Olympische Spiele 2032

The winner is...Brisbane!

Von Evi Simeoni
24.02.2021
, 21:27
Kräftiger Schlag für die deutsche Initiative: Die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr um die Olympischen Spiele 2032 ist zu Ende, bevor sie begann.

Schlechte Nachrichten für die Olympiabewerbung der Region Rhein-Ruhr. Das Rennen um die Austragung der Spiele im Jahr 2032 ist so gut wie gelaufen, der Sieger ist Queensland in Australien. Wie Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), am Mittwochabend bei einer Pressekonferenz erklärte, tritt das IOC ausschließlich mit dem Bewerber Brisbane in die nächste Phase ein, den „gezielten Dialog“. Brisbane hat damit den Status des „bevorzugten Kandidaten“.

Dies habe die dafür zuständige Kommission, die Kommission für Zukünftige Olympische Gastgeber von Sommerspielen, der IOC-Exekutive empfohlen, die an diesem Mittwoch virtuell tagte. Nach einem weiteren, detaillierten Austausch mit Brisbane, so das IOC, werde die Region, sofern es die weiteren Erwartungen der Kommission erfüllt, der IOC-Session zur Wahl als Gastgeber vorgeschlagen. Der Zeitpunkt stehe noch nicht fest. Sollte diese Phase nicht glücken, würde das IOC auf die anderen Bewerber zurückkommen.

„Überraschender Schritt“

Interesse an einer Olympia-Bewerbung für 2032 hatten neben Australien und der Region Rhein-Ruhr auch Budapest, Qatar sowie die chinesischen Städte Chengdu und Chongqing bekundet. Kristin Kloster Aasen, die Vorsitzende der Kommission, sagte, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit Präsident Alfons Hörmann sei im Februar in Kontakt mit dem IOC gewesen und sei nicht in den weiteren Bewerbungsprozess eingetreten. Hörmann hatte stets betont, er wolle erst die Bürgerbefragung abwarten, bevor konkretere Schritte eingeleitet würden. Zuvor waren Bewerbungen von München (Winter) und Hamburg (Sommer) an den Bürgern gescheitert.

In einem Statement von Michael Mronz, des Initiators der privatwirtschaftlichen Initiative Rhein-Ruhr, hieß es: „Wir nehmen den überraschenden Schritt des IOCs zur Kenntnis, kurzfristig mit den offiziellen Verhandlungen mit einem von mehreren potentiellen Bewerbern für die Vergabe der Spiele 2032 zu beginnen. Wie das IOC bekanntgegeben hat, ist die Entscheidung von heute auch auf die starke Unterstützung von Brisbane durch das Australische Olympische Komitee zurückzuführen, die im Falle Deutschlands leider nicht gegeben gewesen sei.“

In der Pressekonferenz betonte Thomas Bach, dass John Coates, der australische Vizepräsident des IOC, an den Entscheidungen bezüglich Brisbane nicht teilgenommen habe. Er bezog sich auf die Olympische Charta, in der festgelegt sei, dass kein Mitglied der IOC-Exekutive in der Findungskommission sitzen dürfe. Coates ist ein enger Weggefährte von Bach. Er war auch Vorsitzender der Arbeitsgruppe, die die Änderung des Bewerbungsverfahrens ausgearbeitet hat.

Diese Änderung – weg vom teuren Bewerbungsmarathon mit mehreren Anwärtern bis zur Entscheidung sieben Jahre vor den Spielen, hin zu einer flexiblen, kooperativen Lösung – hatte die Session 2019 verabschiedet. Ziel war es, Kosten zu senken und den vielen Lobbyisten und Beratern ihr teures Tätigkeitsfeld zu entziehen. Nun ist aber durch einen unerwarteten Coup die Vergabe bereits elf Jahre vor der Eröffnung nahezu entschieden. Bach bemühte sich, die Verlierer bei Laune zu halten: „Dies ist keine Entscheidung gegen irgendjemanden. Es ist nur ein Votum für einen Interessenten zu diesem Zeitpunkt.“

Für Freitag hatte Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, ein Gespräch mit den für die Bewerbung vorgesehenen Städten vorgesehen, um sie über den Stand der Bewerbung zu informieren und über den Termin für die geplante Bürgerbefragung zu beraten. Am Mittwochvormittag publizierte die Deutsche Presse-Agentur die Meldung, die Bürgerbefragung zu einer möglichen Bewerbung um die Olympischen Spiele mit der Region Rhein-Ruhr solle eventuell mit der Bundestagswahl am 26. September gekoppelt werden. Sie bezog sich auf Aussagen des DOSB-Präsidenten Hörmann. Die nächsten Olympischen Spiele, die zu vergeben wären, sollen 2036 stattfinden – für Deutschland und die olympische Bewegung ein historisches Datum – die Spiele 1936 in Berlin wurden zur nationalsozialistischen Propaganda missbraucht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Simeoni, Evi
Evi Simeoni
Sportredakteurin.
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