Sportprogramm der AfD

Disziplin statt Integration

Von Michael Reinsch, Berlin
31.08.2018
, 16:30
„Sport dient der Gesundheit des ganzen Volkes“: Die AfD hat ein Sportprogramm
Sporterfolge sind für die AfD Aufgaben von nationaler Bedeutung. In Berlin hat die Partei über ihre sportpolitisches Programm gesprochen.
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Warum fehlt in den sportpolitischen Thesen der AfD-Fraktionen Integration als Leistung und Aufgabe des Sports? „Wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft hierherkommen, dann sollten sie sich integrieren. Wir halten das, ehrlich gesagt, für eine Selbstverständlichkeit“, sagt der Bundestagsabgeordnete Jörn König. „Dass der Sport auch diesen Menschen dabei hilft, das ist auch irgendwo eine Selbstverständlichkeit.“ Praktisch im selben Atemzug war er bei den Fußballspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan und deren Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. „Auf der anderen Seite hat es bei einigen Leuten auch nicht funktioniert“, behauptete König, „hier geboren, millionenschwere Förderung bekommen, und leider sind sie Anhänger eines anderen Präsidenten.“

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Özil ist, auch weil er sich nicht vor rassistischen Angriffen geschützt sah, aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Gündogan hat gerade bekräftigt, dass er immer noch stolz sei, für Deutschland zu spielen. Für das bevorstehende Länderspiel gegen Frankreich ist er nominiert.

König, sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Bundestag, präsentierte am Donnerstag gemeinsam mit Kollegen aus den Landtagen von Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern im Bundestag in Berlin Sportpolitik auf fünfzehn Seiten. Praktisch alle Forderungen des Sports macht er sich dabei zu Eigen, von der Erhöhung der Spitzensportförderung durch das Innenministerium des Bundes von derzeit 193 Millionen auf 340 Millionen Euro über soziale Sicherheit für Athleten und Trainer bis zur umfassenden Sanierung von Sportanlagen von Schulen und Vereinen, einem Milliardenposten.

„Sport vermittelt bewährte Tugenden“

Statt von Integration ist dabei viel vom Volk und von der Nation die Rede. „Sport dient der Gesundheit des ganzen Volkes“, lautet These eins. These zwei heißt: „Sport vermittelt bewährte Tugenden und stärkt den Zusammenhalt unserer Nation.“ Im Folgenden werden die „klassischen Tugenden wie Gradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß und Pflichtbewusstsein“ genannt.

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These Nummer drei lautet: „Deutschland ist eine Sportnation – Deutschland soll wieder eine Sportnation von Weltrang werden.“ Bei Olympischen Sommerspielen solle „stabil ein Platz unter den besten vier Nationen“ angestrebt werden, bei den Winterspielen müsse es mindestens Platz zwei sein. Dafür die Voraussetzungen zu schaffen sei eine Aufgabe von nationaler Bedeutung.

These fünf lautet: „Sport als wichtiger Bestandteil des Lebens – verankert und identitätsstiftend im ganzen Volk.“ Nummer sieben: „Sport über die Schule wieder tiefer im Volk verankern.“ Für die AfD bedeutet dies, vier Sportstunden in der Woche zu ermöglichen und Grundschulkindern verpflichtend das Schwimmen beizubringen.

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In der 16. und letzten These heißt es, dass die Weltmeisterschaften im Fußball 2006 und der Leichtathletik 2009 bewiesen hätten, „dass sportliche Großereignisse von breiter Akzeptanz im Volk getragen werden können“. Deshalb sollten so bald wie möglich Olympische Spiele nach Deutschland geholt werden. „Deutschland und die Deutschen tragen gerne die Lasten als austragende Nation und präsentieren sich als weltoffene und freundliche Gastgeber.“ Nach einer Volksabstimmung.

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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