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Kickers Offenbach

„Die dritte Liga sollte aufgestockt werden“

Von Jörg Daniels
Aktualisiert am 05.04.2020
 - 11:42
Wann geht es weiter? Auch den Kickers aus Offenbach setzt die Corona-Krise mächtig zu.
Thomas Sobotzik ist Geschäftsführer der Kickers Offenbach. Im Interview spricht er über ein mögliches Aufstiegsszenario, die zwei Welten in der Regionalliga und mögliche Schadensersatzansprüche.

Es gibt Regionalliga-Vereine, die die Saison aufgrund der Corona-Pandemie am liebsten für beendet erklären würden. Für diese Klubs sind Geisterspiele ohne Zuschauer keine Option. Denn ohne das von ihnen jetzt beantragte Kurzarbeitergeld müssten sie bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs wieder die vollen Gehaltszahlungen an die Spieler leisten. Ist das auch die Position der Kickers?

Nein. Im Hinblick auf alle fünf Regionalligen gibt es zwei Welten. Auf der einen Seite sind die Vereine, die so gut wie keine Extrakosten für die Infrastruktur haben. Deren Gesamtkosten sich auf den Spielerkader beschränken. Und die dabei größtenteils kaum sozialversicherungspflichtige Ausgaben haben. Sie können die Spielergehälter im Prinzip von heute auf morgen fast auf null stellen. Dadurch könnten sie auch ein paar Monate warten, bis der Spielbetrieb wieder losgeht.

Wie ist es beim OFC?

Klubs wie Rot-Weiss Essen, Alemannia Aachen, Energie Cottbus und wir haben eine völlig andere Sachlage, was unsere Kosten und die Regresspflicht gegenüber unseren Partnern, Sponsoren und den Fans angeht. Für unsere Werbeeinnahmen müssen wir eine Gegenleistung erbringen. Ohne weitere Zuschauereinnahmen in dieser Saison würde dem OFC alles in allem ein Gesamtschaden im siebenstelligen Bereich entstehen.

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Wofür plädieren Sie?

Ich bin dafür, dass gespielt wird, wenn es möglich ist. Damals erging anlässlich des Heimspiels gegen Homburg, das dann doch abgesagt wurde, als erste Verfügung für uns, dass maximal 1000 Zuschauer im Stadion auf dem Bieberer Berg sein dürfen. Für die meisten Vereine in der Regionalliga würde das bedeuten, dass sie – in Anführungsstrichen – vor vollem Haus spielen. Mit einem Schnitt bei uns von bisher rund 6000 Zuschauern würde das die Kickers zwar am härtesten treffen. Für uns wäre das aber die bessere von sehr schlechten Möglichkeiten, die aktuell zur Wahl stehen. Das Konstrukt Regionalliga, wie es heute besteht, ist sehr schwierig und kaum zukunftsfähig.

Warum?

Wenn du zwei Welten innerhalb einer Liga hast, können sich die anderen Vereine nur schwer in die Situation der Klubs hineindenken, die im Monat erhebliche Fixkosten haben, die du stemmen und erst einmal erwirtschaften musst. In der jetzigen Situation muss man sich mit dem Thema auseinandersetzen, ob die vorhandenen Strukturen so bestehen bleiben können. Denn in der Krise kommt dieses Missverhältnis noch stärker zum Tragen. Man sollte die Sache zum Anlass nehmen, sich neu aufzustellen.

In welcher Form?

Die dritte Liga sollte aufgestockt werden. Entweder über eine Liga mit 24 Mannschaften oder womöglich mit zwei Staffeln. Alle Regionalliga-Vereine, die der Auffassung sind, die dritte Liga im Lizenzierungsverfahren des DFB stemmen zu können, sollten die Möglichkeit erhalten, sich zu bewerben. Damit könnten in Zukunft ein Teil der entgangenen Einnahmen aus dieser Saison über mehr und attraktivere Spiele ausgeglichen werden. Das ist meinerseits keine Forderung. Ich denke in Abstimmung mit anderen Vereinen nur laut nach. Unser aller Ziel muss ja sein, in dieser Zeit so viele Vereine wie möglich am Leben zu halten. Wenn man nichts tun würde, befürchte ich, dass am Ende viele Vereine über die Wupper gehen würden.

Wie realistisch ist es, dass die dritte Liga aufgestockt wird?

Stand jetzt, glaube ich, ist man noch nicht so weit beim DFB. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass das Ganze in den kommenden Tagen und Wochen eine unfassbare Eigendynamik entwickeln wird. Von Tag zu Tag wird die Not nämlich größer. Und je länger der Zustand andauert, desto weniger Optionen wird es zum Schluss geben. Die Idee mit der Aufstockung der dritten Liga würde sowohl den in der Regionalliga am meisten durch die Krise gebeutelten Vereinen als auch den aktuellen Drittligisten helfen und nebenbei die Fußballverbände vor einer Klagewelle der Vereine bewahren.

Könnte der OFC wirtschaftlich die Voraussetzungen für die dritte Liga erfüllen?

Ja. Wir könnten einen konkurrenzfähigen Etat aufstellen, der durch Partner und Sponsoren gedeckt wäre und nicht durch irgendwelche Versprechungen. Grundsätzlich sollte die Wirtschaftlichkeit der Vereine eine zentrale Rolle spielen, trotz der aktuellen Insolvenzdebatte in den ersten beiden Ligen. Der durchschnittliche Lizenzspieleretat in der dritten Liga liegt bei aktuell 3,3 Millionen Euro. Die infrastrukturellen Voraussetzungen für die dritte Liga würden wir ebenfalls erfüllen. Würde der Spielbetrieb, anders als von uns gewollt, in der Regionalliga eingestellt werden, hätten wir zumindest in der dritten Liga die Möglichkeit, unsere Verluste sozusagen in die Zukunft zu schieben und sie über mehr Zuschauer bei den Spielen wieder hereinzuholen. Außerdem könnten wir unseren Partnern und Sponsoren eine Perspektive aufzeigen. Ich bin mir sicher, dass sie diesen Weg mitgehen würden.

Sind die Regionalligen für Sie die größten Verlierer im Profifußball?

Ja, zu diesem Kreis zählen die dritte Profiliga und die großen Vereine der Regionalligen. Die kleineren Vereine sind in der Lage, unbürokratisch von ihren Kosten herunterzukommen.

An vielen Standorten in der Regionalliga wird Profisport betrieben. Ergibt das noch Sinn?

Die Regionalliga in der jetzigen Form ist nicht Fisch und nicht Fleisch. An einigen Standorten haben die Spieler einen anderen Hauptberuf und trainieren anschließend. Oder sie werden für Trainingseinheiten von ihrem Arbeitgeber freigestellt. Daher rührt auch diese komplette Ungleichheit. Solch eine Konstellation ist für ein Pokalspiel schön. Natürlich kann ich die Probleme der kleineren Vereine nachvollziehen. Trotzdem muss man sich jetzt entscheiden, ob wir in Zukunft drei richtige Profiligen mit womöglich 24 Drittligavereinen wie in England haben. In diesem Fall wären die Regionalligen dann wirklich Amateurligen. Ansonsten wird das bestehende Konstrukt – unabhängig von der aktuellen Lage – auf Dauer nicht funktionieren. Ich bin mir daher sicher, dass eine Reform kommen wird. In den vergangenen drei Jahren hat man die Sache nicht lösen können. Vielleicht zwingt uns jetzt das aktuelle Ereignis zum Handeln.

Bestünde für die Kickers Insolvenzgefahr, wenn sie diese Saison mit einem siebenstelligen Fehlbetrag abschließen müssten?

Nein, in dieser Situation sind wir nicht. Wir werden diese schwierige Phase überleben und auch in Zukunft Fußball spielen. Vielleicht kommen wir sogar gestärkt aus dieser Situation heraus. Davon unbenommen würde uns aber nichts anderes übrigbleiben, als diese massiven Verluste, die unverschuldet uns entstanden sind, an den oder die Verursacher weiterzugeben.

Die Kickers würden für diesen Fall bei der Regionalliga Südwest GbR Schadensersatzansprüche stellen?

Das wird von uns juristisch genau geprüft, wen wir dann in Haftung nehmen. Ich glaube, dass die Regionalliga den Teufel tun würde, den Spielbetrieb von sich aus komplett abzusagen.

Warum haben die Kickers noch kein Kurzarbeitergeld beantragt?

Man kann es als Arbeitgeber nicht einseitig anordnen und beantragen. Es bedarf der Zustimmung der einzelnen Mitarbeiter. Und diesbezüglich müssen Gespräche geführt werden. Fakt ist, dass auch wir nicht um die Kurzarbeit herumkommen. Wir werden es aber erst dann kommunizieren, wenn es unterschriebene Vereinbarungen gibt.

Wie groß wäre der Substanzverlust für den OFC im Hinblick auf eine weitere Saison in der Regionalliga?

Das muss man im Gesamtkontext sehen. Wenn es uns dann vielleicht nicht mehr ganz so gutgeht, weiß ich nicht, warum es anderen plötzlich besser gehen sollte. Die Spielergehälter werden definitiv runtergehen – von oben beginnend bis nach unten. Ganz oben, denke ich, sogar ziemlich massiv. Der Markt verändert sich.

Wie sollte sich der Geschäftsführer eines Fußballvereins in der aktuellen Situation verhalten?

Man kann sich jetzt nicht erlauben, in eine Art Lethargie und in eine gewisse Machtlosigkeit zu verfallen. Vielmehr gilt es, die Dinge in aller Sachlichkeit abzuarbeiten. Und man darf nie aufhören, positiv zu denken.

Quelle: F.A.S.
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