Empfehlung der Ethik-Kommission

DOSB-Präsident Hörmann soll Vertrauensfrage stellen

Von Michael Reinsch
07.06.2021
, 20:05
DOSB-Präsident Alfons Hörmann soll Vertrauensfrage stellen.
Gegen Präsident Alfons Hörmann werden in einem anonymen Brief Vorwürfe erhoben, die aus der Belegschaft des DOSB stammen sollen. Nun spricht die Ethikkommission des Verbandes eine Empfehlung aus.

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), soll bei der Vollversammlung im Dezember die Vertrauensfrage stellen. Das empfiehlt die Ethikkommission des Verbandes unter Leitung des ehemaligen Verteidigungs- und Innenministers Thomas de Maizière. Sie hat Vorwürfe gegen Hörmann untersucht, welche in einem anonymen Brief vom Mai erhoben werden, der aus der Belegschaft des Verbandes stammen soll. Hörmann werden darin Verhaltensweisen, die Respekt und Anstands vermissen ließen, vorgeworfen sowie, eine Kultur der Angst etabliert zu haben.

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„Nach Auffassung der Ethikkommission kann es im deutschen Sport jedenfalls mit einer so unterschiedliche Beurteilung der handelnden Personen und der gelebten Strukturen in dieser Art nicht weitergehen“, heißt es in den neun Seiten umfassenden Bericht und Empfehlung des Gremiums, das am Montag veröffentlicht wurde. Formal richtet es sich an Vorstand und Präsidium des DOSB. Mit der Veröffentlichung schließt de Maizière praktisch Abweichung von seinen Empfehlungen aus.

Die Frage, ob Hörmann sich im Dezember einer Neuwahl stellen werde, beantwortete der DOSB am Montagabend nicht. In einer Pressemitteilung kündigten Präsidium und Vorstand an, in ihren Montag und Dienstag stattfindenden Sitzungen die Empfehlung intensiv zu diskutieren und zu beraten. „Unser Anspruch im DOSB ist ein Miteinander, das auf Ehrlichkeit, Transparenz und gegenseitiger Wertschätzung beruht“, heißt es in der Mitteilung: „Deshalb war uns eine Klärung durch das gemäß der Satzung zuständige Gremium wichtig.“

Vertrauen und Zutrauen fehlt

Die Ethikkommission schreibt im berichtenden Teil ihres Berichts: „Es ist auch zu konstatieren, dass die Beziehungen des Präsidenten/Präsidiums/Vorstands zu Teilen der Spitzenverbände, zu Teilen der Landesverbände, zum Internationalen Olympischen Komitee, zum Bundesministerium des Innern und zu wichtigen Teilen der Medien dringend verbessert werden müssen. Teilweise fehlt es hier an einem Grundvertrauen.“ Weiter: „Ein Dachverband kann und darf nicht jedermanns ,lieb Kind’ sein. Aber eine insgesamt höhere Grundakzeptanz und ein besseres Klima zwischen den genannten Beteiligten dient dem Ansehen des Sports und der Reputation ihrer führenden Vertreter. Daran muss von allen Seiten gearbeitet werden.“

In dem Text wird konstatiert, dass es am Sitz des DOSB in Frankfurt offensichtlich wechselseitig an ausreichendem Vertrauen und am notwendigen Zutrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeiterin und Mitarbeiter fehle. „Es gibt zu viel Selbstbespiegelung, Demotivation und Gerüchte, Unzufriedenheit und Unklarheiten. Das ist ein Zustand, der auch mit dem Führungsverhalten von Präsidium und Vorstand zusammen hängen muss. Dies müssen sich auch Präsidium und Vorstand vorwerfen lassen.“

Bis zur Neuwahl sollten die inzwischen vom Präsidium und vom Vorstand selbst erkannten Mängel abgestellt oder mindestens angegangen werden. Präsident Hörmann, Präsidium und Vorstand könnten durch ihr Verhalten mit einem solchen Prozess um neues Vertrauen werben, schreibt de Maizière. „Andererseits haben mögliche Gegenkandidaten genügend Zeit, mit ihrem Konzept und ganz oder teilweise anderen Personen für einen Neuanfang zu werben und sich mit offenem Visier dem Vertrauen der Mitgliederversammlung zu stellen.“

Laut Bericht bereite Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker einen Culture-Change-Prozess unter Beteiligung neutraler Dritter vor; die Ausschreibung laufe. Zudem solle ein Führungsleitbild erarbeitet werden. Von einer Bestätigung des Vorwurfs, insbesondere Präsident Hörmann sei verantwortlich für ein weithin herrschendes Klima der Angst bis zu dem exakt gegenteiligen Hinweis, Präsident Hörmann führe den DOSB professionell und im Geiste der Wertschätzung, es handele sich vielmehr um eine groß angelegte Intrige gegen ihn, seien sämtliche Auffassungen zwischen diesen extremen Positionen vertreten worden.

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Vom Vorwurf, er habe in einer Konferenz mit einem Stift nach einer Mitarbeiterin geworfen, spricht die Kommission Hörmann frei. Vielmehr habe er, um Getuschel während eines Vortrags zu beenden, den Stift mit einer Bewegung von unten nach oben auf den Tisch von Vorstand Arnold geworfen. Die Mitarbeiterin brach in Tränen aus. Hörmann habe sich bei seinem nächsten Aufenthalt im Hause, dreieinhalb Wochen später, bei der Mitarbeiterin entschuldigt. Die Kommission bestätigt, dass die Mitarbeiterin am Tag nach dem Vorfall kündigte.

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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