Sportinvestor Korosek

Der Aufräumer und neue Volleys-Financier

Von Katja Sturm
10.04.2021
, 09:37
Der junge Luftfahrtunternehmer Alexander Korosek hat ein Herz für den heimischen Sport. Erst investierte er in den Football. Nun hat er auch Volleyball entdeckt und will die Sportarten verbinden.

Als „Frankfurter Bub“ begeisterte sich Alexander Korosek schon früh für die heimische Sportszene. Seit Kindheitstagen Fan der Eishockey-Löwen, schrieb der 34-Jährige zuletzt im Football Schlagzeilen: Erst führte er 2018/19 Frankfurt Universe als Geschäftsführer und Hauptsponsor aus der Insolvenz, im Herbst verließ er die Mannschaft aus der German Football League, um sich mit einem eigenen Team unter dem populären Namen Galaxy der neuen European League of Football anzuschließen. Noch bevor dieses im Juni den ersten Kick machen soll, sorgt der Luftfahrtunternehmer für eine weitere Überraschung: Wie Korosek am Freitag erklärte, ist er seit vergangener Woche Hauptanteilseigner des Volleyball-Bundesligaklubs United Volleys.

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Die Zukunft des Pokalsiegers stand stets auf der Kippe. Jörg Krick, der das Projekt 2015 mithilfe der Erstligalizenz der TG Rüsselsheim gründete, um seinen eigenen Sohn und Mittelblocker Tobias zu fördern, wollte sein finanzielles Engagement nicht auf Dauer aufrechterhalten. Hoffnungen, dass das Unternehmen sich nach spätestens vier Jahren selbst tragen würde, zerschlugen sich. Nun aber, sagt Korosek, könne Krick, der nach dem Weggang seines Sprösslings nach Italien im Sommer 2020 als Geschäftsführer zurücktrat, aber noch Anteile besitzt, sich „langsam komplett rausziehen“.

Als „Retter“ sieht Korosek sich nicht. Eher als einen, der aufräumt. „Ich vergleiche das gerne mit einer Wohnung“, sagt er. „Man weiß, es ist alles da, aber es muss jemand kommen, der einem zeigt, wo man es findet.“ Es gebe das Potential, ein Volleyball-Team am Main auch über das Sportliche hinaus erfolgreich zu betreiben und die schon vor der Pandemie nicht zufriedenstellenden Zuschauerzahlen zu erhöhen. Man müsse es nur ausschöpfen. „Wir wollen alles sauber aufbauen, und ich bin überzeugt, dass es funktioniert.“

Nicht zeitgemäß

Knapp neun Millionen Menschen in Deutschland hätten einer Marktforschung nach Interesse an Volleyball. Doch viele in Frankfurt und der Region wüssten nicht, dass es in der Großstadt ein Team auf höchstem Level gibt. Bei seinen Besuchen in der Ballsporthalle beobachtete Korosek, dass die bisherigen Macher versuchten, die Partien zu Events werden zu lassen. Seiner Auffassung nach nicht mit zeitgemäßen Mitteln.

In diesem, aber auch anderen Bereichen sind trotz Eigenständigkeit Synergien mit der Galaxy vorgesehen. Die beiden Sportarten passten bestens zusammen, weil die Footballer nur im Sommer, die Volleyballer von Oktober bis April spielen. So könne man die Kostenstruktur für die Volleys „übersichtlicher“ gestalten, indem man im administrativen Bereich einiges zusammenlegt und einen Teil des Personals jeweils dort einsetzt, wo es saisonbedingt gebraucht wird. Sponsoren könnten sich bei beiden Teams engagieren und somit das ganze Jahr über präsent sein, Tickets miteinander verknüpft werden.

Koroseks Wirtschaften läuft darauf hinaus, dass sich der bisher bei 800.000 bis 900.000 Euro bewegende Etat auf etwa 600.000 bis 700.000 Euro reduziert. Die beiden Topteams aus Berlin und Friedrichshafen könne man damit nicht angreifen, aber die Playoffs „sollten erreichbar sein“, glaubt der neue Chef.

Update am Sonntag: Achten zu den Volleys?

Gründer Jörg Krick bleibt den United Volleys vorerst erhalten. Das erklärte der Grolsheimer, nachdem der Volleyball-Bundesligaklub am Wochenende bestätigte, dass Alexander Korosek den Pokalsieger als Hauptanteilseigner übernommen hat. Durch das Engagement des 34 Jahre alten Luftfahrtunternehmers, der zugleich Besitzer des Footballteams Frankfurt Galaxy ist, sieht sich der langjährige Sponsor sowohl in finanzieller als auch in zeitlicher Hinsicht entlastet. Krick bleibt bei United Mitgesellschafter und konzentriert sich als solcher auf das Thema Corona-Hilfen aus der Politik. Darüber hinaus arbeitet der Vater von Nationalspieler Tobias Krick beim Thema Medienrechte in der Liga mit.

Die Mannschaft soll überwiegend aus einheimischen Spielern und förderungswürdigen Talenten bestehen. Eine Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Volleyball-Internat ist geplant. Zudem hat der frühere Nationalmannschaftskapitän Jochen Schöps seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Während sich die Treue des 37-Jährigen angedeutet hatte, wird es auf der Trainerposition einen überraschenden Wechsel geben. Obwohl Juan Manuel Serramalera ursprünglich einen Vertrag bis Mitte 2022 besaß, wechselt der Argentinier zur nächsten Saison zum Schweizer Erstligaverein Amriswil.

Seinen Platz in Frankfurt soll offenbar Christophe Achten übernehmen. Der Belgier stand den Volleys Ende Februar im Cup-Finale von Mannheim mit den Netzhoppers KW-Bestensee gegenüber, hat seinen auslaufenden Vertrag bei den Brandenburgern aber nicht verlängert. Er wolle nicht mehr so weit entfernt von seiner kleinen Tochter leben, gab der 42-Jährige als Grund an. Von Frankfurt aus würde sich die mehr als 700 Kilometer lange Strecke ins heimische Ranst um etwa die Hälfte verkürzen. (kaja.)

Quelle: F.A.Z.
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