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Olympia-Kommentar

Weiße Elefanten als Maskottchen?

Von Michael Reinsch
 - 13:14

Was kostet eine ordentliche Party? Besser: Wie bestimmt man ihre Kosten genau? Speis, Trank und Musik werden auf der Rechnung stehen. Was aber ist mit Kleid und Anzug der Gastgeber und dem Rollrasen, der die ruinierte Grasnarbe rund um die Terrasse ersetzen wird? Was, wenn wegen der bedeutenden Gäste die Fassade gestrichen, die Einrichtung erneuert und womöglich ein Festsaal angebaut wird?

Keine Frage, Olympische Spiele sind ein Fest für die Gastgeber wie für die Welt, die eingeladen ist. Da will niemand knickerig sein. Das Problem? Wie grenzt man die Kosten für den Sport von denen für das Fest und den Rest ab? Kleidung und Grill können nach dem Fest genutzt werden – wie Sportstätten, Zufahrtsstraßen und Flughäfen. Theoretisch.

Gerade haben Internationales Olympisches Komitee (IOC) und Organisationskomitee bekanntgegeben, dass die Sommerspiele von Tokio 2020 dank tiefgreifender Reformen 3,7 Milliarden Euro preiswerter werden als geplant. Praktisch gleichzeitig macht die Rechnungsprüfungskammer für Regierungsausgaben bekannt, dass die Gesamtkosten der Spiele sich für Japan auf knapp 23 Milliarden Euro belaufen könnten, mehr als doppelt so viel wie erwartet. Der Anteil des Zentralstaates soll sich auf 6,2 Milliarden Euro erhöht haben, siebenmal so viel wie geplant. Da sind eingesparte 3,7 Milliarden nicht wirklich Grund zur Freude.

Ähnlich lässt sich der Gewinn von 48 Millionen Euro verrechnen, den die Winterspiele von Pyeongchang laut Organisationskomitee eingespielt haben; ein Triumph der Geschäftsführung, ein Tropfen auf den heißen Stein bei Gesamtkosten von 13 Milliarden Euro. Enthalten ist der Abriss des Olympiastadions mit 35.000 Plätzen, das allein für Eröffnungs- und Schlussfeiern gebaut wurde. Immerhin verursacht es keine Folgekosten wie Eishockeystadion, Eislauf-Oval und die alpine Skistation, für die, obwohl eine Schnellbahn von Seoul gebaut wurde, keine rechte Nachnutzung abzusehen ist.

Nun stehen die vielzitierten weißen Elefanten – nutzlose und teure Sportanlagen – auch im Schnee des Taebaek-Gebirges im Norden von Südkorea herum. Sie könnten zu Maskottchen eines weltpolitischen Triumphes werden, wenn sich die während der Spiele begonnene Annäherung von Nord- und Südkorea als substantiell erweisen sollte. Olympische und nichtolympische Kostenrechnungen würden dann kleinlich wirken. Nur dann.

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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