Unsichere Lage in Iran

Kein Ringer-Weltcup in Teheran

Von Christoph Becker
25.11.2019
, 17:13
Einige Teams hatten ihre Teilnahme wegen der angespannten Sicherheitslage im Land schon abgesagt. Dann entschied sich der Ringerverband, den Weltcup in Teheran zu verschieben – auf unbestimmte Zeit.

Der Internationale Ringerverband (UWW) hat den für Donnerstag und Freitag dieser Woche in Teheran geplanten Weltcup im griechisch-römischen Stil auf Grund der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten in Iran auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Beschluss sei auf der Exekutivsitzung des Verbandes am Samstag in Istanbul gefasst worden, teilte der Verband am Sonntagabend mit. Darin wird auf Reisewarnungen unterschiedlicher Außenministerien und Absagen in anderen Sportarten verwiesen.

Nach jüngsten Zahlen der Organisation Amnesty International sind bei den durch die plötzliche erhebliche Erhöhung des Benzinpreises ausgelösten Protesten gegen die Regierung der Islamischen Republik in der vergangenen Woche mindestens 115 Menschen ums Leben gekommen. Über fünf Tage hatte die Regierung den Zugang zum Internet abgestellt, so dass Videoaufnahmen von den Protesten erst nach und nach veröffentlicht werden, die tatsächliche Opferzahl ist unklar. Die iranische Regierung hatte am 15. November von neun Toten berichtet und anschließend Opferzahlen nicht mehr erwähnt. Es wird von wenigstens 1000 Verhafteten ausgegangen, am Wochenende gaben Behörden die Festnahme von 180 „Rädelsführern“ bekannt. Am vergangenen Donnerstag hatten die Revolutionsgarden die landesweiten Proteste für von „feindlichen Mächten“ gesteuert und beendet erklärt.

Die Sicherheitslage war allerdings so gespannt, dass die Persian Gulf Pro League, die höchste iranische Fußballliga, die Spiele in den Städten Abadan, Dscham, Sirdschan und Täbris abgesagt hatte. „Angesichts der Verantwortung für Athleten und Teams und angesichts der Lage, die kein zufriedenstellendes Maß an Stabilität für die Austragung eines internationalen Wettkampfs erreicht, hat das Exekutivkomitee entschieden, den Weltcup bis auf Weiteres zu verschieben“, wird UWW-Generalsekretär Michael Dusson zitiert. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna hatten die Mannschaften aus Ungarn und Japan bereits vor dem Beschluss des Weltverbandes angekündigt, nicht nach Iran reisen zu wollen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Becker, Christoph
Christoph Becker
Sportredakteur.
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