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Biathlon-WM in Antholz

Ein Deutscher an der Schwelle zur Weltklasse

Von Claus Dieterle, Antholz
Aktualisiert am 19.02.2020
 - 11:31
Will in Antholz für Aufsehen sorgen: Biathlet Philipp Horn
Er ist ein geadelter Debütant: Philipp Horn läuft sogar so schnell wie Biathlon-Ikone Johannes Thingnes Bø. Dass der Deutsche mit den Besten mithalten kann, musste er sich jedoch hart erarbeiten.

Als Kind hat Philipp Horn oft „heulend unterm Tisch gelegen“, wenn er beim „Mensch ärgere Dich nicht“ mal wieder verloren hatte. „Ja, ich war ein richtig schlechter Verlierer“, sagt der 25 Jahre alte Biathlet aus Frankenhain. Getrieben vom brennenden Ehrgeiz, immer der Beste zu sein. Dieser Charakterzug war ihm oft im Weg, aber ohne ihn stünde er vermutlich jetzt nicht dort, wo er sich in dieser Saison festgesetzt hat: an der Schwelle zur Weltklasse, Platz 15 im Gesamt-Weltcup.

Es gibt nicht viele, die bei ihrem WM-Debüt auf Platz acht landen, wie Horn im Sprint von Antholz. Und es gibt noch viel weniger Athleten, die es schaffen, so schnell unterwegs zu sein wie der norwegische Biathlonstar Johannes Thingnes Bø, wie Horn im Sprint. „Ich konnte es erst gar nicht glauben“, sagt Horn. Leider hat es ihn tags drauf in der Verfolgung auf Platz 18 zurückgeworfen: sechs Strafrunden! Da war wieder Ärgern angesagt: „Ich habe am Schießstand nicht das gezeigt, was ich mir vorgenommen habe“, sagt er. Verlieren hat er mittlerweile halbwegs gelernt, „aber ärgern“, sagt Horn, „muss man sich“.

„So viele Fehler“

Im Gegensatz zu früher indes nur kurz, dann gilt es, sofort Lehren aus der Analyse zu ziehen. Eine Sache des Timings sei es gewesen. „Ich habe immer ein My zu früh oder zu spät gedrückt. Aber ich weiß, dass es keine grundlegenden Fehler waren.“ Trotzdem hat ihm der erfahrene Thüringer Kollege Erik Lesser erst mal die Leviten gelesen: „Mensch, da läufst du so super, und dann so viele Fehler.“ Früher hat Horn zum 31 Jahre alten Weltmeister von 2015 aufgeschaut; mittlerweile hat er ihn aus der Staffel verdrängt. Auch Olympiasieger Arnd Peiffer erinnert sich an Trainingseinheiten mit Horn, „da habe ich ganz schön gelitten“. Und er hat dem Thüringer in Antholz so eine Art Adelstitel verpasst: Johannes Thingnes Horn. „Dem Philipp traue ich alles zu.“ Das gilt auch für den 20-Kilometer-Einzelwettbewerb, der an diesem Mittwoch (14.15 Uhr in der ARD und bei Eurosport) in Antholz auf dem WM-Programm steht.

Ein Format, das Horn schätzt, „weil es nicht so hektisch zugeht“. Davon unabhängig traut er sich mittlerweile selbst eine Menge zu: „Natürlich will ich mich in der Weltspitze etablieren. Aber da muss ich erst mal hinkommen. Ich sehe momentan aber auch, dass es möglich ist. Dass ich mit einem soliden Rennen Sechster werden kann“, sagt er. So wie beim Heimspiel in Oberhof. „Was mir noch fehlt, ist die Konstanz.“ Das klingt alles sehr klar, sehr nüchtern und keineswegs nach jugendlichem Übermut.

Horn ist eben keiner dieser Hochbegabten, die – sportlich betrachtet – mal eben eine Klasse überspringen. Es ist selten glatt gelaufen in seiner Karriere, die mehrmals am seidenen Faden hing. Die Eltern haben ihn daheim in Frankenhain kurzerhand in den Biathlonverein „gesteckt“, wie er sagt. Da war er vier oder fünf. „Und da hatte ich noch kein Mitspracherecht.“ Aber die vier Jahre ältere Schwester war schon im Klub, und an der hat er sich jahrelang gemessen. „Die war viel erfolgreicher als ich.“

„Nicht gut genug“

Der Ehrgeiz war geweckt. Der hat ihn über manche Durststrecke hinweggetragen. Natürlich wollte er, wie die Schwester, aufs Sportgymnasium in Oberhof. „Das habe ich nicht geschafft, weil ich im Schießen nicht gut genug war“, sagt Horn. Also hat er Zusatzschichten eingelegt und sich vorgenommen: „Ich gebe noch mal ein halbes Jahr Vollgas, wenn es dann nicht reicht, dann lasse ich es.“ Es reichte im zweiten Anlauf. Dann ging es richtig los, und „Hörnchen“ bekam seinen ungeliebten Spitznamen weg: „Weil wir drei Philipps in der Klasse waren.“

Aber es gab noch eine Phase, in der sich alles hätte ändern können. Die Entscheidung: „Studieren oder vielleicht mein Hobby zum Beruf machen?“ Horn hat auf die Karte Biathlon gesetzt und ist dann in der Trainingsgruppe von Bundestrainer Mark Kirchner gelandet. Und er musste sich hochdienen: seine Runden im IBU drehen, bis er 2018 sein Weltcup-Debüt geben durfte. In der vergangenen Saison reichte es, sporadisch eingesetzt, nur zu Platz 66 im Gesamt-Weltcup.

Woher dieser Qualitätssprung jetzt kommt, weiß Horn selbst nicht so genau. „Natürlich stellt sich die Frage: Was habe ich anders gemacht? Aber ich habe nichts anders gemacht“, sagt er. Aber im Grunde lässt die Summation der Trainingsjahre das Fundament jedes Jahr ein Stück wachsen. „Man merkt von Jahr zu Jahr, wie man auch harte Trainingseinheiten besser verkraftet, sich schneller erholt. So kann man immer mehr und härter trainieren, das ist der Schlüssel“, vermutet Horn. Und natürlich sein Ehrgeiz. „Läuferisch ist er in der Weltklasse angekommen“, sagt Bundestrainer Kirchner. Natürlich brauche er noch die „Jahre des Lernens, aber mit so einem WM-Debüt ist er auf einem guten Weg, ein Großer zu werden“.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dieterle, Claus
Claus Dieterle
Sportredakteur.
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