Sportpolitik

Wulff führt Findungskommission

Von Anno Hecker und Michael Reinsch
16.09.2021
, 16:38
An der Spitze eines namhaften Gremiums auf der Suche nach einem DOSB-Präsidenten: Christian Wulff
Der Bundespräsident a.D. leitet ein namhaftes Gremium, dass die Nachfolge von DOSB-Präsident Hörmann zum Ende des Jahres regeln soll.
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Christian Wulff wird die Findungskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zur Ermittlung einer neuen Führung des Sportdach-Verbandes leiten. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat der Bundespräsident a.D. in diesen Tagen seine Zustimmung gegeben. Das bestätigte der Sprecher der Spitzenverbände im DOSB, Ingo Weiss, am Donnerstagnachmittag auf Anfrage: „Es stimmt, wir sind froh, mit dem ehemaligen Bundespräsidenten einen so exzellenten Kenner des Sports für die Leitung dieser Aufgabe gewonnen zu haben.“

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Weiss hat zusammen mit der Vorsitzenden der Verbände für besondere Aufgaben im DOSB, Barbara Öttinger, und dem Sprecher der Landessportbünde, Jörg Ammon, die Findungskommission zusammengestellt. Ihre Gründung ist nötig, weil DOSB-Präsident Alfons Hörmann seinen Rückzug zur Mitgliederversammlung Anfang Dezember angekündigt hat. Vorausgegangen war eine Empfehlung der Ethik-Kommission des DOSB im Frühjahr an das Präsidium, sich einem Vertrauensvotum durch Neuwahl zu stellen. Das Gremium unter Leitung des ehemaligen Bundesinnenministers Thomas de Maizière war unter anderem den Vorwürfen in einem anonym formulierten Brief, der von Mitarbeitern des DOSB stammen soll, nachgegangen. In dem Schreiben wird Hörmann für ein „Klima der Angst“ im DOSB verantwortlich gemacht. Die Ethikkommission konnte nach eigener Darstellung zwar nicht feststellen, ob konkrete Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, stellte aber ein großes Misstrauen gegenüber der DOSB-Führung fest.

Wulff, der dem Sport schon in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident zugetan war, wird Unterstützung von sieben weiteren Personen von Rang und Namen erhalten. Dazu gehört Verena Bentele, als Behindertensportlerin mit zwölf Goldmedaillen bei Paralympics dekoriert. Sie ist Präsidentin des größten deutschen Sozialverbandes VdK. Von 2014 bis 2018 wirkte sie als Behindertenbeauftragte der Bundesregierung. Die Volkswirtin und Soziologin Prof. Veronika Grimm ist eine renommierte Klimaökonomin, gehört zum Kreis der Wirtschaftsweisen und gilt als sportaffin. Auch der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, hat zugesagt. Zum Kreis um Wulff wird zudem Kirsten Hasenpusch gehören, Vorstand Finanzen der Deutschen Sportjugend. Aus dem engeren Zirkel des DOSB kommen Barbara Öttinger (Präsidentin des Deutschen Aikido-Bundes), Jörg Ammon (Präsident Bayerischen Landessportbund) sowie Weiss (Präsident Deutscher Basketball-Bund) hinzu.

Angesichts dieser Zusammenstellung erscheint sicher, dass Ammon und Weiss, denen Interesse an der Nachfolge Hörmanns nachgesagt worden war, in diesem Jahr nicht für eine DOSB-Präsidentschaft zur Verfügung stehen können. Die Findungskommission soll sich in den nächsten Wochen konstituieren. Eine Agentur übernimmt die Geschäftsführung. Wie zu hören ist, gibt es Bemühungen, das gesamte Präsidium zu einem Rücktritt zu bewegen, um einem Kandidaten oder einer Kandidatin von Format den Einstieg mit einem eigenen Team zu erleichtern. Bisher haben allein Hörmann und Vizepräsident Kaweh Niroomand ihren Rückzug angekündigt. Die Amtszeit der gegenwärtigen, ehrenamtlichen Führung endet erst im Dezember 2022.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hecker, Anno
Anno Hecker
Verantwortlicher Redakteur für Sport.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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