Protest vor WM 2022

Haaland und Co. senden klare Botschaft an Qatar

25.03.2021
, 11:19
Die Debatte über die umstrittene Vergabe der WM nach Qatar läuft seit Wochen in Norwegen. Manche fordern gar einen Boykott. Nun nutzt die Mannschaft das erste Qualifikationsspiel für eine Botschaft.

Norwegens Fußballer um Bundesliga-Star Erling Haaland wollen ihren Protest gegen die WM 2022 in Qatar zum Dauerthema machen. Nach den T-Shirt-Botschaften beim 3:0 in Gibraltar wollen die Spieler und der frühere Bundesliga-Trainer Ståle Solbakken wohl auch die kommenden WM-Qualifikationsspiele nutzen, um auf Menschenrechtsverletzungen in dem Emirat aufmerksam zu machen. Das stößt nicht überall auf Anerkennung.

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„Ich möchte nicht, dass meine Spieler oder meine Nationalmannschaft so ein Ereignis politisieren. Es geht um Menschenrechte, aber wir wollen nicht, dass das mit Fußball vermischt wird“, sagte Gibraltars Trainer Julio Ribas nach dem Spiel und fing sich einen beißenden Konter vom norwegischen Kollegen Solbakken ein: „Diese Reaktion ist bedeutungslos. Vielleicht hat auch er Spieler in seiner Mannschaft, die etwas sagen möchten.“

Spieler und Trainer hatten vor dem ersten Qualifikationsspiel zur WM 2022 am Mittwochabend T-Shirts mit der Aufschrift „Respect – On and off the pitch“ (Respekt – auf und neben dem Platz) getragen und bei der Hymne ähnliche Shirts mit dem Schriftzug „Human rights – On and off the pitch“ (Menschenrechte – auf und neben dem Platz) an. Solbakken schloss nicht aus, den Protest beim Spiel am Samstag gegen die Türkei fortzusetzen.

Fußball ist keine Insel

Der Weltverband Fifa, der die WM im Jahr 2010 in das international immer wieder wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik stehende Qatar vergeben hat, will keine Strafe verhängen, die für zusätzliche Unruhe sorgen könnte. „Die Fifa glaubt an die Meinungsfreiheit und an die Kraft des Fußballs, den positiven Wandel voranzutreiben“, teilte der Verband am Donnerstag auf dpa-Anfrage mit

Solbakken, schon immer für klarer Meinungen bekannt, sieht den Fußball nicht als Insel. „Für mich hängen Sport und Politik zusammen“, sagte der 53-Jährige. Es sei ihm wichtig, dass seine Spieler die Last nicht allein trügen. „Sie haben sich heute für etwas eingesetzt, was ich für großartig halte, und dafür sollten sie Anerkennung bekommen, und dann müssen wir weiterarbeiten.“

Alexander Sörloth von Bundesligaverein RB Leipzig verteidigte den Protest und verwies auf die Transparenz des Verbandes. „Wir hatten ein langes Meeting, in dem wir alle Fragen stellen konnten. Wir waren uns alle zu 100 Prozent einig, eine Botschaft senden zu wollen“, sagte der Stürmer.

Die Debatte über die umstrittene WM-Vergabe nach Qatar läuft seit Wochen in Norwegen. Ende Februar hatte eine Reihe von norwegischen Erstligaklubs das Nationalteam aufgerufen, die WM im Fall einer Qualifikation zu boykottieren. Der norwegische Fußballverband hält am 20. Juni eine Sonderversammlung zur Frage eines WM-Boykotts ab.

Qatar steht international immer wieder in der Kritik. Angeblich sind zahlreiche Arbeiter gestorben. Qatars Regierung erklärt hingegen, dass sie in den vergangenen Jahren mit Reformen die Lage der Arbeiter deutlich verbessert habe. Menschenrechtler räumen zwar Fortschritte ein, beklagen aber eine unzureichende Umsetzung der Reformen.

Quelle: tora./dpa
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