Skandal um die WM-Vergabe

Die DFB-Spitze wusste wohl schon 2000 vom Warner-Deal

13.11.2015
, 09:35
Die DFB-Spitze hat womöglich schon kurz nach der Vergabe der WM 2006 von Franz Beckenbauers dubiosem Angebot an Jack Warner gewusst. Der Vorgang wurde laut eines Zeitungsberichts nach einem Aktenvermerk verschwiegen.

Spitzenfunktionäre des DFB haben womöglich schon vor 15 Jahren Kenntnis erhalten vom Bestechungsversuch im Vorfeld der Vergabe der WM 2006. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ waren der damalige Generalsekretär des Verbandes sowie ein weiterer Spitzenfunktionär bereits wenige Tage nach der Vergabe des Turniers am 6. Juli 2000 mit dem Vorgang befasst. Nach einem Vermerk in den Verbandsakten sei das Thema verdrängt worden. Erst die Ermittler der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer hätten diesen Hinweis nun gefunden.

In Verbandskreisen geht man weiterhin davon aus, dass der Vertrag, den Franz Beckenbauer als Bewerbungs-Chef und späterer Präsident des Organisationskomitees bereits unterschrieben haben soll, niemals vollzogen worden ist. Es ging darin um Leistungen der deutschen WM-Organisatoren wie Zusagen bezüglich Kartenkontingenten oder auch Freundschaftsspielen des Nationalteams, zugunsten des Fußballverbands Concacaf, den Warner führte. Es ist ungewiss, ob Warner bei der geheimen Abstimmung für Deutschland gestimmt hat.

Seit Donnerstag gibt es zudem Hinweise, dass der am Montag zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach schon länger als bislang bekannt von dem Vertragsentwurf wusste. Vize-Generalsekretär Stefan Hans hat dem Verbandspräsidium in einem Brief mitgeteilt, dass er Niersbach und auch Generalsekretär Helmut Sandrock bereits im Sommer informiert habe. Hans hat das Schreiben demnach gefunden, nachdem er von Niersbach nach ersten Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten rund um die WM-Vergabe mit einer Recherche im DFB-Archiv beauftragt worden sei.

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© dpa, reuters
Quelle: dme.
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