Probleme vor Olympia

Schnee von morgen, oder?

EIN KOMMENTAR Von Evi Simeoni
Aktualisiert am 13.02.2020
 - 10:10
Im Sommer stehen die Olympischen Spiele in Japan an.
Rund um die Olympischen Spiele in diesem Sommer sind noch immer viele Fragen unbeantwortet. Dabei geht es um weit mehr als sonst alle zwei Jahre. Und die Zeit drängt.

Es könnte leider sein, dass es bald Zeit wird, alte olympische Gewissheiten in Frage zu stellen. Wie etwa diejenige, die sich die olympische Familie seit Jahrzehnten mit den Kölschen Karnevalsjecken teilt: „Et hätt noch immer jot jejange.“

Regelmäßig alle zwei Jahre müssen wir uns mit Hiobsbotschaften auseinandersetzen von Phänomenen, die mit Sicherheit die Austragung der anstehenden Olympischen Spiele bedrohen werden – und vergessen diese schlagartig, sobald die Eröffnungsfeier durch ist und die Sportler beginnen, die wahre Dramatik zu liefern. Bis vor kurzem hätten erfahrene Olympia-Reisende noch gescherzt, dass ihnen ohne regelmäßig prognostizierte Wetterkatastrophen und Seuchengefahren auf dem Weg zu den nächsten Spielen etwas fehlen würde. Keine Frage, dass man trotzdem hinflog und hinterher herzlich über die hysterischen Vorberichte lachte.

Schneemangel bei den Sommerspielen?

Aber wird das immer so sein? Aus Japan erreichte uns gerade eine Meldung, die nur auf den ersten Blick witzig ist: Die Sommerspiele in Tokio, die am 24. Juli eröffnet werden sollen, könnten neben allen anderen Problemen auch noch unter Schneemangel leiden. Die japanischen Partnerstädte Minamiuonuma und Saitama hatten sich eigentlich einen besonderen Gag ausgedacht. Minamiuonuma, das berühmt ist für die Schneemassen in seinem Skigebiet, wollte mehrere Lastwagen voll Schnee nach Saitama schicken, wo olympische Wettkämpfe im Fußball und Basketball stattfinden sollen. Man wollte die weiße Pracht dort bunkern und Monate später den Olympia-Besuchern, zur Abkühlung in der mörderischen Sommerhitze, Zelte mit echtem Schnee und persönliche Snow-Packs bieten. Aber bisher hat es in Minamiuonuma nicht geschneit, nur geregnet. Es wird wohl nichts aus dem originellen Plan.

Vergangene Woche setzten die Veranstalter von Tokio 2020 eine mit Gesundheitsexperten besetzte Task-Force ein, die sich mit den Auswirkungen des neuen Coronavirus auf die Olympischen Spiele beschäftigt. Es wird Zeit: Am 26. März soll in Fukushima der Fackellauf gestartet werden. Niemand weiß, wie die Lage im Juli sein wird. Ob es sinnvoll sein wird, in Chinas Nachbarland riesige Menschenmassen zu einem Sportfest zusammenzurufen. Ob Japan überhaupt bereit sein wird, eine chinesische Mannschaft ins Land zu lassen. Oder ob bis dahin die Gefahr gebannt ist.

Eine weitere olympische Gewissheit lautet ja: Olympische Spiele sind größer als jeder einzelne Teilnehmer. Sie wird zum Beispiel in Anspruch genommen, wenn wieder einmal jemand so dumm war, sich beim Dopen erwischen zu lassen. Oder wenn jemand sich außer Stande sieht, seine Gedanken und Überzeugungen in der Umkleidekabine zu lassen, bevor er sich in die Arena oder gar auf das Siegerpodest begibt. Aber natürlich können auch Dinge passieren auf dieser Welt, die größer sind als Olympia.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Simeoni, Evi
Evi Simeoni
Sportredakteurin.
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