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Herrmann gewinnt Silber

Balsam auf geschundene Seelen

Von Claus Dieterle, Antholz
Aktualisiert am 16.02.2020
 - 13:45
Denise Herrmann sichert sich Silber bei der Biathlon-WM.
Am vierten Tag der Biathlon-WM gibt es die erste deutsche Medaille: In der Verfolgung läuft Denise Herrmann auf Platz zwei. Nur eine Italienerin ist besser. Auch die anderen Deutschen schneiden gut ab.

Die bunte Wand in der Antholzer Südtirol Arena geriet mächtig in Bewegung, als Denise Herrmann zum Überholmanöver ansetzte. Und der Lärm der 15.000 auf der riesigen Zuschauertribüne rechts vom Schießstand steigerte sich zum Orkan, als die 31 Jahre alte Sächsin mit einem energischen Antritt am letzten Anstieg auf der Huber Alm die norwegische Sprint-Weltmeisterin Marte Olsbu Röiseland abschüttelte. Dorothea Wierer, der Südtiroler Star aus dem Antholzertal, war nicht mehr einzufangen und sorgte als Verfolgungs-Weltmeisterin für Jubelstürme bei ihren Landsleuten. Aber am vierten Wettkampftag der Biathlon-WM glänzte die erste deutsche Medaille beinahe wie Gold, selbst wenn sie nur aus Silber war.

Wie groß die Erleichterung in der deutschen Mannschaft war, lässt sich allein an den Worten des bislang arg gebeutelten Frauentrainers Kristian Mehringer festmachen. „Die ersehnte Medaille ist da“, sagte der Bayer: „Jetzt fällt die erste Last mal ab. Jetzt können wir die nächste Woche positiv angehen.“ Zumal auch Vanessa Hinz auf Rang fünf und Franziska Preuß als Siebte zum starken Gesamt-Eindruck beitrugen. Das war Balsam auf geschundene Seelen – Krise abgewendet. „Wir haben in den letzten Monaten ja genug auf die Rübe bekommen“, sagte Mehringer. Auch in Antholz. Vor allem am Schießstand zerplatzten die deutschen Träume.

Auch diesmal scheiterte die durchaus mögliche Jagd auf Gold mit dem letzten Schuss. „Der war sauknapp“, befand Mehringer, und ohne die insgesamt dritte Strafrunde hätte Denise Herrmann dank ihrer bestechenden Laufform den Südtirolern wohl noch ihren Wierer-Tag verdorben. „Klar hätte es klappen können“, sagte die 31 Jahre alte Sächsin mit Wohnsitz Ruhpolding, „ich hätte länger nachhalten müssen.“ Aber als Jägerin musste sie am Schießstand aufs Tempo drücken. Eine Gratwanderung. Nein, sie habe Gold nicht verloren, sondern Silber gewonnen. „Ich bin happy, aber es wird noch ein wenig dauern, bis das tiefer sinkt.“

Denise Herrmann war vor dem Rennen am Sonntag genauso so aufgeregt wie optimistisch, obwohl sie vorher in der Mixed-Staffel in die Strafrunde musste, und auch im Sprint dreimal das Ziel verfehlte. „Aber es waren oft nur Millimeter, und wenn du weißt, dass du in richtig guter Verfassung bist, gibt dir das Selbstvertrauen.“ Sie hat sich inzwischen Mentaltechniken angeeignet, die sie im entscheidenden Moment vor dem verführerisch-gefährlichen Rattern im Hirn bewahren sollen, aber natürlich gelingt das nicht immer. Aber immer öfter. Und zur positiven Einstimmung auf den Verfolger zählte auch der kleine Abstecher am Samstag ins knapp 25 Kilometer entfernte Toblach: An die Loipen dort hat sie aus ihrer Zeit als Langläuferin die besten Erinnerungen. „Ich habe das richtig genossen.“ Und bei ihrer Ausgangslage – Platz fünf im Sprint – „war noch alles drin“.

Auch Östersund ist ihr durch den Kopf gegangen. Vor einem Jahr bei der WM im Jämtland ist sie aus einer ähnlichen Position in die Verfolgung gestartet – und nach zehn Kilometern streckte sie freudestrahlend die Arme in den schwedischen Winterhimmel. Es war ihr erster – und bislang einziger WM-Titel. Und mit dem Silber von Antholz gerät die Verfolgung endgültig zu ihrer Lieblings-Disziplin. Und natürlich weiß sie den Wert ihrer Medaille für das gesamte Team richtig einzuordnen. „Es ist so brutal eng im Feld, auch bei den Männern, da entscheiden oft Kleinigkeiten. Da ist es wichtig, wenn man belohnt wird.“

Darauf warten ihre Teamkollegen allerdings immer noch. Am Sonntag, als zur großen Jagd auf den ungeliebten Sprint-Weltmeister Alexander Loginow (siehe Text auf dieser Seite) geblasen wurde, dessen Start deutlich vernehmbare Buhrufe begleiteten, gingen die deutschen Skijäger leer aus, selbst wenn Arnd Peiffer auf Rang fünf eine sehr gute Vorstellung ablieferte. „Ich habe mit einem Fehler nahezu das Optimum herausgeholt“, sagte der 32 Jahre alte Niedersachse, „aber die vorne haben nicht viel zugelassen. Die Tür ist für mich nicht aufgegangen.“ Weil Loginow die gesamte Weltelite im Nacken saß. Doch erst im letzten Anschlag erlaubte sich der Russe einen Fehlschuss.

Die Tür öffnete sich dann für zwei andere: Emilien Jaquelin, der als Einziger unter den Top Ten fehlerfrei geblieben war, und Johannes Thingnes Bö, wobei der Norweger dem erst 24 Jahre alten Franzosen im Finish um 0,4 Sekunden unterlag. Martin Fourcade schlüpfte zwar erst deutlich nach Loginow ins Ziel, aber ihm war die Freude anzusehen. Die Hierarchie war halbwegs wieder hergestellt. Auch das sorgte für eine gewisse Erleichterung.

Jacquelin Verfolgungsweltmeister – Peiffer Fünfter

Die deutschen Biathlon-Männer haben bei den Weltmeisterschaften im italienischen Antholz auch in der Verfolgung keine Medaille gewonnen. Der fehlerfreie Emilien Jacquelin aus Frankreich gewann am Sonntag vor dem Norweger Johannes Thingnes Bö, der zweimal in die Strafrunde musste und um 0,4 Sekunden geschlagen wurde. Dritter wurde der ehemalige Doper Alexander Loginow aus Russland, der sich am Vortag im Sprint-Wettkampf durchgesetzt hatte. Bester deutscher Skijäger als Fünfter war Olympiasieger Arnd Peiffer, der eine Strafrunde drehen musste und 53,9 Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel kam. „Es war eine solide Leistung, eine ordentliche Leistung, aber die vorne haben nichts zugelassen“, sagte Peiffer im ZDF.

Der Sprint-Achte Philipp Horn musste gleich sechsmal in die Strafrunde und kam auf Platz 18. Auf Rang 28 lief der Sprint-40. Johannes Kühn (5 Fehler). Nach sieben Schießfehlern rutschte der frühere Weltmeister Benedikt Doll, der am Samstag im Sprint 14. geworden war, auf Platz 29 im Jagdrennen. Für die Männer geht es in der Südtirol-Arena am Mittwoch mit dem 20-Kilometer-Einzel weiter. Nach einem Ruhetag am Montag gehen die Wettkämpfe dann mit dem 15-Kilometer-Rennen der Frauen am Dienstag weiter. Nach ihrem Silber-Coup in der Verfolgung könnte Denise Herrmann die zweite Medaille für das deutsche Team gewinnen. (dpa)

Quelle: dpa/sid
Autorenporträt / Dieterle, Claus
Claus Dieterle
Sportredakteur.
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