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Kommentar zum Qatar-Boykott

Rufer in der Wüste

Von Christoph Becker
 - 08:40

„Bei den Gründen für meine Entscheidung ging es um Werte, nach denen ich handeln und die ich hochhalten will. Ich denke, das ist wichtig.“ Sagt Riku Riski, ein 29 Jahre alter Fußballspieler. Das schreibt die wichtigste Tageszeitung seiner Heimat, der „Helsingin Sanomat“. Die Kollegen der finnischen Nationalmannschaft fliegen zum Trainingslager ins Warme, nach Qatar. „Ich habe meine Entscheidung getroffen und werde dazu stehen.“

Riski verzichtet auf das Ausleben der Luxusexistenz, weil es seinem ethischen Empfinden zuwiderlaufen würde. Und Markku Kanerva, der finnische Nationaltrainer, sagt: „Die Teilnahme ist freiwillig. Wenn ein Spieler aus privaten Gründen nicht zum Nationalteam kommen will, respektiere ich das.“ Es gibt sie also: Fußballprofis, deren Wertekompass sich nicht einzig und allein am Pol Geld ausrichtet.

Wer ein Problem mit der Ausbeutung von Wanderarbeitern hat, auf der die Glitzerwelt am Golf basiert, kann versuchen, seine Beteiligung zu minimieren. Dabei ist der Nationalspieler Riski allerdings privilegiert, gegenüber den Kollegen des FC Bayern München beispielsweise. Die trainieren auf der Basis ihres Arbeitsvertrags dort, wo sie der Sponsorenflieger absetzt. Und weil sie auch mit qatarischem Geld bezahlt werden, landen sie bis auf weiteres in Doha.

Die Abhängigkeiten liegen auf der Hand. Der Hinweis auf „regelmäßigen Austausch über Entwicklungen in unseren Gesellschaften, der das Thema der Menschenrechte und die Rechte von Arbeitern einschließt“ (Karl-Heinz Rummenigge) hat inzwischen ritualisierten Charakter vor jedem Trip nach Doha. Die Machtbalance wird weiter kippen, die Abhängigkeiten werden wachsen. Andere Bundesligaklubs zog es in den vergangenen Jahren oft in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo dieselben Prinzipien von Geld und Macht herrschen wie in Qatar.

Geld vom Golf hat seinen Preis

In diesen Tagen wird dort die Asien-Meisterschaft ausgetragen. Es ist auch ein Schaulaufen: Die Emirate streben nach Höherem, wie das Königreich Saudi-Arabien. Beide Länder wollen wie Qatar unumgänglicher Fixpunkt im Sportgeschäft werden. Es wäre naiv anzunehmen, dass ihnen das nicht gelingt. Ob sie mit ihrer politischen Blockade Qatars und Dutzende Milliarden Dollar schweren Offerten an die Fifa die Erweiterung der Weltmeisterschaft 2022 auf 48 Mannschaften erreichen, wird sich im Laufe des Jahres zeigen. Dann wäre Qatar endgültig überfordert – und die „lieben“ Nachbarn stünden als Ko-Gastgeber bereit.

Bleibt es bei 32 Mannschaften und Qatar allein, wird es alsbald die nächste lukrative Gelegenheit geben. Die Autokonzerne haben schon zugegriffen, als die Formel E jüngst in Riad kreiste, kommende Woche treffen sich Juventus Turin und der AC Milan zur Supercoppa Italiana im King Abdullah Sports City Stadium nördlich von Dschidda. Stimmen wie die von Riku Riski werden in Zukunft noch seltener werden. Das Geld vom Golf hat seinen Preis.

Quelle: F.A.Z.
Christoph Becker
Sportredakteur.
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