Staffeln bei Biathlon WM

Krimi für deutsche Männer – Frauen „rocken“

Aktualisiert am 22.02.2020
 - 16:27
Wechsel geglückt: Arnd Peiffer (rechts) und Benedikt Doll in Antholz
Die deutsche Damen-Staffel gewinnt bei den Biathlon-Weltmeisterschaften in Antholz Silber. Es ist der erste Podestplatz der Saison. Und die Männer-Staffel erlebt ein turbulentes Rennen.

Die deutschen Biathlon-Männer haben in Antholz WM-Bronze in der Staffel gewonnen und damit ihre erste Medaille bei den Titelkämpfen in Italien geholt. Erik Lesser, Philipp Horn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll mussten sich am Samstag nach einer Strafrunde und acht Nachladern in der Südtirol-Arena nur Frankreich (0 Strafrunden/4 Nachlader) und Norwegen (1/12) geschlagen geben.

In den bisherigen drei Einzelrennen waren die deutschen Skijäger leer ausgegangen. Lange lag die deutsche Männer-Staffel in Führung, doch beim letzten Schießen musste der Schwarzwälder Doll in die Strafrunde. Der Schlussläufer aus dem Schwarzwald benötigte sechs Nachlader.

Das deutsche Quartett lag nach den 4x7,5 Kilometern 36,2 Sekunden hinter den Franzosen. Für den nur als Ersatzmann zur WM gereisten Erik Lesser war es nach Silber in der Single-Mixed-Staffel die zweite Medaille in Antholz. Der 31-Jährige hatte den Vorzug vor Johannes Kühn und Philipp Nawrath erhalten. Zum Abschluss der WM in Antholz stehen am Sonntag die beiden Massenstart-Wettkämpfe auf dem Programm.

Sie waren schon so gut wie geschlagen, doch am Ende jubelten Denise Herrmann, Franziska Preuß, Vanessa Hinz und Karolin Horchler noch über Staffel-Silber. Nach einer völlig verrückten Damen-Staffel lag das deutsche Quartett am Samstag im italienischen Antholz nach neun Nachladern 10,7 Sekunden hinter Titelverteidiger Norwegen. Für das deutsche Team war es die vierte Silber-Medaille der diesjährigen Titelkämpfe in der Südtirol-Arena.

Bronze über die 4x6 Kilometer sicherte sich die Ukraine, die 18,4 Sekunden hinter den Norwegerinnen lagen. Das Team um Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Roiseland konnte beim neuerlichen Titel-Triumph sogar eine Strafrunde und neun Extrapatronen kompensieren.

„Es war ein geiles Rennen, richtig verrückt, weil die anderen so viel daneben geschossen haben. Wir haben es gerockt“, sagte die Verfolgungszweite Denise Herrmann nach dem ersten Podestplatz der Damen-Staffel in dieser Saison in der ARD. Die 31-Jährige lobte ihre Teamkollegin Franziska Preuß. „Die Franzi hat die Staffel richtig zurück ins Geschäft gebracht.“ Denn zwischendurch sah es nicht so gut aus. Sogar Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner, die ARD-Expertin, „war nicht mehr ganz so optimistisch“.

„Stehend habe ich brutal gezittert, ich war schon vorher extrem aufgeregt“, sagte Startläuferin Karolin Horchler. Vier Reservepatronen benötigte die 30-Jährige, übergab mit einem Rückstand von 70 Sekunden als 19. auf die lange an der Spitze laufenden Italienerinnen an Vanessa Hinz. Die Silber-Medaillengewinnerin im 15-Kilometer-Einzel konnte zwar am Schießstand glänzen, doch in der Loipe keine Zeit auf die Italienerin Dorothea Wierer gutmachen. „Ich habe versucht, mein Rennen zu machen und gar nicht zu schauen, wo wir liegen“, sagte die 27-jährige aus dem bayerischen Schliersee.

Immerhin übergab Hinz als Zehnte mit einem Rückstand von 1:38 Minuten an Franziska Preuß. Die 25-Jährige, die am Donnerstag zusammen mit Erik Lesser Silber in der Mixed-Staffel gewonnen hatte, hatte am Vorabend ihren Teamkolleginnen die Fingernägel schwarz-rot-gold lackiert. Erst benötigte sie einen Nachlader im Liegendanschlag, dann glänzte sie mit einer fehlerfreien Stehend-Serie.

Und weil die Führenden um die Italienerin Federica Sanfilippo mit ihren Nachladern nicht auskamen und Strafrunden drehen mussten, waren die Medaillen für das deutsche Team plötzlich wieder möglich. Mit einem 43-Sekunden-Rückstand übergab Preuß als Vierte an Schlussläuferin Herrmann. „Ich habe mitgekriegt, dass ein Wunder geschehen muss, wenn wir da vorn mitmischen wollen“, sagte Preuß und war deshalb „voll ins Risiko“ gegangen.

Vorne lagen nach dem letzten Wechsel die Polinnen, die vom dreimaligen Olympiasieger Michael Greis trainiert werden. Doch die 40 Jahre alte Schlussläuferin Magdalena Gwizdon konnte dem Druck nicht standhalten. Hermann behielt die Nerven am Schießstand und brachte die deutsche Staffel dank ihrer läuferischen Qualitäten noch auf den Silber-Platz. Die lange Zeit überlegen führenden Italienerinnen wurden am Ende Zehnte.

Quelle: jaeh./dpa
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