Athletensprecher Max Hartung

„In Streitfragen wollen wir nicht abhängig sein“

Von Michael Reinsch
24.04.2018
, 12:38
Fechter und Athletensprecher Max Hartung.
Säbelfechter und Athletensprecher Max Hartung pariert eine Attacke auf den Verein „Athleten Deutschland“. Dabei geht es um Mitbestimmungsrecht und die Frage, ob dies innerhalb oder außerhalb des DOSB umgesetzt wird.

Sind Sie ein freier Radikaler? Der Parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer aus dem Innenministerium hat diese Bezeichnung im Deutschlandfunk benutzt, als er davor warnte, die Athletenvertretung außerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes zu organisieren.

Wir Athleten schweben nicht im luftleeren Raum. Wir trainieren in Vereinen, an Bundesstützpunkten, nehmen die Serviceleistungen von Olympiastützpunkten entgegen. Wir sind Teil des Sportsystems. Wir sind nicht frei und auch nicht radikal.

Mayer mahnt, die Förderung der Athletenvertretung – es geht um 225.000 Euro – solle eingebunden in die Struktur des DOSB geschehen, dort allerdings unabhängig. Reicht Ihnen das nicht?

Wir haben einen Verein gegründet: Athleten Deutschland. Er passt von der Struktur her zur Sportlandschaft. Bisher sind 300 Athleten Mitglied geworden. In unsere Satzung haben wir geschrieben, dass der Verein die Mitgliedschaft im DOSB anstrebt. Er soll dies nach unserer Vorstellung mit der gleichen garantierten Autonomie werden, wie sie Verbände und Landessportbünde haben. Wir wollen in der Sportstruktur mitwirken, wir wollen mitgestalten. Aber in Streitfragen wollen wir nicht abhängig sein. Wir wollen nicht Gefahr laufen, dass im Falle eines Dissenses Einfluss genommen wird auf Mitarbeiter, die uns unterstützen, und auf Kommunikationskanäle, die uns zur Verfügung stehen.

Wie ist die Situation jetzt?

Die Athletenkommission im DOSB hat keine Mitarbeiter. Zu unserer Unterstützung ist eine 400-Euro-Kraft abgestellt – bei einer Aufgabenfülle, die im Ehrenamt nicht zu bewältigen ist.

„Am Geld hat es nicht gemangelt“

Hat Stephan Mayer nicht eigentlich deutlich gemacht, dass der DOSB das Geld bekommen soll, das für die Athletenvertreter gedacht ist?

Wenn er das gemeint hat, würde ich ihm entgegnen, dass so von der Unabhängigkeit, für die er sich ausgesprochen hat, keine Rede sein könnte. Athleten würden das Personal nicht selbst auswählen, wären ihnen auch nicht vorgesetzt, sondern der Präsident und die Vorstandsvorsitzende des DOSB hätten das letzte Wort. Eine solche Konstruktion hätte schon längst eingerichtet sein können, wenn der DOSB gewollt hätte. Das ist aber in den vergangenen zwei Jahren, in denen dieses Thema diskutiert wurde, nicht passiert. Am Geld hat es nicht gemangelt. Deshalb wäre es unsinnig, nun, da das Innenministerium Geld einstellt für die Unterstützung der Athletenvertreter, dieses dem DOSB zu überweisen.

Warum haben Sie Stephan Mayer nicht überzeugen können? Schließlich waren Sie im Sportausschuss, dem er angehört.

Das ist es, was uns alle überrascht. Im Sportausschuss der vergangenen Legislaturperiode haben wir sehr positive Rückmeldungen erhalten. Wir waren in der CDU/CSU-Fraktion zu Gast und haben unser Anliegen vorgetragen. Und wir waren im neuen Sportausschuss und haben wieder von allen Fraktionen positives Feedback erfahren. Wir haben auch Herrn Mayer, so scheint es, überzeugt. Er hat gesagt, die Athleten stünden im Mittelpunkt, Mitbestimmung solle ermöglicht werden. Er hat sich für Unabhängigkeit und Professionalisierung ausgesprochen. Das sind alles unsere Argumente. Aber er hat eingeschränkt, dass dies unter dem Dach des DOSB erreicht werden solle. Bedeutet das, dass Mittel zu unserer Unterstützung sinnvoll sind, aber nur eingesetzt werden dürfen, wenn der DOSB-Präsident gegenzeichnet? Meint er mit Konsens, dass wir bei allen Themen die Auffassung des DOSB übernehmen sollen?

Wie stellen Sie sich Zusammenarbeit auf Augenhöhe vor?

Wenn Athleten Deutschland Mitglied des DOSB werden würde, könnte man die Stimmzahl der Athleten auf der Vollversammlung des Sports anpassen und ihnen im wichtigsten Gremium des deutschen Sports fair ein größeres Gewicht geben. Der Sprecher der Spitzenverbände und die Konferenz der Landessportbünde haben die Vereinsgründung begrüßt. Man könnte man meinen, dass damit ein Prozess angestoßen ist, Athleten Deutschland in der Struktur zu verankern. Aber es ist nichts passiert.

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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