FAZ plus ArtikelLeichtathletik-Verband

Eine Geschichte von Macht und Millionen

Von Michael Reinsch, Berlin
05.08.2021
, 11:20
Mann mit zwei Gesichtern? „World Athletics“-Präsident Sebastian Coe
Die Historie des Weltverbands „World Athletics“ ist geprägt von Betrug, Erpressung und Korruption. Was in der in der Frühphase begann, setzt sich bis heute fort. Dabei hätten die Spiele in Tokio ein Meilenstein werden können.

Tokio und die Leichtathletik – für Deutsche ist der Ort mit lebhaften Erinnerungen verbunden. Willi Holdorf wurde mit seinem Olympiasieg im Zehnkampf von Tokio 1964 zu einer Ikone des deutschen Sports, als er im Ziel des 1500-Meter-Laufs auf die Aschenbahn sank. Für ihn wie für Karin Balzer aus Magdeburg, Olympiasiegerin über 80 Meter Hürden, wurde bei der Siegerehrung Beethoven gespielt: die Ode an die Freude. Beide gehörten, drei Jahre nach dem Bau der Mauer, der letzten gemeinsamen Olympiamannschaft von Bundesrepublik und DDR an.

Die Weltmeisterschaft von Tokio 1991, zwei Jahre nach dem Fall der Mauer, schien mit Katrin Krabbe einen internationalen Star hervorzubringen, die Schnellste über 100 und 200 Meter. Die Frau aus Neubrandenburg machte keinen Hehl daraus, dass ihr der Wechsel aus dem blauen Trikot der DDR, in dem sie im Jahr zuvor bei der Europameisterschaft von Split drei Titel gewonnen hatte, ins weiße mit dem Bundesadler schwerfiel. „Trainer, Funktionäre und Betreuer waren bemüht, deutsche Einigkeit herbeizureden“, resümierte die F.A.Z., „machten aber immer wieder die systematische Zerrissenheit deutlich.“ Trainer Thomas Springstein behauptete: „Wir haben doch bewiesen, dass unser System auch ohne Doping funktioniert.“ Ein Jahr später, als die Sportwelt sich für die Spiele von Barcelona versammelte, flog das Doping seiner Trainingsgruppe auf. Katrin Krabbe wurde gesperrt.

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Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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