Fußball-Boss Rummenigge

Ausgeprägter Geschäftssinn

Von Peter Sturm
12.11.2020
, 09:07
Machtpolitisch führt an Karl-Heinz Rummenigge schon lange kein Weg mehr vorbei. Der frühere Bayern-Stürmer betätigt sich auch auf internationaler Bühne, und dient für „kleine“ Vereine als Feindbild.

Zu den wenigen Dingen, die Karl-Heinz Rummenigge wirklich misslungen sind, gehört wohl seine Tätigkeit als Ko-Kommentator im Fernsehen unmittelbar nach Ende seiner aktiven Fußballerkarriere 1989. Der in seiner großen Zeit zu den besten Stürmern Europas gehörende Mann aus dem westfälischen Lippstadt verdribbelte sich gerne einmal verbal mit Ausdrücken wie „lebensgefährlich“, wenn bei Spielen der Nationalmannschaft der Gegner in die Nähe des deutschen Tores kam.

Die große Zeit des Spielers Karl-Heinz Rummenigge waren vor allem die achtziger Jahre. Er gewann mit Bayern München, wohin er 1974 im Alter von 19 Jahren gewechselt war, diverse nationale und internationale Titel. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1980 Europameister. Die Krönung, der Weltmeistertitel, blieb ihm aber versagt. Bei den Turnieren 1982 und 1986 verlor die Nationalmannschaft jeweils das Finale.

Seine zweite Karriere begann im November 1991, als er vom Präsidium des FC Bayern München zum Vizepräsidenten mit Zuständigkeit für den Lizenzspielerbereich gewählt wurde. Während Uli Hoeneß den in jeder Hinsicht öffentlichkeitswirksamen Part der Vereinsführung repräsentierte, wirkte Rummenigge mehr im Hintergrund. Machtpolitisch führte allerdings schon bald kein Weg mehr an ihm vorbei. Im Jahr 2001 beschloss die Jahreshauptversammlung des Vereins FC Bayern die Umwandlung in eine AG. Rummenigge übernahm den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Obwohl der Klub nun die Rechtsform einer Aktiengesellschaft hatte, sprach sich der Vorstandsvorsitzende gegen den vom Konkurrenten Borussia Dortmund gewählten Weg an die Börse aus. Vielmehr holten sich die Bayern einige strategische Investoren ins Haus. Gepaart mit den vielen Erfolgen auf dem Spielfeld entstand so im Laufe relativ kurzer Zeit das in wirtschaftlicher und sportlicher Hinsicht führende Unternehmen des deutschen Profifußballs.

Rummenigge betätigte sich aber auch auf internationaler Bühne. Er stand der Vereinigung der großen Fußballklubs Europas vor. In dieser Eigenschaft sowie auf nationaler Ebene trat er für eine andere Verteilung der üppig fließenden Fernsehgelder ein. Das machte ihn für viele „kleine“ Vereine zum Feindbild. Die in der Bundesliga, im Gegensatz zu manch anderer großen Fußballliga in Europa, bis heute übliche Zentralvermarktung mit Verteilung der Fernsehgelder hat Rummenigge bis dato allerdings nicht angetastet.

Aber dass die Dinge womöglich auch hier im Fluss sind, zeigt die Zusammenkunft vom Mittwoch in Frankfurt, wo vier Klubs aus der Bundesliga – allesamt sogenannte „Kleine“ – nicht dabei sein durften. Als Fußballromantiker ist Karl-Heinz Rummenigge in der Tat nie aufgefallen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sturm, Peter
Peter Sturm
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
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