Skyliners mit Neuanfang

Hamminks Herkulesaufgabe

EIN KOMMENTAR Von Jörg Daniels
20.06.2022
, 13:40
Geert Hammink
Als neuer Cheftrainer soll Geert Hammink die Skyliners stabilisieren. Bei der Zusammenstellung des Kaders muss er ein gutes Händchen haben. Seine Erfahrung als Spielerberater könnte ihm helfen.
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Geert Hammink ist um die Herausforderung nicht zu beneiden. Der neue Cheftrainer der Fraport Skyliners steht in Frankfurt vor einer Herkulesaufgabe. Um den sportlichen Niedergang des Basketballklubs zu stoppen, kann der 52 Jahre alte Niederländer nicht auf die Wirtschaftskraft der Skyliners setzen. Denn diese haben den Abstieg aus der Bundesliga teuer bezahlen müssen: Nur mit einer Wildcard, die sie 700.000 Euro kostete, blieben die Hessen der Premiumklasse erhalten.

Diese für den Verein auf höchster Ebene überlebensnotwendige Investition hat finanzielle Auswirkungen auf die Zusammenstellung der neuen Mannschaft. Die Skyliners müssen sparen. Zum Gesamtetat für die kommende Saison kann Geschäftsführer Yannick Binas noch nichts sagen, aktuell sei dieser „mit vielen Fragezeichen versehen“, teilte er mit.

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„Perspektivisch“ aber will der Klub wieder auf ein Budget („plus/minus fünf Millionen Euro“) wie vor der Corona-Pandemie kommen. Wie das funktionieren soll? In den kommenden beiden Jahren wollen die Frankfurter durch neue Sponsoren oder die Ausweitung der Zusammenarbeit mit bestehenden Partnern einen siebenstelligen Betrag zusätzlich generieren. Das ist in diesen Zeiten eine Mammutaufgabe.

Von den wirtschaftlichen Zwängen seines neuen Arbeitgebers hat sich Hammink nicht abschrecken lassen. Auf seiner vorherigen Station in den Niederlanden beim Topklub ZZ Leiden machte der ehemalige Center mit dem Gardemaß 2,10 Meter bereits aus wenig viel. Dort bewies er seinen Blick für spielstarke Schnäppchen, was nicht von ungefähr kam. Hammink ist vom Fach bei der Personalauswahl. Nach seiner erfolgreichen Spielerkarriere unter anderem in Deutschland bei Alba Berlin und in Köln erhielt er 2007 als einer der ersten Agenten weltweit die offizielle FIBA-Lizenzierung, davor war Hammink Mitbegründer der Spieleragentur „Court-Side“.

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Weitblick und Gespür sind gefragt

Mit seinem großen Netzwerk bringt der frühere NBA-Profi genau das mit, was die Skyliners in den vergangenen Jahren vermissen ließen: den Weitblick und das Gespür für die bestmögliche Lösung. Auf der Suche nach geeigneten Spielern leisteten sie sich zu viele Fehlentscheidungen. Vor allem auf der Spielmacherposition griff der Klub oft daneben. Die notwendigen Korrekturen im Laufe der Spielzeit störten das Zusammenwachsen des Teams.

Mit seiner Vita verspricht Hammink die richtige Lösung für die Probleme der Skyliners zu sein. Aufgrund seiner Erfahrung und seinem Charisma schauen die Spieler nicht nur wegen dessen Körpergröße zu ihm auf. Sein Faible für Talentförderung passt ebenfalls zur Ausrichtung des Klubs. Auch in dieser Hinsicht haben die Hessen einiges wettzumachen, stockte die Weiterentwicklung der jungen Spieler doch in den vergangenen Jahren. Frankfurts sportlicher Abstieg ermöglicht Hammink nun den Einstieg ins Bundesliga-Trainergeschäft. Es ist eine spannende Personalie. Er will seine Chance nutzen. Und die Skyliners hoffen mit Hammink auf eine Zeitenwende zum Guten.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
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