stadt, die an uns gemachten Zusagen einzuhalten. Dann wackelt hier gar nichts.

Was würde ein Abstieg in die zweite Liga für die Zukunft des Klubs bedeuten?

Das wir dann versuchen würden, sofort wieder aufzusteigen. Ich sage „würden“: denn dazu wird es nicht kommen.

Wie sähe der Profi-Basketball der Zukunft in Frankfurt ohne eine neue Halle aus?

Die grüne Stadtarena am Kaiserlei wird kommen. Save the date: 2025!

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
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