Viertes Remis bei Schach-WM

Nur der Geburtstagskuchen wird nicht geteilt

Von Stefan Löffler
30.11.2021
, 18:35
Geburtstagskind Magnus Carlsen kam wieder nur zu einem Remis.
Auch die vierte Partie der Schach-WM endet remis. Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi hat Zeit für einen Witz, während Weltmeister und Geburtstagskind Magnus Carlsen ein kleines Präsent bekommt.
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Während sein Herausforderer gelangweilt in einem Ruheraum hinter der Bühne saß, dachte Magnus Carlsen am Ende der vierten Partie länger darüber nach, ob er mit einer Zugwiederholung ein Remis erzwingen sollte, als er für alle seine 29 Züge davor gebraucht hatte. In keiner Variante entdeckte er einen Vorteil für sich. Dann besser gleich ein halber Punkt als noch etwas zu riskieren.

Im ersten Zug wechselte Carlsen vom Damenbauern zum Königsbauern. Offenbar wollte er prüfen, was sein Herausforderer darauf vorbereitet hat. Sonst bevorzugt Jan Nepomnjaschtschi Sizilianisch und spielt auch mal Französisch. Oder er lässt sich auf Spanisch oder Italienisch ein. Russisch hatte er noch fast nie, doch genau das kam. Selbst Nepomnjaschtschi witzelte hinterher: Die russische Fahne darf nicht an seinem Brett stehen, aber die Russische Eröffnung sei ihm ja erlaubt. Wer keine Remis mehr sehen will, wird eher fragen: Hätte die WADA sie nicht bitteschön gleich mit verbieten können?

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Mit dieser soliden, remisträchtigen Eröffnung haben in WM-Kämpfen schon ganz andere Beton angerührt. Zuletzt 2018 Fabiano Caruana. Damals erreichte Carlsen nichts gegen Russisch und wandelte in der sechsten Partie sogar am Rand einer Niederlage. Die Idee, die er an diesem Dienstag in einer Hauptvariante anbrachte, könnte schon während der damaligen Vorbereitung auf Caruana entstanden sein.

„Es hätte unglaublich kompliziert werden können“

Wieder war es ein Springerzug an den Rand, wie ihn nur ein vorbereiteter Spieler aufs Brett bringt. Doch dieser Springer soll eigentlich nur so rasch wie möglich den anfälligsten schwarzen Bauern auf d5 attackieren, und der Sprung an den Rand war der erste auf dem langen Weg dorthin. Andererseits verzichtete Carlsen zugleich darauf, was andere vorher ausschließlich in dieser Stellung gespielt hatten, nämlich den schwarzen a-Bauern abzutauschen. Dieser gedeckte Freibauer sollte der wichtigste Trumpf seines Gegners werden.

Hier wurde bisher immer mit 18.bxa6 en passent der gerade von Schwarz von a7 nach a5 gezogene a-Bauer geschlagen. Carlsen dagegen neuerte mit 18.Sh4 und nach 18...g6 19.g4 gefolgt von 20.Sg2, um den Bauern d5 anzugreifen.
Hier wurde bisher immer mit 18.bxa6 en passent der gerade von Schwarz von a7 nach a5 gezogene a-Bauer geschlagen. Carlsen dagegen neuerte mit 18.Sh4 und nach 18...g6 19.g4 gefolgt von 20.Sg2, um den Bauern d5 anzugreifen. Bild: chess24

Nepomnjaschtschi habe sinnvoll reagiert, so Carlsen: „Was er gespielt hat, war nur eine von mehreren Möglichkeiten. Es hätte unglaublich kompliziert werden können.“ Selbst manövrierte er seinen weit gereisten Springer und einen Turm tief ins gegnerische Lager, wo sie, sollte ihm die Stellung nicht mehr behagen, fast jederzeit eine Zugwiederholung erzwingen konnten. Profis nennen es: auf zwei Resultate spielen. Nepomnjaschtschi blieb nur noch seinen Freibauern vorzurücken, aber das genügte: Carlsen zog die Remisbremse.

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Hinterher ließ Carlsen wissen, dass er am spielfreien Montag lange Fußball gespielt hat: „Ich war immer auf der Gewinnerseite. Ich weiß nicht, ob sie absichtlich schlecht gespielt haben, und wenn ja, ist es mir egal.“ Schon möglich, dass er in Zweikämpfen geschont worden sei, um ihn nicht zu verletzen. „Ich habe öfter gegen Profis gekickt und hätte es lustig gefunden, wenn einer wegen mir ein Spiel verpasst“, gestand er grinsend. Ein Mitglied seines Teams habe an diesem Tag übrigens genau eine Aufgabe gehabt, nämlich ihn zum verabredeten Zeitpunkt mitzunehmen, damit er es nicht übertreibt.

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Letzte Frage: Ob er von seinem Geburtstagskuchen – er wurde 31 – etwas an Team Nepomnjaschtschi abgeben will? Carlsen war nicht sicher, ob es überhaupt Kuchen gibt, aber einen Rat hatte er parat: „In solchen Zweikämpfen sollte man nie Essen vom gegnerischen Team annehmen.“ Später gab es in der Lounge von Carlsen doch noch ein kleines Präsent: einen Kuchen mit Kerzen in Form einer 3 und einer 1.

Notation der vierten Partie der Schach-WM

Weiß: Magnus Carlsen (Norwegen) - Schwarz: Jan Nepomnjaschtschi (Russland)

Russisch

1. e4 e5 2. Sf3 Sf6 3. Sxe5 d6 4. Sf3 Sxe4 5. d4 d5 6. Ld3 Ld6 7. O-O O-O 8. c4 c6 9. Te1 Lf5 10. Db3 Dd7 11. Sc3 Sxc3 12. Lxf5 Dxf5 13. bxc3 b6 14. cxd5 cxd5 15. Db5 Dd7 16. a4 Dxb5 17. axb5 a5 18. Sh4 g6 19. g4 Sd7 20. Sg2 Tfc8 21. Lf4 Lxf4 22. Sxf4 Txc3 23. Sxd5 Td3 24. Te7 Sf8 25. Sf6+ Kg7 26. Se8+ Kg8 27. d5 a4 28. Sf6+ Kg7 29. g5 a3 30. Se8+ Kg8 31. Sf6+ Kg7 32. Se8+ Kg8 33. Sf6+ Remis

Stand: 2:2

Quelle: FAZ.NET
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