US-Open-Aus für Barty

„Sie ist einer meiner Lieblingsmenschen“

Von Doris Henkel
05.09.2021
, 17:33
Für Ashleigh Barty sind die US Open schon wieder vorbei.
Noch bevor die zweite Woche der US Open beginnt, ist die Nummer eins der Weltrangliste, die Nummer eins des Turniers und Favoritin nicht mehr dabei. Sie gehen jeweils anders mit ihren Niederlagen um.

Am Ende war einfach der Tank leer. Noch bevor die zweite Woche der US Open beginnt, ist die Nummer eins der Weltrangliste, die Nummer eins des Turniers und Favoritin nicht mehr dabei. Obwohl sie im dritten Satz 5:2 geführt und zweimal zum Match aufgeschlagen hatte, verlor Ashleigh Barty in Runde drei gegen Shelby Rogers (Vereinigte Staaten).

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Doch wenn es jemanden gibt, der nach einer Niederlage nie den Eindruck macht, die Welt sei gerade untergegangen, dann ist es Barty, und in diesem Fall galt das ganz besonders. Überaus lang und herzlich war die Umarmung der beiden am Netz. Barty sagte später: „Bei manchen Leuten macht dir eine Niederlage nichts aus. Und Shelby in ihrer ganzen Persönlichkeit und ihrem Charakter gehört für mich dazu. Ich konnte sehen, wie viel Spaß sie hatte, und das war für uns beide das Wichtigste.“

Shelby Rogers, die zuvor fünfmal gegen die Australierin verloren hatte, spielte den mit Anerkennung gefüllten Ball zurück. „Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich sie respektiere und welch großartige Repräsentantin des Frauentennis sie ist. Ich spreche davon, was sie in diesem Jahr geleistet hat, und ich glaube, die Leute betrachten das als Selbstverständlichkeit. Leute, sie war seit Februar nicht mehr zu Hause, das ist verrückt. Sie war verletzt und hat fünf Titel gewonnen, und sie ist immer noch die Nummer eins. Dieses Mädchen ist so, wie alle sein möchten. Ganz ehrlich, ich könnte noch 20 Minuten weitermachen; sie ist einfach einer meiner Lieblingsmenschen.“

Schlimmer als ein Weltuntergang

Wem es da nicht warm ums Herz wird, dem ist vermutlich nicht zu helfen. Es war ein krasser Gegensatz zu jenen Szenen, die sich tags zuvor an gleicher Stelle zugetragen hatten und die die andere, einsamere Seite des Lebens auf der Tennistour beleuchten. Da saß Naomi Osaka nach einem Spiel, in dem sie gegen eine Außenseitern aus Kanada im zweiten Satz zum Sieg aufgeschlagen, dann aber völlig den Faden fallen gelassen hatte.

Verängstigt und verunsichert verlor sie schließlich gegen die 18 Jahre alte Leyla Fernandez, aber das war nichts im Vergleich zum todtraurigen Eindruck, den sie hinterher machte. Normalerweise sei sie ein Typ, der Herausforderungen möge, sagte die Japanerin, aber in letzter Zeit habe sie Angst, wenn die Dinge nicht gut liefen, und sie habe das Gefühl, jeder könne das spüren. „Ich war irgendwie wie ein kleines Kind.“ Als sie dann im japanischen Teil der Pressekonferenz gefragt wurde, wie es nun weitergehen werde, da gab sie sich allergrößte Mühe, konnte ihre Tränen aber doch nicht zurückhalten.

Sie sagte dann: „Ich will das hier zu Ende bringen. Ich habe das Gefühl, an einem Punkt zu sein, wo ich herausfinden muss, was ich tun will, und ich weiß nicht, wann ich mein nächstes Match spielen werde. Ich denke, ich werde eine Weile Pause machen.“ Es ist offensichtlich, dass die Depressionen und Angstzustände, die sie im Sommer öffentlich gemacht hatte, nicht verschwunden sind. Es war nicht so, dass wegen einer Niederlage Naomi Osakas Welt unterging; es war schlimmer. Es sah so aus, als sehe sie die Sonne nicht mehr.

Quelle: F.A.Z.
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