<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Stars, Stripes and Stories

Erst „Yips“ bei den Yankees, dann Vorzeige-Arbeitnehmer

Von Marc Hindelang
 - 16:37

Baseball ist der Nationalsport aller Amerikaner. Dennoch blicken in diesen Tagen mehr Unternehmer als sonst auf die Major League Baseball (MLB), speziell auf Rekordmeister New York Yankees.

Weniger deshalb, weil die "Pinstripes" (Nadelstreifen) am Wochenende in der mit Spannung erwarteten Neuauflage des Finales der World Series gegen den Lokalrivalen New York Mets zwei von drei Spielen gewannen (5:4, 2:1, 7:8). Sondern, weil mit Edward Charles, genannt Chuck Knoblauch im Team des Titelverteidigers ein Mann steht, der als leuchtendes Beispiel für Flexibilität am Arbeitsplatz gilt.

Eine ungewöhnliche Geschichte: Seit seinem Debüt in der MLB als bester Neuling vor zehn Jahren galt Knoblauch, zunächst bei den Minnesota Twins, seit 1998 bei den Yankees, offensiv als einer der härtesten und zuverlässigsten Schlagmänner des Spiels und defensiv, als einer der besten "Bewacher" der zweiten Base.

Karrierknick für Knoblauch

Der viermalige All-Star wurde vor vier Jahren mit dem "Goldenen Handschuh" ausgezeichnet und in jedem seiner zwei Jahre mit den Yankees MLB- Champion. Vergangene Saison bekam die großartige Karriere des Texaners aber erste Risse. Eine schwere Ellbogenverletzung setzte ihn ausser Gefecht und als er zurückkam, war die Schlagkraft zwar noch vorhanden, aber die Wurfgenauigkeit weg.

Mit geschickten Auswechslungen überstanden die Yankees die Schwäche eines ihrer Führungsspielern und schafften den Titelhattrick. Das Problem wurde dadurch nicht gelöst, weil Knoblauch es nicht einmal mehr fertig brachte, die Distanz von 30 lächerlichen Metern zum nächsten Mitspieler zu werfen.

Ein Trauma: Nicht einmal Fluglotsen vermochten verherzusagen, wo seine Würfe landen würden. Im Handschuh des Mitspielers oder auf der Tribüne.

„Yips“ bei einem Baseballer

Das Schlimme: Niemand, am allerwenigsten Chuck Knoblauch selbst, konnten dieses Versagen begründen. Eine mentale Blockade, ähnlich dem "Yips", dem grossen Händezittern bei puttenden Profi- Golfern. Da helfen selbst zusätzliche Trainingseinheiten nicht weiter.

Nun ist ein Baseball-Spieler, der nicht werfen kann, für seine Mannschaft wertlos. Speziell die New York Yankees, können und wollen sich als reichster und berühmtester Club der Welt, keine Versager leisten.

Chuck Knoblauch, ansonsten ein menschlich starker Charakter, bot im Frühjahr von sich aus an, aufzuhören. "Ich brauche das nicht", stöhnte er nach sechs leichten Fehlern in 14 Spielen. Zumal ihn höhnischer Beifall der Fans bei jedem gelungenen Wurf entnervte. "Ich spiele hier nicht wegen des Geldes, sondern weil ich Spaß haben möchte. Ich weiß dass ich spielen kann, aber wenn es nicht besser wird, mache ich etwas anderes."

Nach der Degradierung eine Leistungsexplosion

Damit war wohl der Rücktritt vom Profisport gemeint, tatsächlich macht Knoblauch jetzt einen anderen Job in seinem Unternehmen. Er wurde vor einigen Wochen ins linken Aussenfeld versetzt, dort wo Baseball lange nicht so intensiv ist. Da sagt man den Spielern schon mal nach, sich über ihre letzte Golfrunde oder die Aktienkurse zu unterhalten.

Andere Stars hätten sich wohl über die vermeintliche Degradierung beschwert, sie gar abgelehnt und einen Transfer zu einem anderen Team angestrengt. Knoblauch ging den anderen Weg und antwortete mit einer Leistungsexplosion.

Lob der Wirtschaftsbosse

Genau deshalb mögen ihn die Unternehmer. "Er hat sich nicht beschwert, sondern eine Aufgabe übernommen, die absolut ungewohnt für ihn war. Dafür hat er täglich zusätzlich trainiert", analysiert der Wirtschaftsexperte Al Stewart. "Knoblauch ist ein Exempel für einen Arbeitnehmer, der eine Schwäche in einen Vorteil umgewandelt hat. Zum eigenen Wohle und dem des Unternehmens."

Das Baseball-Unternehmen New Yankees, dem viele durch diesen Schachzug zutrauen, zum viertenmal in Serie die World Series zu gewinnen, zeigt sich begeistert: "Es ist viel besser gelaufen, als wir uns erhoffen konnten", schwärmte General Manager Jeff Torre. Kein Wunder: Er kann das 23-jährige Toptalent Alfonso Soriano auf der wichtigen zweiten Base einsetzen und hat gleichzeitig einen Klassemann und Teamleader wie Knoblauch auf einer bisher nicht herausragend besetzten Position eingesetzt.

"Ich genieße diese Herausforderung", sagt der Routinier, der "jetzt einfach nur der bestmögliche Left Fielder'" sein möchte. Es ist ihm zuzutrauen. Die Wurfschwäche jedenfalls ist kein Thema mehr. Knoblauch wirft über 100 Meter um einiges genauer, als über 30. In 40 Spielen im Außenfeld misslang ihm nur ein einziger Wurf.

Quelle: @cris, @gf
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenNew York