Hörmann-Brief an Seehofer

Ist die Spitzensportreform gescheitert?

Von Michael Reinsch, Berlin
29.04.2018
, 12:53
DOSB-Präsident Alfons Hörmann (rechts) möchte Horst Seehofer treffen (Bild von 2012).
DOSB-Präsident Alfons Hörmann sieht die Reform des Spitzensports offenbar gescheitert. Deswegen bittet er Innenminister Horst Seehofer dringend um ein Treffen. Diese Wende dürfte viele überraschen.

Alfons Hörmann sieht die Reform des Spitzensports offenbar gescheitert. In einem Brief, in dem er Innenminister Horst Seehofer dringend um ein Treffen „im engsten Kreis“ bittet, schreibt der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): „In der derzeitigen Aufstellung scheint uns eine Umsetzung, wie ursprünglich geplant, (…) schlichtweg nicht machbar, und deshalb sollten wir zeitnah nach gemeinsamen Lösungsansätzen suchen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass gerade die nun bevorstehenden Entscheidungen im Bereich der Wintersportverbände unter anderem auch die Landtagswahl in Bayern nicht unwesentlich tangieren werden.“ Er wolle mit Seehofer die Notwendigkeit der Leistungssportreform und ihre Ziele kritisch reflektieren und Anpassungen und Änderungen vornehmen. Der ARD-Journalist Hajo Seppelt machte den Inhalt des Briefs via Twitter öffentlich.

Diese Wende dürfte die Beteiligten der seit vier Jahren mit großem Aufwand betriebenen Reform in den Sportverbänden und den Landessportbünden sowie in der Politik überraschen. Die von Innenminister Thomas de Maizière 2014 angestoßene Initiative – „ein Drittel mehr Medaillen!“ – beschäftigte mehr als ein Dutzend Kommissionen. Das unvollständige Konzept verabschiedete die Vollversammlung des deutschen Sports im Dezember 2016 mit nur einer Gegenstimme. Regierung und Bundestag nahmen es formell zur Kenntnis. Im Koalitionsvertrag versprechen die Regierungsparteien, dass sie für die Reform und ihre Umsetzung „deutlich mehr Mittel bereitstellen“. Am Ende der Olympischen Winterspiele im Februar sagte Hörmann: „Der Erfolg von Pyeongchang ist Freude und Verpflichtung zugleich. Die Leistungssportreform muss gelingen; ich sage das mit drei Ausrufezeichen.“ Der Sport erwartet bis zu den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio im Gegenzug für seine Reform eine Aufstockung der Spitzensportförderung von 170 Millionen auf 270 Millionen Euro.

Quelle: F.A.S.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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