UEFA-Supercup in Helsinki

Hat die Eintracht eine Chance gegen Real?

Von Hans-Günter Kellner, Madrid
10.08.2022
, 11:36
Königliches Selbstbewusstsein? Karim Benzema erschreckt sich vor einem Insekt.
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Das Endspiel um den UEFA-Supercup heißt in diesem Jahr Frankfurt gegen Madrid: Eine Überraschung scheint nur dann möglich, wenn das Team von Trainer Oliver Glasner den Favoriten entschlüsselt.
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Es heißt zwar, es sei bis dahin eines der besten Fußballspiele gewesen – aber im Grunde hatte Eintracht Frankfurt keine Chance. Mit einer Truppe aus Halbamateuren trat sie 1960 in Glasgow gegen Real Madrid mit Di Stéfano, Puskás oder Gento an. Viermal in Serie hatten die Spanier den Pokal der Landesmeister zuvor schon gewonnen und wollten ihn auch zum fünften Mal haben. Richard Kreß traf in der 18. Minute, dann aber kamen Alfredo Di Stéfano und Ferenc Puskás mit insgesamt sieben Toren. Erwin Stein traf noch zweimal, aber am Ende ging der Pokal der Landesmeister 1960 mit einem klaren 7:3-Sieg an Real Madrid.

Die Vorzeichen sind an diesem Mittwoch (21.00 Uhr bei RTL und DAZN) im Spiel um den UEFA-Supercup in Helsinki nicht besser. Nichts spricht für die Eintracht, alles gegen sie, die Spielstärke beider Kader, das Selbstverständnis der Spieler, die Geschichte. Und auch das 1:6 gegen den FC Bayern zum Bundesliga-Start verbesserte die Lage nicht gerade.

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Allein in den vergangenen zehn Jahren hat Real Madrid fünfmal die Champions League gewonnen, war viermal spanischer Meister. Spieler wie Nacho, Luka Modric, Toni Kroos und vor allem Benzema haben diese Zeit geprägt und sind immer noch entscheidende Spieler – die keineswegs müde wirken.

Real Madrid mit Traummittelfeld

Ihren Hunger nach Erfolg haben sie in der vergangenen Saison gezeigt, insbesondere bei den Last-Minute-Siegen in der Champions League über Paris, Chelsea und Manchester City sowie in der Abwehrschlacht im Endspiel gegen Liverpool (1:0), in dem sich wieder bestätigt hat, was man so oft hört: „Bei Real Madrid spielt man keine Endspiele, man gewinnt sie.“

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Trainer Carlo Ancelotti sieht im Spiel um den Supercup den Abschluss der letzten Saison. So schickte er im Test gegen Juventus Turin das eingespielte Team aufs Feld, das die Champions League gewann. Das heißt, er wird an seinem Traummittelfeld aus Toni Kroos, Casemiro und Modric wohl auch gegen die Eintracht nichts verändern, womöglich den offensiven Valverde dazustellen.

© Youtube

Kroos haben sie in Madrid zunächst bewundert, später auch kritisiert, inzwischen verehren sie ihn. Er ist ohne Frage der Taktgeber, der fast für jede Situation den richtigen Pass findet, mit kurzen Pässen schwierige Situationen löst, quer das Spiel verlagert oder mit einem langen, diagonalen Ball den pfeilschnellen Vinicius auf die Reise schickt. Zuletzt war Kroos auch oft an der Seitenlinie im Gespräch mit Ancelotti zu sehen, als verlängerter Arm des Trainers auf dem Feld. Der Italiener sagte einmal, er halte Kroos für einen der wenigen heutigen Fußballprofis mit der Fähigkeit, selbst einmal als Trainer zu arbeiten.

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Tiefer Kader hilft Ancelotti

Seit Ancelotti in Madrid ist, zeigt Real in einem Spiel oft zwei Gesichter, stört den Spielaufbau seiner Gegner früh, zieht sich dann doch weit zurück, befreit sich mit spielerischen Mitteln wieder und ist blitzschnell wieder vorm gegnerischen Tor. Und wenn die Gegner doch mal frei zum Abschluss kommen, steht mit Thibaut Courtois ein Torhüter auf der Linie, der Spiele entscheidet. Zu Reals Sturm muss eigentlich nichts gesagt werden. 66 Treffer haben Vinicius und Benzema in der vergangenen Saison erzielt, mehr als die Hälfte der 117 Tore von Real und mehr als der gesamte Kader von Eintracht Frankfurt.

Vor allem hat Real Madrid ein zweites Spitzenteam auf der Bank. Mit Camavinga, Rodrygo oder Asensio wechselt Ancelotti „neue Energie“ ein – sagt er selbst –, wenn er findet, dass ein Spiel auch mal ein bisschen Unordnung braucht. Im Grunde hat Real jede Position erstklassig besetzt, konnte nicht zuletzt deshalb Spiele in der Schlussphase noch drehen und sichert sich damit gleichzeitig die Stars der Zukunft.

Carlo Ancelotti hat genügend Alternativen auf der Bank.
Carlo Ancelotti hat genügend Alternativen auf der Bank. Bild: EPA

Wenn die Eintracht aber schon verloren hat, bevor sie aufläuft, kann sie eigentlich nur noch gewinnen. Vor allem, weil es gar nicht stimmt, dass Real alle Endspiele immer gewinnt: 2018 verlor Real im UEFA-Supercup gegen Atlético 2:4. Zudem werden sie die Eintracht unterschätzen. In den wenigen Nachrichten vor dem Spiel wird immer wieder der Unterschied der Stärke beider Kader betont. Ein wenig gönnerhaft erwähnten die Kommentatoren im vereinseigenen TV-Sender Real Madrid TV, die Frankfurter hätten immerhin Barça geschlagen, aber dann wiederholen sie immer wieder ihr Selbstverständnis von Real Madrid als König von Europa.

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Das stärkt die Überzeugung, auch in den letzten zehn Minuten ein Spiel noch drehen zu können, kann aber zur Überheblichkeit führen. Für die Eintracht spricht auch, dass sie mit ihren Spielen gegen Magdeburg im DFB-Pokal und Bayern München in der Bundesliga längst im Wettkampfmodus ist, während Real in seinen bislang nur drei Testspielen in den Vereinigten Staaten keineswegs immer dominiert hat.

So zeigte in Las Vegas der FC Barcelona die Schwachstellen des spanischen Meisters auf. Sie störten sehr früh, Real kam kaum aus der eigenen Hälfte und schon gar nicht zum Spielaufbau. Insbesondere die Innenverteidiger Alaba und Militao neigen zu Fehlern, wenn man ihnen auf den Füßen steht. Ein krasser Fehlpass von Militao auf Barças Raphinha führte dann auch zum Tor der Katalanen. Beim 2:2 gegen CF América aus Mexiko spielte zwar Benzema wieder mit und machte auch gleich ein Tor, aber die Abwehr sah bei den beiden Treffern der Mexikaner wieder nicht gut aus.

Wenn es die Eintracht also schafft, Real schon vor dem eigenen Tor zu stören, die gefährlichen Pässe von Kroos zu verhindern, keine Konter zuzulassen, und das wirklich 90 Minuten lang – dann könnte sie am Mittwoch tatsächlich Revanche nehmen für das 3:7 von 1960.

Quelle: F.A.S.
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