Brief von Bach an den DOSB

„Konsequenzen ziehen“

Von Michael Reinsch, Berlin
18.05.2021
, 17:51
IOC-Präsident Thomas Bach (links) und DOSB-Präsident Alfons Hörmann, hier 2016
IOC-Präsident Thomas Bach schickt nach den jüngsten Vorwürfen einen scharfen Brief an den DOSB. Darin macht er auch deutlich, dass das Verhältnis zu dessen Präsident Alfons Hörmann gestört ist.
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Thomas Bach erhöht den Druck auf Alfons Hörmann. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) drückt in einem Brief an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), über den am Dienstag ARD und ZDF berichteten, seine große Sorge um die Glaubwürdigkeit des Verbandes und damit auch um dessen Funktionsfähigkeit aus. Bach meldet sich zu Wort, da Beschäftigte des Verbandes in einem anonymen Brief Präsident Hörmann für eine „Kultur der Angst“ und einen Mangel an Fairplay und Respekt im DOSB verantwortlich machen.

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Die Ethik-Kommission des Verbandes unter Leitung von Thomas de Maizière befasst sich mit den Vorwürfen. Der Athletenvertreter im Präsidium, Jonathan Koch, sah sich gezwungen, sich öffentlich von einer Ehrenerklärung des Präsidiums zu distanzieren, in der Hörmann das „uneingeschränkte Vertrauen“ und „unsere vollumfängliche Unterstützung“ versichert wird. Sie war trotz des Widerspruchs von Koch mit dessen Namen erschienen.

Bach schreibt als DOSB-Ehrenpräsident

Er bitte, schreibt Bach, „eine vorbehaltlose, umfassende Aufklärung der in Rede stehenden Vorwürfe zu fördern und daraus dann zügig, möglichst noch vor den Olympischen Spielen in Tokio, die gegebenenfalls notwendigen Konsequenzen zu ziehen“. Bach, Gründungspräsident des DOSB, schreibt nicht als IOC-Präsident, sondern als Ehrenpräsident des DOSB und bezieht sich auf die Gründung des DOSB vor fünfzehn Jahren.

Man sei in der Paulskirche mit dem Anspruch angetreten, „den Wert des Sports mit seinen Werten zu steigern“. Bei den Anstrengungen, diesem Anspruch gerecht zu werden, habe er als DOSB-Präsident große Solidarität unter allen Mitgliedsgruppierungen sowie außergewöhnliches Engagement, Leistungsfähigkeit und Loyalität der DOSB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter erfahren dürfen.

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Der DOSB wollte den Eingang des Briefes weder bestätigen noch dementieren. Die Organisation erklärte lediglich, es gebe keinen Kommentar dazu.

Bach macht in dem Brief deutlich, dass das Verhältnis zwischen IOC und Hörmann gestört und das zwischen DOSB und dem internationalen Sport gefährdet ist. „Es wird Sie/Euch nicht verwundern, dass ich in diesem Zusammenhang auch das Verhältnis des DOSB zum IOC anspreche“, schreibt er. Dies bedürfe im wohl verstandenen Interesse des DOSB der Heilung, „zumal dessen Stellung in den internationalen Sportorganisationen leider weiter gelitten hat“.

Bach macht bekannt, dass Hörmann den Brief von Kristin Kloster Aasen, der norwegischen Leiterin der „Future Host Commission“ des IOC, nicht beantwortet hat. Diese hatte, nachdem Hörmann nach dem vorzeitigen Scheitern der Olympiabewerbung von Rhein-Ruhr 2032 dem IOC Falschaussagen vorgeworfen hatte, zur Bedingung weiterer Zusammenarbeit gemacht, dass er sicherstelle, dass „Fehlinformationen“ aufhören und berichtigt werden, „sodass wir in einem Geiste guter Partnerschaft und guten Glaubens darin fortschreiten können, eine starke Vertrauensbeziehung zwischen DOSB und der Kommission wieder herzustellen“.

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Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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