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Chaos bei Manchester City

„Investorengeld ist nicht schlechter als TV-Geld“

Von Christoph Becker
 - 07:35
Muss sich wohl mit der Strafe abfinden: Manchester-City-Coach Pep Guardiolazur Bildergalerie

Der Hamburger Anwalt Frank Koch ist Partner der Kanzlei Taylor Wessing. Im Jahr 2017 hat er die Daimler AG beraten, als diese für 41,5 Millionen Euro Anteile an der VfB Stuttgart 1893 AG, der Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Stammverein, erwarb. Derzeit hält der Autokonzern 11,75 Prozent der Aktien am schwäbischen Zweitliga-Fußballbetrieb.

Sie haben im Sommer 2017, als Neymar für 222 Millionen Euro nach Paris wechselte, der F.A.Z. gesagt, dass Sie das Financial Fair Play der Uefa für gescheitert halten. Was macht da der von der Uefa ausgesprochene Ausschluss Manchester Citys aus der Champions League für einen Eindruck?

Bisher war es so, dass man den Eindruck hatte: Die großen Klubs wird man nicht anfassen, die Paris St. Germains und Manchester Citys wird man nicht ausschließen wollen, weil es das Produkt Champions League kaputt macht. So scheint es nicht mehr zu sein. Das fing letztes Jahr an mit dem AC Mailand, auch wenn die nicht mehr die ganz große Strahlkraft haben. Und nun einer der Großen, Manchester City. Man könnte den Eindruck haben: Es tut sich was bei der Uefa, man traut sich an die Großen heran. Es gibt noch die Einspruchsmöglichkeit vor dem Cas, dem Sportschiedsgericht, aber auf das Verfahren hat die Uefa formal keinen Einfluss mehr. Aus ihrer Sicht hat die Uefa die Maßnahme ergriffen. Aber was hat sich denn verschoben bei der Uefa? Für mich ist FFP immer noch gescheitert.

Warum?

Für welches Problem ist FFP die Lösung? Das verstehe ich nicht.

In diesem Fall für das Vorschieben von Sponsoren, so scheint die Uefa es zu sehen, wenn hinter dem Geld tatsächlich der Investor steht.

Richtig. Aber war das das große Problem des Fußballs? FFP hat zwei Aspekte: Erstens nicht mehr auszugeben als einzunehmen, grob zusammengefasst. Wirtschaftliche Stabilität, damit ein Verein nicht im laufenden Wettbewerb pleitegeht. Dagegen kann keiner etwas haben. Hier geht es aber zusätzlich um Einnahmen. Es wird gesagt: nicht jede Einnahme ist gut. Die Einnahmen von euren Investoren sind eigentlich schlecht, die wollen wir nicht. Deshalb die Kunstgriffe, wenn man unterstellt, dass es so ist, wie die Uefa nun zu glauben meint. Löse ich damit ein großes Problem des Fußballs? Es gibt viele Ungleichgewichte.

Hat sich Ihre Sicht auf FFP in den zweieinhalb Jahren seit Neymars Wechsel also gar nicht geändert?

Ich glaube nach wie vor, dass man den falschen Ansatz fährt, wenn man nur sagt, Investorengeld ist schlecht. Geldströme abzuschneiden, wenn man finanzielle Stabilität möchte, ist für mich ein merkwürdiger Ansatz. Der Titel „Financial Fairplay“ ist irreführend. Ungerechtigkeiten gibt es viele, bestes Beispiel ist die englische TV-Vermarktungssituation gegenüber der Bundesliga. Ist das gerecht?

Das ist der Markt. Die Liga ist interessanter.

Richtig. Aber das gilt genauso für Investoren. Das ist mein Punkt: Niemand hat die Menschen gezwungen zu investieren. Ich halte Investorengeld nicht für schlechter als TV-Gelder.

Würden Sie empfehlen, deswegen die 50+1-Regel, die verhindert, dass Investoren die Stimmen-Mehrheit bei den Profi-Klubs erlangen, abzuschaffen?

Das wäre der zweite Schritt. Aber ich finde die reine FFP-Betrachtung irreführend. Die angebliche Sorge um die Abhängigkeit von einem Investor, die ist auch bei Fernsehsendern gegeben. Bei Setanta gab es das in England (in der Saison 2009/10; d. Red.). Wenn Sky morgen aufhört zu zahlen, hat die Premier League auch ein Problem.

Sehen Sie durch die vermehrte Anwendung des FFP die 50+1-Regel gestärkt?

Die DFL erreicht wirtschaftliche Stabilität über die sehr strenge Lizensierung. Es geht kein Verein während der Saison pleite. Das ist sehr erfolgreich. 50+1 ist der zweite Aspekt. Es gibt ja Investoren, nur eben nicht so viele, wegen 50+1. Würde das aufgehoben, würde es nicht automatisch bedeuten, dass wir auf strenge Lizensierung verzichten. Ich glaube nicht, dass sich durch Investoren die Stabilität verschlechtert.

Ist die Maßnahme gegen Manchester City ein Zeichen an die kleinen Verbände: Schaut her, vor den Großen schrecken wir nicht zurück?

Jeder Verband hat eine Stimme. Es ist eine denkbare Erklärung, dass der politische Druck zu groß wurde.

Treiben diese Sanktionen, wenn sie Bestand haben sollten vor dem Cas, die acht, zehn, zwölf größten Vereine wiederum in die Arme der Fifa oder einer selbständigen Super League?

Ich glaube, dass diese Superliga immer nur so lange gut ist, wie man damit drohen kann. Wenn man sich vorstellt, sie kommt, dann ist sie ein, zwei Jahre sehr attraktiv: die Besten der Besten. Aber ab der dritten Saison gibt es auch da gute, mittlere, schlechtere Vereine. So viele Vereine sind dann doch nicht bereit, aus ihrem Markt auszuscheren.

Eine Frage an Ihr Rechtsempfinden: Die Strafe gegen Manchester City beruht nicht zuletzt auf „Football Leaks“, einem Hack, dessen Verursacher in Portugal der Prozess gemacht werden soll. Kann ein Klub bestraft werden auf Grundlage von Beweismitteln, die womöglich widerrechtlich erlangt wurden?

Das macht die Sache in der Tat spannend, wenn die Strafe für Manchester City tatsächlich darauf fußt. Es gibt die Lehre von der „Frucht vom verbotenen Baum“, von Beweismittelverboten. Mit dem Rechtsempfinden ist es immer kompliziert. Im Strafrecht muss mir der Staat beweisen, dass ich Unrecht begangen habe und das muss er auf legale Weise tun. Wir sind aber nicht im Strafrecht und nicht beim Staat. Letztlich geht es um die Mitglieder der Uefa. Sie hat niemanden beauftragt, Computer zu hacken. Dann wären wir uns einig, dass das nicht richtig sein kann. Aber ein Zufallsfund – da wird die Abwägung kompliziert.

Der Cas hat in der Vergangenheit widerrechtlich erstellte Mitschnitte zum Beispiel von Journalisten als Beweismittel zugelassen. Etwa in Prozessen gegen Fifa-Funktionäre, die ihre Stimme verkauft haben. In diesem Fall konnte die Uefa die Vorwürfe auch in den Medien lesen.

Wenn diese Informationen in der Zeitung stehen, kann die Uefa kaum sagen: Das ignorieren wir. Das wäre ja weltfremd. Dann wird man das sicher auch verwerten können.

Welche Zukunft geben Sie dem FFP?

Dass ich es untauglich finde, ist meine private Meinung. Wenn der Cas die Entscheidung aufrecht erhält, ist es ein Schritt zur Verfestigung des Systems. Aber es liegt in der menschlichen Natur, dass auch in Zukunft nicht alle regelkonform sind. Ich glaube nicht, dass sie aufhören werden, die Grenzen auszutesten. Wir bleiben permanent in einer Grauzone der Bewertung.

In der, sofern die Strafe hält, Manchester City künftigen Investoren zeigt, wie man es nicht macht.

Genau. Jeder lernt daraus. Wo es Regeln gibt, werden sie ausgetestet.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Becker, Christoph
Christoph Becker
Sportredakteur.
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