Stephan Mayer

Der neue starke Mann im Sport

Von Michael Reinsch, Berlin
02.05.2018
, 08:38
Seehofers Mann für den Sport: Staatssekretär Stephan Mayer
Seehofers Mann für den Sport: Stephan Mayer besteht auf Spitzensportreform und will Athletenvertreter direkt fördern. Der Staatssekretär im Innenministerium gibt den Ton an in einem Triumvirat der Konservativen in der deutschen Sportpolitik.

Er verspricht Verbänden mehr Geld, er scheint mit Athleten im Streit zu liegen, und er wirft den Abteilungsleiter Sport im Innenministerium raus – Stephan Mayer ist der neue starke Mann im Sport. Seit sieben Wochen ist der CSU-Abgeordnete aus Altötting Parlamentarischer Staatssekretär bei Innenminister Horst Seehofer. Obwohl de jure nicht einmal weisungsbefugt im Ministerium, scheint er freie Hand zu haben; der Minister jedenfalls zeigt kein Interesse am Thema. Mit beachtlichem Selbstbewusstsein ist der 44 Jahre alte Jurist und Rechtsanwalt in der öffentlichen Diskussion um Spitzensport in Führung gegangen.

Seit 2002 Abgeordneter des Bundestages, ist Mayer eines der wenigen politischen Schwergewichte im Sportausschuss. In Bundestagsdebatten wie in Talkshows vertritt er die Haltung seiner Partei zu Migration, Datenschutz und innerer Sicherheit, für Recht und Ordnung. Er gehört dem Präsidium des Bundes der Vertriebenen an. Sollte Seehofer im Laufe der Legislaturperiode das Ministeramt aufgeben, wäre Mayer ein Kandidat für die Nachfolge. Auch Seehofer war Parlamentarischer Staatssekretär, bevor er 1992 Gesundheitsminister wurde.

Mayer ist nun Teil eines konservativen Triumvirats an der Spitze des deutschen Sports. Da ist Reinhard Grindel, sein ehemaliger Kollege in Fraktion und Sportausschuss, der sein Mandat aufgegeben hat, um Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zu werden. Und da ist der Manager Alfons Hörmann, Mitglied der CSU, als Präsident des DOSB. Womöglich werden sich Sportfunktionäre daran gewöhnen müssen, dass sie nicht nur mit der Aussicht auf mehr Geld bedacht werden, sondern auch mit Gottes Segen. Der Verdacht, dass landsmannschaftliche und politische Nähe seine Entscheidungen beeinflussten, bringt Mayer in Rage. „Es wäre falsch, und es ist vollkommen abwegig, dass aufgrund derselben Parteizugehörigkeit ein ganz besonders kurzer Draht zwischen BMI und DOSB gegeben wäre“, sagt Mayer. Er kündigt einen intensiven Gedanken- und Meinungsaustausch mit dem Verband an. „Das ist nicht gleichbedeutend mit Kungelei, Kumpanei oder Bevorzugung. Dagegen verwahre ich mich in aller Entschiedenheit. Es gibt eine natürliche Distanz zwischen dem Bundesinnenministerium auf der einen Seite und dem DOSB auf der anderen Seite. Aber natürlich haben wir beide dasselbe Ziel: den Sport in Deutschland maximal zu unterstützen und den Spitzensport bestmöglich zu fördern.“

Bundesmittel nicht an den DOSB

Die Reform der Spitzensportförderung will Mayer unterstützen. Seit der Brief Hörmanns an Minister Seehofer über das drohende Scheitern bekannt ist – „. . . scheint uns eine Umsetzung, wie ursprünglich geplant, jedoch schlichtweg nicht machbar“ –, ist ein solches Bekenntnis auch das Beharren auf den zwischen Sport und Politik vereinbarten Veränderungen. „Ich bin der Überzeugung, dass wir die Spitzensportreform benötigen und dass sie dem Sport in Deutschland guttun wird“, sagt Mayer. „Ich bin aber auch davon überzeugt, dass diese Spitzensportreform nicht gegen den DOSB und den organisierten Sport umzusetzen sein wird, sondern nur mit ihm.“ Für ihn bleibt es bei der Verbindung von Aufstockung des Budgets und Reform: „Es bedarf eines stetigen und ehrlichen Aufwuchses im Sporthaushalt, um dann – und das ist die Conditio – die Spitzensportreform erfolgreich begleiten zu können.“

Äußerungen der vergangenen Woche konnte man so verstehen, dass Mayer die Förderung für die Athletenvertretung statt deren Verein „Athleten Deutschland“ dem DOSB überweisen wolle, der Organisation, von der sich die Repräsentanten der Sportlerinnen und Sportler gerade unabhängig machen wollen. „Ich lege sehr viel Wert darauf, dass sich die Athletinnen und Athleten – von denen man immer erwartet, dass sie mündig agieren – auch entsprechend gut, effektiv und professionell vertreten lassen können. Vorzugswürdig ist aus meiner Sicht eine Athletenvertretung unter dem Dach des DOSB“, sagt Mayer dazu. „Ich trete aber ausdrücklich nicht dafür ein, dass die Bundesmittel direkt an den DOSB gegeben werden. Die Athletenvertretung muss in meinen Augen maximale Entfaltungsmöglichkeit erfahren. Ihr müssen die Mittel zu hundert Prozent zufließen.“

Durch seine bislang drei Legislaturperioden lange Arbeit im Sportausschuss habe sich wie ein roter Faden der Kampf gegen das gezogen, was Mayer Doping-Missbrauch nennt, nicht einfach Doping. Gegen das Anti-Doping-Gesetz hatte er Vorbehalte, die bis heute nicht ausgeräumt sind. „Ich bin immer noch der festen Überzeugung, dass das effektivste Mittel, um dopende Sportler zu treffen und auch präventiv zu wirken, die Disziplinargewalt des Sports selbst ist. Denn wenn ein Spitzensportler wegen Doping-Missbrauchs seinen Sport, von dem er ja teilweise existentiell abhängig ist, vier Jahre nicht ausüben darf, ist dies das schärfste Schwert, das man zücken kann“, sagt Mayer. „Daneben benötigen wir mit der Nada eine effektive und engmaschige Kontrolle, um neben den Gedanken der Repression auch im Bereich der Prävention Doping-Missbrauch wirkungsvoll zu bekämpfen.“ Das deckt sich mit der Haltung der Sportverbände. Mayer unterwarf sich der Koalitionsdisziplin und stimmte für das Gesetz, als es 2015 verabschiedet wurde.

In Altötting wuchs Mayer mit regelmäßigem Training im Basketball auf. Heute noch spielt er Tennis und geht laufen. „Ein Leben ohne Sport wäre für mich nicht denkbar“, sagt er. Kritiker verweisen hämisch auf seine Neigung zum Motorsport. Vor vier Jahren verunglückte er mit seinem hochmotorisierten BMW, als er kurz nach Mitternacht in einem Autobahntunnel mit mindestens 170 Kilometer pro Stunde überholte, trotz Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80. Der Strafbefehl belief sich auf 8000 Euro und zwei Monate Führerscheinentzug.

Sport erlebe er, ob aktiv betrieben oder beim Zuschauen, als Gemeinschaft stiftend. „Ich definiere das Bundesinnenministerium nicht nur als reines Sicherheitsministerium oder Migrationsministerium, sondern auch als Gesellschaftsministerium“, sagt Mayer. „Dies wird noch glaubwürdiger durch die Erweiterung um den Bereich der Heimat. Auch dieser passt brillant zur Zuständigkeit für den Sport.“

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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