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Biathlet Erik Lesser

Happy End in Südtirol

Von Claus Dieterle, Antholz
 - 11:22
Zurück im Rampenlicht: Erik Lesser gewinnt bei der WM zusammen mit Franziska Preuß die Silbermedaille im Single Mixed.

Für die meisten Top-Biathleten mag die Versetzung in die zweite Liga, wie der IBU-Cup gerne genannt wird, eine Art Degradierung sein. Weil man weitab vom Schuss ist, quasi unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Erik Lesser sieht das ganz anders. Dem 31 Jahre alten Thüringer, Silbermedaillengewinner von Sotschi, Weltmeister 2015 und seit Jahren eine Bank in der Staffel, kamen solch illustre Biathlonzentren wie Osrblie im östlichen Zipfel der Slowakei, oder Martell, hoch oben in einem Vinschgauer Seitental, eher wie kleine Wohlfühloasen vor.

Eben weil man vollkommen aus der Schusslinie ist und sich Biathlon dort auf das Wesentliche reduziert: Was Lesser so beschreibt: „Du kommst ins Ziel, ziehst deine Jacke an, und keiner interessiert sich für dich. Dann gehst du kurz zum Physio, dann zu den Technikern; sagst ihnen, die Ski waren gut oder nicht. Und das war es.“ Keine Mixed-Zone-Gespräche, keine Fernsehinterviews, keine Pressekonferenz, keine Sponsorentermine, keine Ablenkungen. „Diese Ruhe hilft einem, seine Form zu finden“, sagt Lesser.

„Glücklich und dankbar“

Das kann man wohl sagen. Als Lesser bei den Weltmeisterschaften in Antholz in der Single-Mixed-Staffel am Donnerstag gebraucht wurde, tauchte er aus der Versenkung auf und holte mit seiner Partnerin Franziska Preuß zusammen die Silbermedaille. Das war, einen Tag nach dem Schießstand-Debakel der deutschen Männer beim 20-Kilometer-Einzel, ein Segen, weil es die erste halbe Medaille für die Skijäger bedeutete. Und weil Lesser den Beweis antrat, dass deutsche Biathleten doch schnell und treffsicher schießen können.

Der Oberhofer steht nach einer missratenen Saison plötzlich als der große Gewinner da. Zumal ihm sein starker Auftritt im Single Mixed auch die Nominierung für die Staffel an diesem Samstag eingetragen hat. Auf seiner angestammten Position, als Startläufer, im Verein mit Philipp Horn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll. „Ich bin glücklich und dankbar für das Vertrauen der Trainer, wieder einmal“, sagte Lesser, „und ich hoffe, dass ich das Vertrauen zurückzahlen kann. Ich weiß aber auch, dass die zwei, die jetzt nicht laufen dürfen, nicht so glücklich sind.“ Was nicht verwunderlich ist, denn Philipp Nawrath und Johannes Kühn haben im Gegensatz zu Lesser die Qualifikationskriterien für die WM erfüllt. Aber vielleicht setzt Bundestrainer Mark Kirchner auf die Schussstärke Lessers, nachdem sich die beiden anderen in Antholz nicht empfehlen konnten.

Probleme mit der Rückenmuskulatur

Lesser war ohnehin der Erste im deutschen Team, der auf Schnellfeuereinlagen setzte, weil es angesichts der Laufstärke von Athleten wie Johannes Thingnes Bö oder Martin Fourcade seine einzige Chance ist, konkurrenzfähig zu bleiben. Wobei so mancher Schuss nach hinten los ging. Das hat auch mit seinen Wehwehchen zu tun. Vor allem der Rücken macht ihm seit Jahren zu schaffen. „Der ist grundsätzlich nicht mehr in der Verfassung, wie ich ihn noch von 2016 kenne“, sagt er. Je länger die Belastung dauert, desto mehr „macht die Rückenmuskulatur zu“, wie er das nennt. Zu allem Übel ist diesen Sommer noch ein Schlüsselbeinbruch dazugekommen: Trainingsunfall mit dem Mountainbike.

Das hat in der Summe zu einer Saison geführt, die normalerweise zum Vergessen wäre. Hätte es dieses Happy End in Südtirol nicht gegeben. In einem Format, das wie kein anderes seinen Fähigkeiten und besonders seiner momentanen Situation entspricht. Fünf Runden à 1,5 Kilometer, da spielt der Rücken mit – und die Form. Genauso lang ist sein Part in der Staffel. „In Sprint, Verfolgung oder Einzel hätte es niemals zu einer Medaille gereicht“, sagt Lesser. „Dazu habe ich im Sommer zu viele Ausfälle gehabt.“

Im Winter war er schlicht nicht konkurrenzfähig. Mehr als die halbe WM-Norm schaffte er nicht – da blieb nur die Rolle als Ersatzmann im WM-Team. Die Formschwäche hat ihn im Januar sogar sein Heimspiel gekostet. Weltcup in Oberhof ohne Erik Lesser, das ist eigentlich undenkbar. Aber da begann schon die Aufbau-Tour im IBU-Cup. Lesser wollte zurück zu den Basics, ohne Druck. „Einfach vernünftig laufen, gut schießen und schauen, was dabei herauskommt. Ein gutes Gefühl holen“, sagt Lesser. Das hat er jetzt umso mehr, und „das gibt mir Zuversicht für die Zukunft“.

Trotzdem ist das Kapitel Weltcup für diese Saison beendet. Am Sonntag steigt Lesser ins Flugzeug nach Minsk, wo die Europameisterschaften stattfinden. Danach ist Schluss. Der Rücken bekommt endlich die nötige Reha, der Körper Ruhe. „Dann kann ich hoffentlich mit dem Rückenwind aus Antholz die neue Saison beginnen“, sagt Lesser. Der Anspruch ist klar: Auf der großen Bühne wieder oben stehen. Nicht nur in der Single-Mixed-Staffel.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dieterle, Claus
Claus Dieterle
Sportredakteur.
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