Zukunft der United Volleys

Zwischen den Extremen

Von Katja Sturm
16.03.2021
, 13:04
Nach einer Saison, die den ersten Titel brachte, aber auch die schlechteste Liga-Platzierung, laufen alle Spielerverträge aus. Wie es bei den United Volleys weitergeht, ist unklar.

Die Saison war ein Wagnis. Wegen der Coronavirus-Pandemie und der damit verbundenen reduzierten Einnahmemöglichkeiten hatten die Verantwortlichen der United Volleys im sechsten Jahr der Geschichte des Frankfurter Profiteams einen Sparkurs eingeschlagen. Von den zwölf Plätzen, die auf diesem Niveau schon allein aus Trainingszwecken in einem Volleyballkader besetzt sein sollten, wurden nicht alle an Vollzeitspieler vergeben. Die Lücken füllten interimsweise Nachwuchskräfte aus dem benachbarten Internat. Der Erfolg, das hatte United-Trainer Juan Manuel Serramalera im September noch vor dem ersten Aufschlag prognostiziert, würde deshalb sehr stark von der Gesundheit der Spieler in der ersten Reihe abhängen.

Ein halbes Jahr später kann Bilanz gezogen werden. Nach dem Viertelfinal-Aus am Sonntagabend im zweiten Duell gegen Düren findet sich der Vorjahreszweite früher denn je aus den Entscheidungsspielen der Bundesliga herausgeworfen. Als Tabellensiebter war er zudem noch nie von einer schlechteren Ausgangsposition in Play-offs gestartet. Auf der anderen Seite erlebte der Klub durch den Triumph im Pokal seinen ersten Titelgewinn und damit den bislang größten Erfolg seit der Gründung des Projektes 2015. Die Trophäe ist mit einer weiteren Teilnahme des früheren Halbfinalisten am zweitklassigen europäischen CEV-Cup verbunden.

„Ich habe noch nie eine so unruhige Saison erlebt“, sagt Guido Heerstraß, der im Sommer als neuer Geschäftsführer vom Rekordmeister VfB Friedrichshafen an den Main kam. Das Verletzungspech schlug bei den Volleys massiv zu. Wegen des dünnen Kaders mangelte es in den meisten Fällen an adäquatem Ersatz. Allein drei starke Außenangreifer, Floris van Rekom, Tim Grozer und Rodrigo Quiroga, fielen bis zum Ende aus. Der mit Abstand beste Ballverteiler Matthias Valkiers musste am Rücken operiert werden und konnte in der wichtigsten Phase der Spielzeit nicht mehr mithelfen. Das reduzierte gerade die Erfolgschance gegen Düren erheblich. Ständig musste irgendwo geflickt werden. Oft notdürftig, teilweise wirkungsvoll. Auf die ursprüngliche Qualität des Kaders konnte Serramalera nie zurückgreifen. Starke Leistungsschwankungen wurden zur Gewohnheit.

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Während der Trainer und der Geschäftsführer noch ein weiteres Jahr gebunden sind, laufen sämtliche Spielerverträge jetzt aus. Die Lehren aus der jüngsten Vergangenheit sind leicht gezogen: keine Spieler mehr engagieren, die nicht hundertprozentig fit sind, und möglichst von Beginn an wieder alle Stellen in der Auswahl fest besetzt haben. Heerstraß widerspricht dem nicht. Für Valkiers, Quiroga oder Mittelblocker Jakob Günthör dürfte es demnach keine Verträge mehr geben. Mannschaftskapitän Jochen Schöps, der mit seinen 37 Jahren die Mannschaft häufig mitriss, soll positive Signale dafür gegeben haben, noch eine Saison dranhängen zu wollen. Nötig wäre vor allem ein neuer hochkarätiger Zuspieler.

Um Talente wie Außen Erik Röhrs, der die Volleys zu den Play-offs beeindruckend verstärkte, oder Mitglieder des erweiterten Kreises der Nationalmannschaft wie Mittelblocker Noah Baxpöhler wird man sich sicher ebenso bemühen wie um Topscorer Daniel Malescha, den japanischen Libero Satoshi Tsuiki oder Schnellangreifer Facundo Imhoff. Ins Konzept der Nachwuchsförderung passen die Außen Linus Hüger und Jonas Reinhardt hinein.

Die Gespräche sollen jetzt angegangen werden; vor der intensiven Saisonendphase wollte Heerstraß keine Unruhe in die Mannschaft bringen. Die Schwierigkeit wird dabei sein, dass es noch keinen Überblick über die zur Verfügung stehenden Finanzen gibt. Die erhofften positiven Folgen des Pokalsieges bei den Sponsoren seien bis jetzt ausgeblieben, weil durch die anhaltende Krise Unternehmen nicht wissen, wie es in den nächsten Monaten weitergeht. Mit der Politik verhandelt Heerstraß um weitere Unterstützung über die bereits zugesagten Hilfen hinaus. Man müsse erst mal die abgelaufene Saison, für die der vorherige Etat um ein Drittel auf unter eine Million gesenkt wurde, mit einer schwarzen Null abschließen, bevor man vorausschaut.

„Es ist gerade sehr viel in Bewegung“, sagt der United-Manager. Grundsätzlich gehe er aber trotz aller Unkenrufe davon aus, „dass es mit den Volleys weitergeht“. Eine Spielzeit mit einem Amateurteam, wie Gründer und Gesellschafter Jörg Krick sie schon einmal in Aussicht stellte, oder gar die Rückgabe der Lizenz an die TG Rüsselsheim kann sich der frühere Handballspieler nicht vorstellen. „Das, was wir alles erreicht haben, sollte man nicht aufs Spiel setzen.“ Auch wenn damit das nächste Wagnis bevorsteht.

Quelle: F.A.Z.
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