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Ball des Sports

Turnbeutel immer gepackt

Von Achim Dreis, Wiesbaden
Aktualisiert am 01.02.2020
 - 21:26
Golden Girl: Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo beim Eröffnungstanz mit Sporthilfe-Geschäftsführer Michael Illgner.zur Bildergalerie
Malaika Mihambo glänzt im goldenen Kleid. Franziska van Almsick begrüßt alle Gäste des „Ball des Sports“ wie alte Bekannte. Frank-Walter Steinmeier erinnert an sein „Kämpferherz“. Und Thomas Gottschalk denkt freudig an den „Hopserlauf“ zurück.

Der Weg an die Weltspitze führt zwar nicht über den Roten Teppich, wie die Deutsche Sporthilfe in einem Slogan erinnert, aber wer es dorthin geschafft hat, kann sich durchaus mal auf ihm sonnen. Vor dem 50. Ball des Sports in Wiesbaden gehört das Schaulaufen zum Warm-Up vor dem eigentlichen Event. Anekdoten und Erinnerungen, Fotos und Shakehands, Flüchtigkeit als Prinzip, aber doch herzlich – wie bei einem großen Familientreffen, und als solches bezeichnen die Sportler selbst diesen Abend.

Wobei die Ehemaligen wie Boxerin Regina Halmich, Skiläuferin Maria Höfl-Riesch oder Gewichtheber Matthias Steiner das Flirten mit der Momentaufnahme zunächst mehr zu genießen scheinen als die aktuellen Athleten. Großmeisterin in dieser Disziplin ist Franziska van Almsick, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Im rosa-pinken Kleid begrüßte sie auch diesmal praktisch alle 2000 Gäste, darunter Wirtschaftsgrößen, Politikprominenz und auch einige Medienstars wie alte Bekannte.

Last but not least erschien Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der ein großes Herz für den Sport offenbarte, einst als Aktiver, heute eher passiv, aber immer mit Leidenschaft. In jüngeren Jahren spielte der 64-Jährige selbst Fußball, bei der TuS 08 Brakelsiek in der Kreisklasse. Nach eigener Einschätzung war er zwar „nicht der begnadete Filigrantechniker“, habe aber als Teamspieler stets „großes Kämpferherz und langen Atem“ bewiesen.

Und dass es genau darauf ankommt, wurden Athleten und Sponsoren an diesem Abend nicht müde, zu betonen. 70 aktuelle Medaillengewinner bei Welt- und Europameisterschaften, einzeln und namentlich begrüßt von Moderator Johannes B. Kerner. Angesichts der Vielfalt an sportlichen Höchstleistungen, die die oft unbekannte Stars repräsentieren, von Rugby bis Rudern, von Bahnrad bis Freestyle, wurde deutlich, wie außergewöhnlich breit gefächert der deutsche Spitzensport aufgestellt ist – auch und gerade jenseits des Fußballs.

Jan Frodeno, dreimaliger Ironman-Weltmeister von Hawaii, war zum ersten Mal Gast des Balls, zeigte sich aber grundsätzlich von der Idee des Abends überzeugt. „Ohne die Sporthilfe hätte ich es nicht geschafft“, sagte der 38-Jährige. Die 200 Euro Unterstützung, die es zu seiner Anfangszeit monatlich für Athleten gab, machten für ihn genau den Unterschied aus, damit er sein Talent ausleben konnte. Mit großem Erfolg: 2008 wurde er Olympiasieger auf der kurzen Distanz, später avancierte er zum Superstar auf der langen Distanz. Auch, weil an einem Abend wie diesem sechsstellige Summen durch Sponsoren zusammenkommen, die Athleten wie ihn unterstützen.

Dass Sportler aber selbst dann nicht ruhen, wenn sie es vermeintlich geschafft haben, bestätigte Frodeno noch am Samstagabend, als er schon sein Programm für den Sonntag erklärte: nach dem vermutlich späten heimgehen früh aufstehen, dann ein „kurzes Läufchen“ absolvieren, und nach dem Heimflug noch dreieinhalb Stunden Radfahren.

Leichtathlet Niklas Kaul ist zwei Sportlergenerationen jünger, aber mit 21 schon am vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Bei der WM in Doha wurde er Zehnkampf-Weltmeister, der Jüngste bislang, der dieses Meisterstück schaffte. Wenige Monate später wählten ihn Deutschlands Sportjournalisten zum „Sportler des Jahres“. An diesem Abend zählte er neben Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihamo und dem Paralympics-Sprintsieger Johannes Floors zu den Athleten, die den Bundespräsidenten in Empfang nehmen durften und mit ihm den Teppich abschritten.

Kaul sprach über die „Momente“, die er und andere Sportler „kreieren“, womit sie für Unterhaltung aber auch Sinnstiftung sorgen. Und diese Momente wiederum seien für Athleten wie ihn, die neben dem Sport noch Schule, Ausbildung oder Studium absolvieren, nicht möglich, gäbe es die Unterstützung durch Sponsoren nicht. „Die Sporthilfe hat mich bislang begleitet“, sagte er durchaus dankbar.

Für einen, der in den vergangenen Jahren maßgeblich dafür sorgte, dass Leistungssport auch in Randsportarten möglich ist, war der 50. Ball zugleich der letzte – zumindest unter seiner Ägide. Sporthilfe-Chef Michael Ilgner, selbst zu aktiven Zeiten Wasserball-Nationalspieler, wechselt zum 1. März zur Deutschen Bank. Die Sporthilfe verlasse er aber sehr gut aufgestellt, meinte der 48-Jährige: „Sie hat ihre beste Zeit noch vor sich.“

Untergangszenarien über die Zukunft des Sports mag er nicht nachvollziehen. Auch die Jugend von heute und morgen werde aktiv sein. Der Sport müsse sich sicher „den gesellschaftlichen Herausforderungen stellen“, meinte Ilgner, „und sich dem Zeitgeist anpassen“, aber er werde nichts an seiner Faszination einbüßen. Und dass es sich junge Leute überhaupt leisten könnten, in ihren besten Jahren dem Leistungssport zu verschreiben, dafür sorgt auch die Sporthilfe, die ihre Unterstützung mittlerweile auf 1000 Euro monatlich ausgeweitet hat.

Deutschlands Sportlerin des Jahres Malaika Mihambo, die als Politik-Studentin und Rucksack-Alleinreisende durch Indien über den Luxus-Jugend-Verdacht erhaben ist, gönnte sich an diesem Abend einen besonders strahlenden Auftritt – sie kam in einem goldenen Kleid, das sie durchaus als Statement bewertete. „Es ist eine Referenz an meine Goldmedaille“ meinte sie, zugleich auch Ansporn für die kommende Olympiasaison. Kreativ wie die Weitsprung-Weltmeisterin ist, hat sie das Kleid gemeinsam mit einer Freundin sogar noch selbst umgestaltet. Auch das gehört dazu: wer etwas wie sie erreicht hat, darf den Erfolg auch durchaus genießen. Oder wie es Entertainer Thomas Gottschalk über seine Form der Faszination am Sport sagte: „Ich hatte große Freude am Hopserlauf und beim Rundlauf war ich auch nicht schlecht. Mein Turnbeutel ist immer gepackt.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Dreis, Achim
Achim Dreis
Sportredakteur.
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