FAZ plus ArtikelSieg bei Tour de France

Was Lennard Kämna so besonders macht

Von Alex Westhoff
Aktualisiert am 16.09.2020
 - 08:03
Überaus zäh und mit viel Offensivgeist ausgestattet: Lennard Kämna ist bei dieser Tour in der Weltklasse angekommen.
Sieg für den freien Mann: Lennard Kämna fährt in Villard-de-Lans zum Etappensieg. Es ist die erfolgreiche Generalprobe für den nächsten Aufstieg beim Team Bora-hansgrohe.

Er witzele gerne darüber, „was ich doch schon für ein alten Hase bin“, erzählt Lennard Kämna. Vor Kurzem hätte er mit seinen aktuell 24 Jahren im Radsport noch zu den Küken im Peloton gehört. Doch seitdem im Räderwerk nicht selten eine Generation Wunderkinder vorneweg fährt, schützt Jugend nicht mehr vor Ansprüchen. Am Dienstag war es so weit: Aus dem Zukunftsversprechen wurde ein Trumpf in der Gegenwart der Tour de France.

Kurz vor dem Zielstrich nach 164 Kilometer langer Hatz nach Villard-de-Lans richtete Kämna sich auf dem Rad auf, klopfte sich mit der Faust erst auf die Brust und reckte sie dann nach oben. Kämna hatte die 16. Etappe nach einer Attacke zwanzig Kilometer vor dem Ziel im Stile eines Solisten gewonnen. „Ich freue mich riesig. Das ganze Team hat die letzten Wochen hart, hart gearbeitet und deshalb freut es mich, dass es heute geklappt hat“, sagte der Tagessieger.

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Lecker Laktatbrötchen

Von Tristesse auf dem Trottoir bis hin zu dichten Menschenspalieren hat diese Tour de France schon alles gesehen. Vom Straßenrand aus kann man das Peloton gut hören – nicht nur wegen des ewigen Geknatters der Hubschrauber und des Gebrumms der Begleitfahrzeuge. Eindrucksvoll ist das flirrende Geräusch der Fahrradketten eines vorbeijagenden Fahrerfeldes. Nur: Was die Athleten wirklich leisten, können Straßenrandsteher oder Fernsehzuschauer kaum ermessen. Dass ein Fahrer wie der Deutsche Tony Martin drei Stunden lang 350 Watt im Wind tritt oder die radelnden Bergflöhe die Passstraßen mit im Schnitt mehr als 20 Stundenkilometern hinauffliegen – klingt eindrucksvoll, und ist es auch. Drum simulieren Sie für das bessere Verständnis doch mal auf ihrem heimischen Drahtesel einen Tour-de-France-Ausreißversuch. Nehmen Sie sich beispielsweise die Bäckerei Ihres Vertrauens zum Ziel. Dann treten Sie so hart in die Pedale, dass es im Nu richtig weh tut, und halten die Pace und halten die Pace und halten die Pace. Aber bitte hören Sie auf, bevor Ihnen das Laktat aus den Ohren kommt. (west.)

Quelle: F.A.Z.
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