Aus nach Sturz bei US Open

Ottes Märchen endet mit starken Schmerzen

07.09.2021
, 08:18
Der Anfang vom Ende: Oscar Otte stürzt und fällt dabei auf die Hand.
Aus der Qualifikation arbeitet sich Oscar Otte bis ins Achtelfinale der US Open. Auch dort spielt er stark – bis zu einem folgenschweren Missgeschick. Besser läuft es für Alexander Zverev.

Die US Open haben für Tennisprofi Oscar Otte ein unglückliches Ende genommen. Der Qualifikant aus Köln musste sich am Montag (Ortszeit) im Achtelfinale dem Italiener Matteo Berrettini mit 4:6, 6:3, 3:6, 2:6 geschlagen geben. Dabei verletzte sich Otte im vierten Satz an der rechten Schlaghand und konnte nur unter großen Schmerzen weiterspielen.

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„Die Hand tut ziemlich weh“, sagte Otte nach der Partie bei Eurosport. Beim Röntgen sei Entwarnung gegeben worden. „Es war keine klare Fraktur zu erkennen, aber zuhause soll ich direkt ein MRT machen lassen, damit man da ein bisschen mehr – oder hoffentlich weniger – sehen kann.“

Nach dem Aus von Otte ist in Alexander Zverev nur noch ein Deutscher in New York dabei. Der Olympiasieger hatte sich zuvor gegen den Italiener Jannik Sinner mit 6:4, 6:4, 7:6 (9:7) durchgesetzt und trifft nun im Viertelfinale am Mittwoch auf Lloyd Harris aus Südafrika.

Djokovic mit wenigen Problemen

Danach könnte es im Halbfinale zum mit großer Spannung erwarteten Duell mit Novak Djokovic kommen. Der Weltranglisten-Erste aus Serbien gewann sein Achtelfinale gegen den Amerikaner Jenson Brooksby mit 1:6, 6:3, 6:2, 6:2 und hatte dabei nur am Anfang ein paar Probleme. Der 34-Jährige trifft jetzt im Viertelfinale auf Berrettini.

Otte zeigte auch gegen Berrettini wieder eine starke Leistung und brachte den Wimbledonfinalisten immer wieder in Schwierigkeiten. Beim Stand von 1:1, 15:15 im vierten Satz passierte dem Kölner dann ein Missgeschick. Otte erlief rückwärts einen Überkopfball, kam danach aber ins Straucheln und fiel bei der Landung auf seine rechte Hand. Der 28-Jährige, der völlig überraschend in New York ins Achtelfinale gekommen war, musste danach auf dem Platz behandelt werden und bekam auch eine Schmerztablette.

Zwar konnte Otte weiterspielen und gewann sogar das Aufschlagspiel. Doch die Verletzung an der Schlaghand beeinträchtigte ihn deutlich, so dass Berrettini am Ende leichtes Spiel hatte. „Das Ende war natürlich nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte“, sagte Otte nach der Partie vor dem geplanten Abflug am Dienstag.

Mit seinem 15. Sieg nacheinander zog Olympiasieger Zverev zuvor ins Viertelfinale ein. Gegen den Südtiroler Sinner gewann der 24 Jahre alte Hamburger nach einem vor allem im dritten Satz nervenaufreibenden Schlagabtausch 6:4, 6:4, 7:6 (9:7). „Ich bin glücklich darüber, wo ich jetzt stehe und wie die Dinge gelaufen sind in den letzten Monaten“, sagte Zverev. „Jetzt stehe ich im Viertelfinale und ab jetzt werden die Matches nicht leichter.“

Im Kampf um den Einzug in das Halbfinale trifft der Weltranglisten-Vierte nun am Mittwoch auf Lloyd Harris, der sich gegen den Amerikaner Reilly Opelka in vier Sätzen durchsetzte. „Er spielt unglaublich zur Zeit und zeigt ein sehr hohes Level“, sagte Zverev über seinen nächsten Kontrahenten. Für ihn war es nach der Goldmedaille in Tokio und dem Titel in Cincinnati turnierübergreifend der 15. Erfolg in Serie. In Cincinnati hatte er zuletzt in zwei Sätzen gegen Harris gewonnen. Im Interview auf dem Platz scherzte Zverev, dass er jede Nacht mit seiner Goldmedaille kuschle. „Ich weiß nicht, ich habe ja keine Freundin, ich habe niemanden neben mir, deshalb schläft die Goldmedaille neben mir.“

Zwei Tage nach dem turbulenten Match gegen Jack Sock, als Zverev den ersten Durchgang verlor und beim Stand von 3:6, 6:2, 6:3, 2:1 von der verletzungsbedingten Aufgabe des Amerikaners profitierte, wehrte er gegen den 20 Jahre alten Italiener im dritten Durchgang fünf Satzbälle ab und verwandelte nach 2:25 Stunden den ersten Matchball. „Es ist wichtig, immer einen Weg zu finden und ich habe heute einen Weg gefunden“, sagte Zverev im TV-Sender Eurosport.

Bei rund 27 Grad in New York und nicht mehr so schwül-heißen Bedingungen wie in der vergangenen Woche spielte Zverev im anfangs nur spärlich gefüllten Arthur-Ashe-Stadium konzentriert und voller Vertrauen auf sein Können, ohne jedoch spektakulär zu glänzen. „Ich hoffe, dass Sascha heute aggressiv ist“, hatte sein älterer Bruder und Manager Mischa Zverev noch kurz vor dem Match bei Eurosport gesagt und geunkt: „Ich glaube, vier Sätze Sascha, ich weiß nicht, welchen Satz er verliert.“ Doch der große Bruder sollte sich irren.

Zum 3:2 gelang Zverev im ersten Satz das entscheidende Break. Beim Stand von 5:3 vergab er noch bei Aufschlag Sinner einen Satzball, doch nach 41 Minuten sicherte sich Zverev Durchgang eins. Im zweiten Satz misstraute der Norddeutsche in einem Moment der elektronischen Linienüberwachung und zeigte sich überzeugt, dass sein Ball nicht im Aus gelandet sei. Doch auch davon ließ er sich nicht entscheidend irritieren. Als eine Zuschauerin „Go Sascha“ rief, blickte er kurz in diese Richtung und sicherte sich wenig später das Break zum 5:4.

Im vergangenen Jahr hatte Zverev bei den French Open im Achtelfinale körperlich geschwächt gegen Sinner verloren, auf dem Weg zu seinem Titel in Köln im Halbfinale wiederum gewonnen. Diesmal wackelte er im dritten Satz, als er 5:6 in Rückstand geriet. Zwei Satzbälle wehrte er bei eigenem Aufschlag ab und rettete sich in den Tiebreak. Dort lag Zverev 1:4 und 4:6 zurück, behielt aber die Nerven und machte wenig später sein drittes Grand-Slam-Viertelfinale in diesem Jahr nach den Australian Open und den French Open perfekt.

Ein Jahr nach seiner traumatischen Endspiel-Niederlage gegen den Österreicher Dominic Thiem, als Zverev eine 2:0-Satzführung noch aus der Hand gab und nur zwei Punkte vom Titel entfernt war, strebt Zverev das Double aus Olympia-Gold und US-Open-Titel an – was vor ihm nur dem Schotten Andy Murray 2012 gelungen war.

Bei den Frauen macht Olympiasiegerin Belinda Bencic aus der Schweiz weiter Eindruck. Die 24-Jährige besiegte die frühere French-Open-Siegerin Iga Swiatek aus Polen 7:6 (14:12), 6:3 und zog nach 2014 und 2019 zum dritten Mal ins Viertelfinale ein. Vor zwei Jahren schaffte sie ihr bestes Resultat mit einer Halbfinalteilnahme. Bencic hat in diesem Jahr in Flushing Meadows noch keinen Satz abgegeben. Gegen Swiatek war es im ersten Durchgang sehr eng, doch die Weltranglisten-Zwölfte behielt die Nerven und agierte dann im zweiten Durchgang überlegen.

Bencic trifft nun auf die erst 18 Jahre alte britische Qualifikantin Emma Raducanu, die weiter für Aufsehen sorgt. Raducanu ließ der US-Amerikanerin Shelby Rogers bei ihrem 6:2, 6:1-Erfolg nicht den Hauch einer Chance und ist erst die dritte Qualifikantin, die seit Einführung des Profitennis 1968 ins Viertelfinale vorgestoßen ist. „Ich fühle mich sehr selbstbewusst und bin glücklich, wie ich hier in den Staaten auftrete“, sagte Raducanu: „Ich habe das Gefühl, dass ich mit jedem Match besser werde.“

Im Abendspiel scheiterte die angeschlagene Kanadierin Bianca Andreescu an der Griechin Maria Sakkari. Andreescu, Titelträgerin von 2019, unterlag der French-Open-Halbfinalistin nach fast dreieinhalb Stunden mit 7:6 (7:2), 6:7 (6:8), 3:6. Sakkari verwandelte um 2.14 Uhr Ortszeit den vierten Matchball und trifft nun auf die frühere Weltranglistenerste Karolina Pliskova aus Tschechien. Andreescu plagten im dritten Satz große Probleme am linken Oberschenkel.

Quelle: tora./dpa
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