Djokovic gegen Zverev

Die Olympia-Revanche steigt im Halbfinale

09.09.2021
, 08:19
Alexander Zverev hatte seinen Spaß nach dem Viertelfinale der US Open.
Seit der Auslosung der US Open haben Tennis-Fans auf dieses Duell gehofft: Alexander Zverev gegen Novak Djokovic. Wie in Tokio treffen sie im Halbfinale aufeinander. Beide sind in Topform, der Favorit ist klar.

Sechs Wochen nach der Niederlage im Halbfinale der Olympischen Spiele bekommt Novak Djokovic bei den US Open die Chance zur Revanche gegen Alexander Zverev. Die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste gewann in der Nacht zu Donnerstag (Ortszeit) das Viertelfinale gegen den Italiener Matteo Berrettini 5:7, 6:2, 6:2, 6:3 und trifft nun wie in Tokio in den Semifinals auf Deutschlands besten Spieler.

Im Format mit zwei Gewinnsätzen hatte der 24 Jahre alte Zverev in Japan einen Rückstand gedreht und Djokovic auf dem Weg zum Olympiasieg aus dem Turnier geworfen – nun geht es in New York bei drei Gewinnsätzen für beide Spieler abermals um enorm viel.

„Jedes Match ist eng, er ist einer der besten Spieler der Welt derzeit“, sagte Djokovic nach der hochklassigen Partie über seinen nächsten Gegner. Allerdings zeigte der 34-Jährige gegen Berrettini auch, weshalb er trotz allem als Favorit in das Duell geht und sagte über die Sätze zwei, drei und vier: „Ich habe mein Tennis auf ein anderes Level gehoben. Das waren die drei besten Sätze, die ich in einem Turnier gespielt habe, ganz sicher.“ Im anderen Halbfinale stehen sich Daniil Medwedew aus Russland und der Kanadier Felix Auger-Aliassime gegenüber.

Djokovic will sich mit einem Sieg gegen Zverev und dem Einzug ins Finale die Chance auf den Grand Slam erhalten. Die Australian Open, Wimbledon und die French Open hat er 2021 bereits gewonnen, die Pokale aller großen Turniere in einem Jahr holte sich zuletzt der legendäre Rod Laver 1969. Zudem hätte er bei einem Sieg in New York den Rekord für die meisten Grand-Slam-Siege für sich – noch muss Djokovic sich den Spitzenplatz in dieser Wertung mit Roger Federer und Rafael Nadal teilen, die ebenfalls auf 20 Triumphe kommen.

Zverev dagegen will nach der ersten Goldmedaille für einen deutschen Tennisspieler bei Olympischen Spielen endlich auch seinen eigenen ersten Sieg bei einem Grand Slam. Vor einem Jahr fehlten ihm im Finale gegen seinen Kumpel Dominic Thiem aus Österreich mickrige zwei Punkte zum Sieg, die Niederlage beschäftigte ihn lange. Nun geht er mit 16 gewonnenen Tennis-Matches in Serie und dem Selbstvertrauen der Turnier-Siege in Tokio und Cincinnati in das Duell mit Djokovic.

„Du bereitest dich darauf vor das beste Match zu spielen, das du kannst. Du musst perfekt sein, ansonsten wirst du nicht gewinnen“, sagte Zverev nach seinem überzeugenden Einzug ins Halbfinale. Lloyd Harris aus Südafrika bezwang er in gut zwei Stunden mit 7:6 (8:6), 6:3, 6:4.

Djokovic dagegen musste gegen Berrettini viel mehr arbeiten. Die von Zverev erhofften mehr als acht Stunden wurden es erwartbar zwar nicht, aber der Serbe war in den knapp dreieinhalb Stunden bis zum verwandelten ersten Matchball schwer beschäftigt gegen den Italiener, den er auch im Finale von Wimbledon bezwungen hatte. Schon um den ersten Punkt stritten sich die beiden mehr als acht Minuten, der erste Satz alleine dauerte 1:17 Stunden und ging an Berrettini.

Danach aber spielte Djokovic so, wie Djokovic in diesem Jahr eben spielt: Nahezu nicht bezwingbar. Berrettini war gut, seine Aufschläge waren hart und präzise - dennoch brachte Djokovic sie wieder und wieder zurück ins Feld und holte sich den zweiten und dritten Satz jeweils mit 6:2. Der Serbe war sich für keinen Einsatz zu schade, warf sich auf den Boden und brüllte nach gelungenen Aktionen mit dem Publikum im Arthur Ashe Stadion um die Wette. Ein Ball ins Netz von Berrettini beendete die Partie schließlich – und die Neuauflage des Halbfinal-Duells zwischen Djokovic und Zverev war perfekt.

Emma Raducanu setzt Siegeszug fort

Bei den Frauen setzte die britische Qualifikantin Emma Raducanu ihren sensationellen Siegeszug fort und erreichte erstmals das Halbfinale. Die 18-Jährige setzte sich in gut 80 Minuten mit 6:3, 6:4 gegen die sechs Jahre ältere Olympiasiegerin Belinda Bencic aus der Schweiz durch. Sie trifft im Halbfinale auf Maria Sakkari. Die Griechin gewann am Mittwochabend (Ortszeit) gegen die Favoritin Karolina Pliskova aus Tschechien 6:4, 6:4 und zog zum zweiten Mal in ihrer Karriere in ein Grand-Slam-Halbfinale ein.

Direkt zum Auftakt gab Raducanu im ersten Spiel ihren Aufschlag ab. Auf der großen Bühne im Arthur-Ashe-Stadium erholte sich die Weltranglisten-150. aber schnell davon und holte sich den ersten Satz nach nur 36 Minuten. Auch im zweiten Durchgang zeigte Raducanu eine abgeklärte Vorstellung und hat damit bei diesen US Open weiter noch keinen Satz verloren.

Sie ist erst die dritte Halbfinalisten bei den US Open, die außerhalb der Top 100 rangiert. Vor ihr hatten dies nur die Belgierin Kim Clijsters bei ihrem Comeback-Sieg 2009 und die US-Legende Billie Jean King 1979 geschafft. In Wimbledon hatte Raducanu dieses Jahr ebenfalls überraschend das Achtelfinale erreicht, musste damals aber aufgeben.

Quelle: dpa/sid
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