Doping-Prozess

Keine Ahnung

EIN KOMMENTAR Von Rainer Seele
27.04.2013
, 18:59
Erst Radprofi, dann sportlicher Leiter, aber nichts mitbekommen: Christian Henn
Ein Mensch und sein Mantra: Ich weiß von nichts! Der frühere Jan-Ullrich-Getreue Christian Henn offenbart erstaunliche Erinnerungslücken vor dem Landgericht Stuttgart.
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Das wäre was: die unangenehmen Dinge einfach ausblenden und unbeschwert durchs Leben marschieren. Ist leider nicht möglich, auch im Radsport. Da hat gerade jemand versucht, dies in gewisser Weise zu praktizieren und ist kläglich gescheitert. Der Mann heißt Christian Henn, war mal Radprofi, ein Jan-Ullrich-Getreuer, zwischendurch positiv getestet, später geständig.

Und jetzt? Ein Mensch und sein Mantra: Ich weiß von nichts! Henn offenbarte erstaunliche Erinnerungslücken, als er vor dem Landgericht Stuttgart im Betrugsprozess gegen Stefan Schumacher aussagen musste. Als ehemaliger sportlicher Leiter des Teams Gerolsteiner und damit als Zeuge. Henn will partout nichts mitgekriegt haben von Dopingpraktiken in dieser Equipe.

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Wie er das vorbrachte, wohl, um seinen damaligen Teamchef Hans-Michael Holczer zu schützen, machte aber offenbar selbst Justitia stutzig. Konnte der Fachmann Henn wirklich so wenig Kenntnis über Vorgänge im Rennstall gehabt haben, über Fahrer, Ärzte? Womöglich stützte der angeblich ahnungslose Henn den Angeklagten Schumacher mehr als dass er seinen einstigen Vorgesetzten Holczer entlastete. Könnte gut sein, dass er auch das nicht gemerkt hat.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Seele, Rainer (rse.)
Rainer Seele
Sportredakteur.
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