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Bob-Pilotin holt WM-Silber

Kim Kalicki mit Spaß am Risiko

Von Martin Wolff, Altenberg
Aktualisiert am 23.02.2020
 - 17:56
Große Freude bei Kim Kalicki (r.) und der erst 20 Jahre alten Anschieberin Kira Lipperheide
Vor zwei Wochen wusste sie nicht mal, ob sie startet, nun ist Kim Kalicki bei ihrem WM-Debüt im Zweierbob gleich zu Silber gefahren – in einem der gefährlichsten Eiskanäle. Die frühere Sprinterin und Hürdenläuferin könnte den Sport revolutionieren.

Natürlich quoll das Smartphone der Wiesbadener Bob-Pilotin Kim Kalicki nach ihrem aufsehenerregenden Abschneiden bei der Weltmeisterschaft in Altenberg geradezu über. Voller Glückwünsche, speziell aus ihrer Heimatstadt Wiesbaden. Schon ihre Eltern sind in der Landeshauptstadt aufgewachsen. Dabei wusste die Zweiundzwanzigjährige bis zum 8. Februar noch gar nicht, dass sie auf der berüchtigten Kunsteisbahn im Erzgebirge überhaupt würde mitfahren dürfen.

Erst an diesem Tag sicherte sich Kalicki durch ihren Triumph bei der Juniorenweltmeisterschaft in Winterberg den letzten noch offenen WM-Startplatz. Statt dann – wie es sich für eine Debütantin mit erst zwei Weltcuprennen Erfahrungsschatz geziemen würde – in den insgesamt vier Läufen an Freitag und Samstag erst einmal nur ehrfürchtig mitzufahren, raste sie mit ihrer zwanzigjährigen Anschieberin Kira Lipperheide gleich auf Rang zwei vor. Und das in einem der gefährlichsten Eiskanäle des Bobsports.

Selbst fürchterliche Stürze zweier im ersten Lauf kurz vor ihr gestarteten Konkurrentinnen konnten Kalicki nicht verunsichern, denn „ich liebe nun mal Bahnen, auf denen an ganz vielen Stellen Gefahr lauert“. Von ihrer in Altenberg nervlich völlig aufgewühlten Mutter hat die unbeschwerte junge Athletin ihre Risikofreude definitiv nicht: „Meine Mama kam mir nach den ersten beiden Läufen erstmal weinend entgegen, denn für sie ist das Bobfahren nicht ganz so cool. Sie hat immer ein bisschen Angst. Aber ich glaube, jetzt freut sie sich.“ So wie mit ihr viele Mitglieder der TuS Eintracht Wiesbaden 1846. Dem Verein, für den die Abiturientin lange als Sprinterin und Hürdenläuferin aktiv war. Und der vor Jahren, eigens ihr zuliebe, eine Bob-Abteilung gründete, die mittlerweile zehn Bundeskader-Athleten zählt.

Bald auch im Weltcup aktiv?

Oberhalb von ihr, auf dem höchsten Treppchen, stand bei der Siegerehrung vor vollen Rängen im Erzgebirge die erfolgreichste Bobpilotin der vergangenen zwölf Jahre: die zweimalige Olympiasiegerin Kaillie Humphries. Genau wie bei ihren bislang einzigen Weltcuprennen, vergangenen Dezember in Lake Placid, wo Kaliki prompt zunächst Dritte und eine Woche später gar Zweite wurde. Die Vierunddreißigjährige vom kanadischen in den amerikanischen Verband gewechselte Humphries schwärmt geradezu von Kalicki: „Kim ist mir schon vor vier, fünf Jahren in Arizona bei gemeinsamer athletischer Saisonvorbereitung aufgefallen. Sie hatte da bereits dieses Star-Appeal. Diese besondere Ausstrahlung eines Siegertypen.“ Dass sich ihre Wege nach Lake Placid erst in Altenberg wieder kreuzten, liegt daran, dass Kalicki bis vor drei Wochen offiziell nur die Nummer vier der deutschen Pilotinnen war und nur drei im Weltcup starten dürfen. Die Rangordnung könnte sich nun ändern, deutet Bundestrainer Rene Spies an: „Die Etablierten spüren, dass der Kampf um unsere drei Weltcup-Plätze immer enger wird.“

Olympiasiegerin Mariama Jamanka lag bereits an diesem Wochenende deutlich hinter der gerade in Wiesbaden zur Polizei-Kommissarin ausgebildeten Senkrechtstarterin: „Kim ruht einfach in sich selbst. Die macht so schnell gar nichts nervös.“ Nicht mal eine lange Nacht zum Nachdenken zwischen Lauf zwei und Lauf drei einer WM: „Die Trainer“, so Kaliki schmunzelnd, „sind am Abend gekommen und haben gesagt: ,Habt Spaß hier, ihr seid Juniorenweltmeister geworden, ihr könnt hier mitfahren.‘ Und den Spaß, den hatten wir dann ja auch.“

Quelle: F.A.Z.
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