Schwere Tour-de-France-Etappe

Pogacar wie der Patron

Von Alex Westhoff, Arenberg
06.07.2022
, 19:52
Der Slowene Tadej Pogacar
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Die fünfte Etappe führt das Fahrerfeld der Tour de France über Kopfsteinpflaster: Nicht alle kommen heil ins Ziel. Während Pogacar brilliert und ein Australier gewinnt, erlebt Roglic einen Albtraum.
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Es war ein Spektakel aus Staub und Schweiß für alle, mit Tränen für manche. Ein kilometerlanger, immerwährender Schlagabtausch, atemlose Radsportaction mit einer mitunter irrwitzigen Abfolge von rennentscheidenden Ereignissen. Die fünfte Etappe der Tour de France hat am Mittwoch mehr als nur gehalten, was sie versprach. Mit einem Überraschungssieger, einigen Umwälzungen im Klassement und der Erkenntnis, dass Tadej Pogacar auf dem besten Weg ist, auch der Patron der Tour 2022 zu werden.

Die 154 Kilometer kurze Etappe mit elf Pflasterstein-Sektoren verlangte Mensch und Maschine alles ab, was viele Stürze und Defekte illustrierten. „Es war extrem schnell und extrem hektisch“, sagte der deutsche Rennfahrer Maximilian Schachmann. „Und am Ende war es ein Ausscheidungsfahren.“ Mit einem Triumph in Arenberg für den 35-jährigen Australier Simon Clarke, der im Sprint den Niederländer Taco van der Hoorn um wenige Zentimeter distanzierte. Die Profis aus der fünfköpfigen Ausreißergruppe des Tages hatten den Sieg nach 128 Kilometer langer Flucht unter sich ausgemacht. Im Gelben Trikot verblieb der Belgier Wout van Aert. Bester Deutscher war Max Walscheid auf Rang 13.

© Eurosport

Vorjahressieger Pogacar lieferte eine beeindruckende Vorstellung in eigener Sache ab, welche für die Konkurrenz demoralisierend gewirkt haben dürfte. Der Slowene zeigte auch auf den Rüttelpisten seine Extraklasse und distanzierte die anderen Klassementfahrer um einige Sekunden, nachdem er sich im viertletzten Pflastersektor mit einem Begleiter abgesetzt hatte von einer Gruppe, in der auch der deutsche Rennstall Bora-hansgrohe rund um Kapitän Alexander Wlassow (nun 37 Sekunden hinter Pogacar) gut vertreten war. Von Pogacars eigenen Helfern aus dem Team UAE Emirates war da schon lange nichts mehr zu sehen. Das Zeichen, was der 23-Jährige, der virtuell zwischenzeitlich schon das Gelbe Trikot hatte, am Mittwoch aussandte: Zur Not gewinne ich auch alleine.

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Dass Pogacar nicht schon bei der fünften Etappe zum großen Schlag gegen die Konkurrenten ausholen konnte, sondern „nur“ 13 Sekunden gutmachte, lag auch an Wout van Aert. Der die ersten Tour-Tage prägende Belgier spielte zwar keine Rolle an der Spitze des Feldes. Selbst früh zu Fall gekommen und kurz darauf fast mit einem Fahrzeug kollidiert, leistete der Belgier aber vorzügliche Hilfe zur Schadensbegrenzung für sein Team Jumbo-Visma. Und zog auch weitere strauchelnde Favoriten wie beispielsweise Geraint Thomas im Windschatten mit.

© Eurosport

Van Aerts Team Jumbo-Visma stand unterwegs mal kurz vor dem Schiffbruch in Nordfrankreich. Skurrile Szenen spielten sich ab, als der dänische Mitfavorit Jonas Vingegaard 35 Kilometer vor dem Ziel einen Defekt erlitt und dann mit zwei von Teamkollegen schnell weitergereichten Velos nicht zurechtkam, ehe ihn das Teamfahrzeug Ersatz lieferte. Es brauchte dann schon Van Aerts enormen Drucks auf die Pedale auf der Jagd zurück bis schließlich kurz vor dem Ziel der Anschluss an die Gruppe um Wlassow geschafft war. „Das war nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Ein Misttag“, sagte Van Aert.

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Denn die Doppelspitze seiner Equipe, welche sich der Jagd auf Pogacar verschreiben sollte, ist außer Kraft gesetzt. Vingegaard liegt nunmehr schon 21 Sekunden hinter dem Titelverteidiger zurück, Primoz Roglic gar über zwei Minuten. Der Vuelta-Sieger kugelte sich bei einem heftigen Sturz eine Schulter aus. Als sich diese nicht sofort wieder einrenken ließ, habe er sich dann auf den Stuhl eines Zuschauers gesetzt und das Gelenk mit „spezieller Technik“ wieder gerichtet, berichtete Roglic.

Der Sinnspruch, dass man auf einem Teilstück über das tückische nordfranzösische Kopfsteinpflaster die Tour zwar nicht gewinnen, aber sehr wohl verlieren kann, bewahrheitete sich auf bittere Weise für ihn. Der Slowene war das prominenteste Opfer des Spektakels in der „Hölle des Nordens“ - so der Namenszusatz des im Frühjahr auf den Pavé-Sektoren ausgetragene Klassikers Paris-Roubaix. Schon im Vorjahr erwies sich für Roglic die monatelange Vorbereitung für vergebens, als er die Tour nach einem Sturz in der ersten Rennwoche beenden musste.

Die staubige Show begann am Nachmittag so richtig, als die ersten Pflastersektoren mit zum Teil Tempo 60 in Angriff genommen wurden. Zweikämpfe, Manöver, Unfälle und Pannen prägten das Bild. Taktiken wurden geschmiedet und lösten sich wieder in Luft auf, und manches wurde mitten im Chaos auch profan durch Glück oder Pech entschieden. Nur Tadej Pogacar scheint solchen Kategorien enthoben zu sein.

1.7.2022 - Zoom-Grafik - Tour de France Etappen 2022
Infografik Tour de France Etappen 2022
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Quelle: F.A.Z.
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