Debakel gegen FC Bayern

Was die Eintracht nach dem Schockerlebnis plant

Von Jörg Daniels
08.08.2022
, 13:11
Reagierte er zu spät? Oliver Glasner wechselte erst zur Halbzeit beim Fiasko gegen die Bayern.
Das Debakel gegen Bayern München samt des vogelwilden Auftritts seiner Mannschaft hat Oliver Glasner nicht den Mut geraubt: Er will gegen Real im Super Cup siegen und die Champions League gewinnen.
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Am Samstag konnten Oliver Glasner und sein Trainerstab nicht zur Tagesordnung übergehen. Denn intern gab es großen Redebedarf. „Wir haben relativ lange drüber gesprochen“, sagte der Eintracht-Cheftrainer und meinte das blamable 1:6 gegen Bayern München vom Vortag. Über die inhaltliche Auseinandersetzung im Mannschaftskreis mit dem Schockerlebnis zum Saisonstart verriet der 47-Jährige spätabends im ZDF-„Sportstudio“ nichts.

Bundesliga

Sein im Fernsehen geäußerter Lösungsvorschlag zur Bewältigung des Fiaskos lautete so: „Jetzt heißt es halt wieder, auch einen Schritt zurück zu machen, zurück zu den Basics, um die kommenden Aufgaben erfolgreich zu gestalten.“ Dem Rückschritt soll schnell wieder ein Schritt nach vorne im Leistungsvermögen folgen. Es muss ein großer sein. Schließlich will die Eintracht in dieser Erstligarunde unter die besten sechs Klubs kommen.

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Bereits am Freitagabend hatte der Österreicher angekündigt, dass die Frankfurter „wichtige Lehren“ aus dem kolossalen Fehltritt gegen einen Großen ziehen würden. Welche das sind, soll man an diesem Mittwoch (21.00 Uhr bei RTL und DAZN) im UEFA-Super-Cup-Spiel gegen Real Madrid zu sehen bekommen. Dort will sich die Eintracht als gefestigte Einheit und taktisch viel disziplinierter mit entsprechenden Erfolgsaussichten präsentieren.

Vogelwilde Vorstellung

„Wir wollen diesen Titel nach Frankfurt holen“, sagte Glasner selbstbewusst. Der Fußballlehrer strebt in dieser Spielzeit außerdem den Gewinn der Champions League an, „wenn wir in diesen Wettbewerb gehen“. Ob das aber realistisch und machbar sei, wisse er nicht, fügte er hinzu. Es mache jedenfalls „keinen Sinn, zu sagen: Schön, dass wir in der Champions League sind und auf Wiedersehen im Winter.“ Trotz des bösen Absturzes gegen die Bayern verfolgt Frankfurt weiter hohe Ziele.

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Im Hinblick auf die abgelieferte Leistung am ersten Bundesligaspieltag haben die Hessen Gewissheit: „Am Freitag waren wir noch nicht so weit für die Crème de la Crème der Champions League“, gab Glasner zu. Der Außenseiter agierte zur Überraschung des Fachpublikums extrem vogelwild und wurde von den energiegeladenen und hoch motivierten Münchnern nach allen Regeln der Fußballkunst vorgeführt. Trotzdem setzte Glasner dem sich schnell anbahnenden Debakel durch den Münchner Tempofußball in der ersten Halbzeit nichts entgegen: Er gab seinem spielenden Personal zwar unentwegt Anweisungen von außen.

Die Ultras zogen eine eigene Show ab. Der Mannschaft half es beim Spiel gegen Bayern München überhaupt nicht.
Die Ultras zogen eine eigene Show ab. Der Mannschaft half es beim Spiel gegen Bayern München überhaupt nicht. Bild: Huebner

Aber er rang sich nicht zu personellen Wechseln durch und stärkte nicht die Defensive seiner Mannschaft. Das Waterloo zur Premiere nahm unaufhaltsam seinen Lauf. Und jetzt? Jetzt geht die Eintracht mit einer schweren Hypothek in die neue Arbeitswoche. Mit dem Champions-League-Sieger aus Madrid wartet in Helsinki eine der schwierigsten Aufgaben auf die Hessen, ein weiterer Härtetest auf höchstem Niveau. „Es liegt jetzt an uns, zu zeigen, dass wir für dieses Spiel gerüstet sind“, sagt Glasner.

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Die Spanier hatten durch das 1:0 im Endspiel gegen Liverpool den europäischen Fußball-Thron erklommen. Insgesamt hat Madrid bisher achtmal die Champions League gewonnen – so oft wie kein anderer Klub. Im damaligen Europapokal der Landesmeister war Real sechsmal erfolgreich. Und im Super Cup? Da wäre ein Erfolg über die Eintracht der fünfte in diesem Wettbewerb, die Madrilenen würden zum FC Barcelona und zum AC Mailand aufschließen.

Zwei Wechselgerüchte

Frankfurt hingegen ist ein Neuling im Kampf um den Super Cup. „Gerade für Eintracht Frankfurt gegen Real Madrid so einen Pokal in die Höhe zu stemmen, das wollen wir unbedingt schaffen. Womöglich ist uns der Titel wichtiger als anderen Vereinen, wir wollen den holen“, sagt Mannschaftskapitän Sebastian Rode. Der Super Cup habe „noch nicht diese lange Tradition, deswegen hat er auch noch nicht so einen großen Stellenwert“, meint Glasner. Für ihn „als Sportler“ habe der Super Cup jedoch „eine unheimlich große Bedeutung. Wenn du gegen den Champions-League-Sieger, die beste Mannschaft in Europa, gewinnen kannst, wäre das nicht alltäglich“, findet der Österreicher.

Zum Frankfurter Tagesgeschäft gehören aktuell die Wechselgerüchte über Filip Kostic und Evan Ndicka. Der Flügelflitzer aus Serbien und der Verteidiger aus Frankreich werden mit Klubs aus Italien und England in Verbindung gebracht. Als Trainer wolle man „immer Klarheit“, sagte Glasner über die Hängepartie, die ihn zunehmend nervt. „Diese Klarheit steht aber im Widerspruch zur Transferperiode.“ Der Trainer rechnet damit, dass ein Transfer über die Bühne gehen werde, wenn ein „großer Klub aus Europa Ernst macht und ein großes Angebot abgibt“.

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Den Arbeitgeber gewechselt hat derweil wie erwartet Gonçalo Paciência. Der Angreifer aus Portugal, der in der Vorsaison in 25 Spielen fünf Treffer erzielte, wechselt nach Spanien zum dortigen Erstligaverein Celta Vigo. In der Hierarchie der Stürmer stand der 28-Jährige hinten. Schon in der abgelaufenen Runde hatte er nur die Rolle des Ergänzungsspielers innegehabt.

„Gonco hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt“, lobte ihn der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche. „Bei der Eintracht wird er als großer Teamplayer in Erinnerung bleiben.“ Zudem haben Frankfurt und Göztepe Izmir eine einjährige Ausleihe von Ali Akman vereinbart. Im Anschluss daran besitzt der SüperLig-Absteiger der Vorsaison eine Kaufoption. Akmans Vertrag in Frankfurt läuft bis zum Sommer 2025.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
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