Kritik an DOSB-Präsident

„Ohnehin geringes Vertrauen“

Von Michael Reinsch
11.06.2021
, 22:02
Vernichtendes Zeugnis: DOSB-Präsident Hörmann
Athleten Deutschland fordert den Präsidenten des DOSB auf, sich Neuwahlen zu stellen. Ein Abweichen von der Empfehlung der Ethikkomision sei „im deutschen Sport ein alarmierendes Signal“.

Athletenvertreter fordern Alfons Hörmann, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), auf, sich Neuwahlen zu stellen. „Aus unserer Sicht ist es geboten, den Empfehlungen der Ethikkommission strikt zu folgen – allein schon, um die Glaubwürdigkeit der Ethikkommission nicht zu gefährden und keinen Vertrauensverlust in diese lediglich empfehlende Institution zu riskieren“, schreibt die Organisation Athleten Deutschland am Freitag: „Ein Abweichen von diesen Empfehlungen wäre angesichts des ohnehin geringen Vertrauens in die Funktionsfähigkeit der Ombuds- und Hinweisgebermechanismen im deutschen Sport ein alarmierendes Signal.“

Die Ethikkommission unter Leitung von Thomas de Maizière hatte sich mit Klagen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im DOSB zu beschäftigen und schreibt: „Nur eine vorgezogene Wahl des gesamten Präsidiums kann zu einer dauerhaften Vertrauensstiftung im deutschen Sport führen.“ Das Präsidium hat angekündigt, stattdessen im September die Vertrauensfrage zu stellen; das Procedere ist unklar.

„Der nun beschlossene Weg unterläuft nach meiner Ansicht die Empfehlung der Ethikkommission und ignoriert deren Begründung“, schrieb Jonathan Koch, Athletenvertreter im Präsidium, am Freitag auf Twitter: „Neuwahlen im Dezember 2021 könnten ohne weitere Abstimmungsschleifen per sofortigem oder terminiertem Rücktritt des Präsidiums beschlossen und umgesetzt werden.

Eine nicht genau definierte, ungeregelte und vorgezogene Vertrauensabstimmung wirft dagegen erhebliche Fragen auf.“ Er sei in großer Sorge um die Glaubwürdigkeit und Funktionsfähigkeit der gesamten Führungs- wie Kontrollstruktur des DOSB.

Athletinnen und Athleten seien aufgrund ihrer Sichtbarkeit die wichtigsten Vermittler der Werte des Sports und würden tagtäglich an ihrer Professionalität, Integrität und Haltung gemessen, schreibt Athleten Deutschland: „Dasselbe Maß muss für die Verantwortlichen in den Verbänden gelten, insbesondere für das höchste Gremium des Breiten- und Spitzensports in Deutschland.“

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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