FSV Frankfurt

Training hinter Absperrgittern

Von Jörg Daniels
Aktualisiert am 22.07.2020
 - 11:18
Armstütz auf Abstand: Die Fußballspieler des FSV Frankfurt starteten am Montagabend ihre Saisonvorbereitung – unter Einhaltung der Corona-Regeln.
Zwei Kontrollen, 18 Biertische, 120 Zuschauer: Der FSV testet schon für die Saison in der Regionalliga. Doch davor gibt es noch einige offene Fragen – und ein ganz großes Ziel.

Wer im Stadion am Bornheimer Hang auf den Parkplatz 2 direkt neben dem Trainingsplatz kommen wollte, musste gleich zwei Kontrollstellen passieren. An der ersten saß ein junger Mann mit Mundschutz an einem Tisch und führte fleißig Strichliste über die Neuankömmlinge. Vor ihm standen keine Autofahrer in der Schlange und zeigten ihren Parkschein vor, sondern Fußballanhänger des FSV Frankfurt auf zwei Beinen. In Zeiten der Corona-Pandemie wollten sie am frühen Montagabend den Trainingsstart der Regionalliga-Mannschaft nach monatelanger Enthaltsamkeit vom Fußball aus nächster Nähe erleben. Und dafür reihten sich die Fans anstandslos vor dem ungewöhnlichen Eingang ein, um dem Bornheimer Hygiene- und Sicherheitskonzept wie gefordert Genüge zu leisten.

Jeder von ihnen hatte einen Anmeldebogen mit seinen persönlichen Daten auszufüllen; der dazu gereichte Kugelschreiber steckte noch in der Plastikverpackung. Außerdem erhielt jeder Besucher ein farbiges Bändchen für sein Handgelenk – es signalisierte ihm, an welchem der markierten Tische er Platz nehmen durfte. Doch davor wartete auf ihn noch die Kontrollstelle zwei in rund 30 Meter Entfernung. Dort gab er den Anmeldebogen mit den gemachten Angaben wieder ab und legte den Stift zurück in eine Box. Den Schlusspunkt der strengen Einlasskriterien bildete die Desinfektion der Hände.

Ein Hauch von Volksfeststimmung

Zum Aufgalopp nach der Zwangspause pulsierte beim FSV Frankfurt auf dem Parkplatz 2 das Leben. Normalerweise stehen hier die Autos der Stadionbesucher. Aber diesmal herrschte ein Hauch von Volksfeststimmung, nur ohne Musik. Das Hauptprogramm bildeten die über Mikrofon geführten Interviews mit Trainer Thomas Brendel und seinen Spielern. Auf dem steinigen Untergrund hatten die Vereinsverantwortlichen 18 Biertische mit Bänken in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. An jedem durften maximal acht Personen mit Blick auf die Spielfläche sitzen. Mit Absperrgittern und Absperrbändern waren die Wege für alle vorgegeben. Nur wenn sich die FSV-Anhänger an den Verpflegungsstationen etwas zu essen und zu trinken holten, mussten sie ihren Mundschutz aufsetzen. Geschäftsführer Patrick Spengler berichtete davon, dass sich einige wenige dem Mundschutz verweigert hätten. Sie bekamen deshalb keinen Zugang zu der Veranstaltung. Der FSV war einer der ersten Vereine in Hessen, der zum Trainingsauftakt Zuschauer zuließ.

Im Kleinen war der Start mit den rund 120 Zuschauern ein Testlauf für die Anfang September beginnende Regionalliga-Saison, in der die Bornheimer nach jetzigem Stand mit mindestens 1280 Zuschauern pro Heimspiel planen – das entspricht in etwa zehn Prozent der Publikumsgesamtkapazität. Zum Vergleich: Der Zuschauerdurchschnitt lag in der abgelaufenen Runde bei knapp 1400. Das von den Frankfurtern erarbeitete Hygiene- und Sicherheitskonzept soll schon am 22. August am Finaltag der Amateure zum ersten Mal Anwendung in der Praxis finden.

Als erster Endspielteilnehmer im Hessenpokal-Wettbewerb hat sich der FSV um die Austragung der Begegnung – der Gegner wird Mitte August zwischen dem FC Gießen und Steinbach Haiger ermittelt – beworben. Die erforderlichen Unterlagen sind dem Hessischen Fußball-Verband (HFV) und dem Frankfurter Gesundheitsamt bereits zugegangen. Bekämen die Bornheimer den Zuschlag für das Hessenpokalfinale, rechnet Spengler mit einem Gewinn für beide Klubs und den HFV. Als Sieger der Partie zögen die Frankfurter in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals ein. Dort wären ihnen 120.000 Euro sicher nach Abzug der 40.000 Euro für die Teilnehmer des diesjährigen Hessenpokalwettbewerbs. Hinzu kämen für den FSV die erzielten Zuschauereinnahmen. An diesem Sonntag wird in der ARD ab 18 Uhr die erste Hauptrunde ausgelost. „Wir werden das mit großem Interesse verfolgen“, kündigte Vereinspräsident Michael Görner an.

Ein attraktiver Gegner wäre ein zusätzlicher Ansporn für die Bornheimer, das Finale zu gewinnen. Auch sie hat die Corona-Krise schwer gebeutelt. Auf summa summarum 200.000 Euro schätzt Spengler die Einnahmeverluste des FSV. „Stand heute“ geht er davon aus, dass der American-Football-Klub Frankfurt Universe am Bornheimer Hang „2020 nicht mehr spielen wird“. Als Stadionbetreiber träfe das den FSV hart. Gut möglich aber, dass der Drittliga-Aufsteiger 1. FC Saarbrücken zumindest in der Hinrunde seine Heimspiele in Frankfurt austragen wird. Weil das neue Stadion der Saarländer noch nicht fertiggestellt ist, mussten diese ein Ausweichstadion benennen.

Die dann in Frankfurt fällige Stadionmiete würde den „Ausfall von Universe“ kompensieren, sagt Spengler. Der FSV musste für die neue Saison seinen Etat für Personalkosten von 850.000 auf 700.000 Euro reduzieren. „Wirtschaftlich mussten wir einen Schritt zurück machen.“ Trotz des „günstigeren Kaders“ habe der FSV aber eine „gewisse Qualität dazuholen“ können, sagt Brendel. Womöglich wird der FSV noch den ehemaligen OFC-Stürmer Benjamin Pintol an sich binden. Apropos Offenbach: Ihr Heimspiel gegen die Kickers wünschen sich die Frankfurter zu einem möglichst späten Zeitpunkt in der Runde – in der Hoffnung, dass dann wieder mehr Zuschauer zugelassen sind.

Quelle: F.A.Z.
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